Knorr-Bremse lässt sich noch Zeit

Börsengang bleibt vorrangige Option für Nachfolgeregelung - Hohe Sonderdividende für Gesellschafter

Knorr-Bremse lässt sich noch Zeit

jh München – Knorr-Bremse bereitet sich darauf vor, die Voraussetzungen für einen Börsengang zu erfüllen. So wird die Bilanzierung vom Handelsgesetzbuch auf die internationalen Vorschriften IFRS umgestellt. Aber der 76 Jahre alte Eigentümer Heinz Hermann Thiele hat sich offenbar noch nicht entschieden, wie er seine Nachfolge für den Münchner Weltmarktführer für Bremsen in Schienen- und Nutzfahrzeugen regelt. Mit einem Initial Public Offering (IPO) vor der Sommerpause ist deshalb nicht zu rechnen. “Ein IPO bleibt die vorrangige Option”, sagte der Vorstandsvorsitzende Klaus Deller in der Bilanzpressekonferenz. “Wenn es losgeht, sagen wir Bescheid.” Einen strategischen Investor ins Unternehmen zu holen, kommt für Knorr-Bremse nach seinen Worten nicht in Frage – ebenso wenig eine Fusion. “Etwas anderes verfolgen wir nicht”, sagte Deller mit Blick auf die Prüfung eines Börsengangs.In der Finanzbranche in Frankfurt wird Knorr-Bremse seit einiger Zeit als sicherer Börsenkandidat genannt. Spekuliert wird über ein Volumen von 4 Mrd. Euro für einen Streubesitzanteil von 20 bis 40 %. Deutsche Bank, J.P. Morgan und Morgan Stanley sollen schon mandatiert sein. Danach gefragt antwortete Deller: “Ich habe sogar von zehn Banken gehört.” Selbstverständlich arbeite das Unternehmen mit Partnern zusammen, um sich auf einen möglichen Börsengang vorzubereiten. Die Umstellung auf IFRS sei ein Kraftakt, sagte Ralph Heuwing, seit November 2017 Finanzvorstand von Knorr-Bremse. 148 Gesellschaften müssten konsolidiert werden. Deller nannte sogar 156. In Sachen Unternehmensführung ziehe Knorr-Bremse ebenfalls nach, zum Beispiel mit einem internen Kontrollsystem. “Wir sind in jeder Hinsicht handlungsfähig”, sagte Heuwing.Auch die Ausschüttung einer Sonderdividende begründete er mit dem Ziel, das Unternehmen für die Börse fit zu machen. “Aus Sicht von manchen sind wir vielleicht überkapitalisiert”, fügte Heuwing hinzu. Deswegen werde die Kapitalstruktur optimiert. “Das ist fällig und richtig”, meinte Deller. Die Gesellschafter – neben Thiele seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff – erhalten aus dem Bilanzgewinn von 944 Mill. Euro eine Dividende von 850 Mill. Euro. Die Ausschüttung übertrifft den Jahresüberschuss um 270 Mill. Euro (siehe Tabelle). Knorr-Bremse erziele einen starken Mittelzufluss, argumentierte Heuwing. Über Jahre habe sich Geld angesammelt, das nicht ausgegeben werden konnte.