Lanxess baut Additivgeschäft aus

Kleine Übernahme stärkt US-Geschäft - Operativ auf Rekordkurs - Integrationskosten belasten

Lanxess baut Additivgeschäft aus

ab Düsseldorf – Der Chemiekonzern Lanxess setzt den strukturellen Umbau mit einer Akquisition und dem Verkauf eines Randbereichs fort. Zu einem nicht genannten Preis verleiben sich die Kölner das US-Geschäft mit Phosphor-Additiven der belgischen Solvay ein. Übernommen wird ein Produktionsstandort in Charleston, South Carolina. Das Geschäft steht nach den Angaben für einen Jahresumsatz von 65 Mill. Euro. Bis Mitte 2018 soll die Transaktion abgeschlossen werden.In einer Telefonkonferenz zeigte sich Vorstandschef Matthias Zachert mit den Konditionen der Übernahme sehr zufrieden, wenngleich er aufgrund einer Vertraulichkeitsvereinbarung keine konkreten Angaben machte. “Finanziell ist es die attraktivste Akquisition, die wir je getätigt haben.”Es ist bereits die dritte Akquisition binnen zwei Jahren. Der größte Brocken, Chemtura, wird seit April dieses Jahres konsolidiert und prägt weiterhin das Zahlenwerk. Chemtura, die für einen Jahresumsatz von etwa 1,5 Mrd. Dollar steht, hat sich im Additivgeschäft auf Schmierstoffe und Flammschutzmittel spezialisiert. Auch das zu erwerbende Solvay-Geschäft enthält Flammschutzadditive. Dennoch sieht Lanxess kartellrechtlich keine Probleme auf sich zukommen, zumal Chemtura brombasierte Flammschutzmittel produziert. Lanxess stellt an zwei Standorten in Europa phosphorbasierte Flammschutzmittel her und versteht sich in dem Segment als “starker Spieler”. Wie Zachert betonte, geht es bei dem Zukauf aber auch darum, sich regional breiter aufzustellen. Dabei fällt der Blick zwangsläufig auf Nordamerika, muss Lanxess dort bei Flammschutzmitteln doch künftig nicht mehr als Importeur in Erscheinung treten – angesichts der “America-First”-Politik ein Vorteil. Das Solvay-Geschäft bringe sofortiges Wachstum und sei vorteilhafter, als eine vergleichbare Position über Investitionen aufzubauen, erläuterte Zachert.Damit sind die Portfolioarbeiten allerdings noch nicht beendet, hat sich Lanxess im Berichtsquartal doch auch von einem Randgeschäft mit Chlordioxid-Desinfektionslösungen, einem Geschäft von Chemours, getrennt. “Das Geschäft haben wir für gutes Geld verkauft. Das bringt uns strukturell vorwärts”, kommentierte Zachert, ohne ins Detail zu gehen.Auch mit Blick auf die Chemtura-Integration kann Lanxess von Fortschritten berichten, wenngleich diese ihren Niederschlag zunächst in Sonderlasten finden. So wurde die beschlossene Schließung des niederländischen Chemtura-Standorts in Amsterdam im dritten Quartal bilanziell verarbeitet. Von den für die Chemtura-Integration erwarteten Einmalkosten von 140 Mill. Euro wurden bislang 46 Mill. verarbeitet. Hinzu kommen weitere Kosten für die Portfoliooptimierung. Insgesamt weist Lanxess für die ersten neun Monate Sondereinflüsse von – 184 (i.V. – 29) Mill. Euro aus. In den Folgejahren sollen deutlich geringere Sonderlasten anfallen. Die Einmalaufwendungen spiegeln sich natürlich auch in der Bilanz. So landete das Konzernergebnis im Quartal mit 55 Mill. Euro um gut 11 % unter dem Vorjahreswert, auf Sicht der ersten neun Monate war gar ein Rückgang um 28 % zu verzeichnen. Rekordergebnis in SichtUmgekehrt machte Lanxess akquisitionsbedingt große Sprünge in Umsatz und operativem Ergebnis. Die Konzernerlöse wuchsen im Berichtsquartal um 25 % auf 2,4 Mrd. Euro, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte dazu überproportional um 35 % auf 347 Mill. Euro zu.Vor diesem Hintergrund bestätigte Lanxess die Prognose, im laufenden Turnus ein Rekordergebnis anzustreben. Konkret wird ein bereinigtes Ebitda von 1,25 bis 1,3 Mrd. Euro ins Auge gefasst. Dass Lanxess damit das untere Ende des Zielkorridors um 25 Mill. Euro nach oben schiebt, ließ die Investoren jedoch kalt. In einem schwächeren Gesamtmarkt gab die Aktie um 3,1 % nach. Damit ist die Aktie seit Jahresbeginn kaum von der Stelle gekommen.