Lagardère trennt sich von Zeitschriften

Umbau der Medienaktiva - Mehr Verkäufe erwartet

Lagardère trennt sich von Zeitschriften

wü Paris – Es sei die schleichende Demontage eines Zeitschriftenriesen, urteilt der Radiosender “France Inter”. Denn der Medienkonzern Lagardère will sich nun auch von einem Teil seiner französischen Zeitschriften trennen, um Kasse zu machen. Er kündigte am Mittwoch an, exklusive Verkaufsverhandlungen mit Czech Media Invest über ein Zeitschriftenpaket zu führen, das aus “Elle”, “Version Femina”, “Art & Décoration”, “Télé 7 Jours”, “France Dimanche”, “Ici Paris” und “Public” sowie deren verschiedenen Formaten besteht. Nur einen Tag zuvor hatte Lagardère bekannt gegeben, seine Radiosender in Polen, Rumänien, der Tschechischen Republik und der Slowakei für 73 Mill. Euro an Czech Media Invest veräußern zu wollen. Czech Media Invest gibt die meistverkaufte tschechische Boulevardzeitung “Blesk” sowie drei weitere Tageszeitungen und mehrere Zeitschriften heraus.Die diese Woche von Lagardère angekündigten Verkäufe dürften erst der Auftakt sein. Denn Konzernchef Arnaud Lagardère hatte im März angekündigt, dass er die Mediensparte des Unternehmens umbauen wird. Sie soll künftig aus fünf autonomen Einheiten bestehen: Presse, News, Fernsehen, Lagardère Studios und einem Pool reiner Internet- und B2B-Aktivitäten. Zu der Presseeinheit hätten auch die Zeitschriften gehören sollen, die der Konzern nun an Czech Media Invest verkaufen will. Dagegen will sich Lagardère nicht von der Zeitschrift “Paris Match” und der Sonntagszeitung “Journal du Dimanche” trennen, die zusammen mit dem Radiosender “Europe 1” die News-Einheit bilden sollen. Erstmal. Denn Arnaud Lagardère hat in den vergangenen Jahren bereits die Medienpräsenz des von seinem Vater Jean-Luc 1992 gegründeten Unternehmens stark reduziert. So hat er gut ein Dutzend defizitäre Zeitschriften wie “Psychologies Magazine” und “Pariscope” verkauft und die Zahl der Mitarbeiter gekürzt. Der 2003 verstorbene Jean-Luc Lagardère zählte zu den Gründungsvätern des inzwischen in Airbus umbenannten Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, in den er die Anteile des Rüstungsunternehmens Matra einbrachte, dessen Referenzaktionär er war. Sein Sohn Arnaud veräußerte die Beteiligung Lagardères an EADS in Höhe von 7,3 % vor fünf Jahren. Stattdessen baute er einen Bereich für Sportmarketing auf. Die Lagardère-Aktie gab am Mittwoch an der Börse von Paris um 1,5 % auf 23,04 Euro nach.