Kreuzende Tiere stimmen Nintendo froh
Kreuzende Tiere stimmen Nintendo froh
Von Martin Fritz, TokioDas Videospiel “Animal Crossing – New Horizons” bewegt die Welt. In China ist es samt der dazugehörigen Konsole Switch von Nintendo seit vergangener Woche vom populären Online-Einkaufsportal Taobao verschwunden. Der mutmaßliche Grund: Einige Anhänger der Demokratiebewegung in Hongkong hatten die Spielfunktion, Bilder und Slogans zu kreieren und über soziale Medien zu teilen, dafür benutzt, ihre Regierungschefin Carrie Lam sowie Chinas Präsidenten Xi Jinping zu kritisieren. Der bekannte Aktivist Joshua Wong zum Beispiel postete einen Screenshot von einem Banner mit dem Schriftzug “Befreit Hongkong, Revolution jetzt”, das er innerhalb des Spiels erzeugt hatte.Außerhalb von China und Hongkong wurde “Animal Crossing” unterdessen zu einem beliebten Zeitvertreib während der Corona-Quarantäne. Der virtuelle Aufenthalt in der von Tieren bevölkerten pastellfarbenen Kunstwelt tröstet anscheinend viele Singles über ihre Einsamkeit hinweg und vertreibt Familien die Langeweile. Auf einer idyllischen Insel mit Palmen und Wasserfällen führen ihre Avatare nämlich ein normales Sozialleben. Sie gehen angeln, kümmern sich um ihren Garten, planen Hochzeiten, kaufen Immobilien und besuchen Nachbarinseln, um die Kreationen ihrer Freunde anzuschauen. Zu Tausenden teilen Nutzer ihre Game-Screenshots auf Facebook und Twitter.Der Nutznießer des Trends heißt Nintendo: In den ersten zehn Tagen verkaufte das Unternehmen aus Kyoto 2,6 Millionen Hardware-Spielekopien, mehr als doppelt so viele wie bei der vorigen Version eines Spiels, das bereits seit 2001 auf dem Markt ist. Dazu kamen unzählige Downloads der Smartphone-App “Animal Crossing: Pocket Camp”.Diese Popularität heizte wiederum die Nachfrage nach den Konsolen Switch und Switch Lite derartig an, dass Nintendo eine Woche lang gar keine Bestellungen mehr erlaubte. Seit Mittwoch sind Online-Aufträge wieder möglich, ausgeliefert wird in der Zeit zwischen Ende April und Mitte Mai.Der Grund für die Verzögerung: Die Fabriken von Nintendos Auftragsfertigern in Vietnam und China konnten infolge der Pandemie nicht mit voller Kapazität laufen. Bei Auktionen in Japan erzielten gebrauchte Switch-Konsolen daher gemäß einem Bericht der Finanzzeitung “Nikkei” einen Durchschnittspreis von 50 500 Yen (umgerechnet 428 Euro), zwei Drittel mehr als der Ladenpreis für eine neue Konsole.Laut einem Bloomberg-Bericht verkauft sich die Switch derzeit schneller als bei ihrem Marktstart vor drei Jahren. Das könnte erklären, warum die Aktie von Nintendo auf den höchsten Stand seit zwei Jahren geklettert ist.——Die pastellfarbene Kunstwelt tröstet Singles und vertreibt Familien die Langeweile.——