Krise bremst Wachstumstempo von SAP

Lizenzerlöse brechen im ersten Quartal um 30 Prozent ein - Cloud-Geschäft hält Software-Konzern auf Kurs - Ausblick gesenkt

Krise bremst Wachstumstempo von SAP

Der konsequente Ausbau des Cloud-Geschäfts kommt SAP in der Krise zugute. Obwohl der Umsatz aus dem Verkauf von Software-Lizenzen im ersten Quartal um 31 % einbrach, sorgt der kräftige Anstieg der Mietsoftware-Einnahmen dafür, dass die Erlöse konzernweit weiter zulegen. Den Ausblick hat SAP zwar gesenkt. Die Investoren hatten indes Schlimmeres befürchtet. Mit knapp 5 % Kursgewinn war SAP viertstärkster Wert im Dax.scd Frankfurt – Auch der Software-Konzern SAP hat die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zum Ende des ersten Quartals deutlich zu spüren bekommen. Vor allem das Neugeschäft mit Software-Lizenzen ist eingebrochen. Eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen sei gegen Ende des Quartals verschoben worden, teilte SAP mit.Die Software-Lizenzerlöse gingen gegenüber dem Vorjahr um fast ein Drittel auf 0,45 Mrd. Euro zurück. Dank einer 29-prozentigen Steigerung der Cloud-Erlöse auf 2,01 Mrd. Euro legten die Cloud- und Software-Erlöse insgesamt dennoch um 7 % auf 5,4 Mrd. Euro zu. Die Konzernerlöse zogen ebenfalls um 7 % auf 6,52 Mrd. Euro an. Auf vergleichbarer Basis (Non-IFRS, währungsbereinigt) betrug das Plus noch immer 5 %.Der Anteil der besser planbaren Umsätze an den gesamten Erlösen stieg im ersten Quartal im Wesentlichen aufgrund des Einbruchs der Lizenzverkäufe um rund vier Prozentpunkte auf rund 76 %. Die Kennziffer, die SAP bis 2023 auf 80 % steigern will, wird im laufenden Jahr nun bei 72 (bisher: 70) % erwartet. “Wir konzentrieren uns seit vielen Jahren darauf, einen hohen Anteil von besser planbaren Umsätzen aufzubauen. Dadurch ist die SAP widerstandsfähiger als je zuvor”, sagte Finanzvorstand Luka Mucic. SAP werde die Coronakrise bewältigen und – wie bereits bei vergangenen Konjunktureinbrüchen – gestärkt aus ihr hervorgehen.Das Betriebsergebnis (IFRS) verdoppelte sich im ersten Quartal auf 1,21 Mrd. Euro, was im Wesentlichen auf einen geringeren Einfluss von Restrukturierungskosten sowie Aufwendungen für anteilsbasierte Vergütung zurückzuführen war. Um alle Sondereffekte und währungsbereinigt lag der operative Gewinn um 1 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres, teilte SAP mit.Trotz der Unsicherheiten hat der Walldorfer Software-Konzern seinen Ausblick für 2020 nicht zurückgezogen, sondern lediglich gesenkt (siehe Grafik). Die Cloud-Erlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) werden nun in einer Spanne zwischen 8,3 Mrd. und 8,7 Mrd. Euro erwartet. Bislang hatte Europas größter Software-Konzern 8,7 Mrd. bis 9,0 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Die neue Spanne entspricht währungsbereinigt einer Wachstumsrate von 18 bis 24 % zum vergangenen Jahr. Insgesamt werden die Cloud- und Software-Erlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) bei 23,4 Mrd. bis 24,0 Mrd. Euro erwartet (zuvor 24,7 bis 25,1 Mrd. Euro). Hier wird ein Wachstum von 1 bis 4 % unterstellt. Das Betriebsergebnis soll bei 8,1 bis 8,7 (8,9 bis 9,3) Mrd. Euro ins Ziel kommen. Am unteren Ende der Spanne wäre das 1 % weniger operativer Gewinn als im Vorjahr, am oberen Ende 6 % mehr. Die Mittelfristziele für 2023 behielt SAP unverändert bei.Bei dem angepassten Ausblick unterstellt SAP, dass sich das aufgrund der Coronakrise derzeit schwierige Marktumfeld bis ins zweite Quartal weiter verschlechtern wird. Im dritten und vierten Quartal werde sich die Lage dann allmählich bessern, wenn Länder ihre Wirtschaft wieder hochfahren und die Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung aufgehoben werden.An der Börse kam der angepasste Ausblick gut an. Die SAP-Aktie verteuerte sich im Tagesverlauf um mehr als 6 % und ging mit einem Plus von 4,8 % auf exakt 110 Euro aus dem Handel. Damit lag die Marktkapitalisierung des mit Abstand schwersten Dax-Konzerns bei rund 131 Mrd. Euro. Die meisten Analysten zeigten sich wenig überrascht, dass der Jahresausblick angepasst werden musste. Gregory Ramirez von Bryan Garnier blieb etwa bei seiner Kaufempfehlung. Die Zahlen zum ersten Quartal hätten seinen Erwartungen entsprochen. Der Ausblick sei indes weniger stark nach unten revidiert worden als befürchtet. Auch Commerzbank-Analyst Florian Treisch blieb bei seiner Kaufempfehlung. Die Prognose für 2020 und die Mittelfristziele zeigten die hohe Widerstandskraft des SAP-Geschäftsmodells.