Lieferengpass drückt Wacker Neuson

Baumaschinenhersteller befürchtet geringere Produktionszahl - Prognose mit Unsicherheit behaftet

Lieferengpass drückt Wacker Neuson

sck München – Die Coronavirus-Pandemie drückt das Geschäft des Baumaschinenherstellers Wacker Neuson. Das Management befürchtet, dass die ursprünglich geplanten Produktionszahlen im laufenden Jahr “teilweise nicht erreicht werden können”, wie das Unternehmen mitteilte. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten räumte Vorstandschef Martin Lehner ein, dass die Logistik Probleme bereite. “Die Speditionen finden weniger Lkw-Fahrer, die bereit sind, nach Italien zu fahren”, beschrieb er die derzeitige Lage.Lehner kündigte an, die Kapazitäten in den vier großen Werken im deutschsprachigen Raum (drei in Deutschland, eines in Österreich) zu reduzieren. Diese würde man “herunterfahren”. Er sprach unter anderem von Kurzarbeit. Weitere Maßnahmen würden diskutiert. Ein umfangreicher Personalabbau sei nicht geplant. HoffnungsschimmerAber: “Wir können noch nicht sagen, welche Auswirkungen die Coronakrise auf unser Geschäft hat.” Als Hoffnungsschimmer, dass es in den kommenden Monaten doch nicht so dramatisch wird, sieht er die sich bessernde Situation in China. Der Warenfluss aus dem Land habe sich “sehr schnell normalisiert”. Wacker Neuson habe Transporte aus China von See- auf Bahnfracht umgestellt. Normalisiere sich die Lage in Europa so schnell wie in China, werde es sehr rasch eine Erholung geben, prognostizierte Lehner. Er wies darauf hin, dass das Geschäft der Kunden – also der Bauwirtschaft – nach wie vor “sehr gut” laufe.Aufgrund der Auswirkungen der Pandemie auf die Konjunktur ist die Prognose von Wacker Neuson mit hoher Unsicherheit behaftet. Im schlimmsten Fall rechnet der CEO im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang von 11 % auf 1,7 Mrd. Euro, bestenfalls mit einer Stagnation bei 1,9 Mrd. Euro. Für die Umsatzrendite in Bezug auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nannte er eine große Bandbreite von 6,5 bis 8,5 %. Aufgrund der Unsicherheiten sei diese Spanne “deutlich größer” als im vergangenen Jahr.In einem abermals von der Furcht über die Krankheit geprägten Markt büßte die Aktie von Wacker Neuson zum Wochenauftakt zeitweise 7,7 % ein und beendete den Xetra-Handel bei 8,15 Euro (-5,1 %). Nach den Kursstürzen dieser Tage bringt das SDax-Mitglied nur noch 570 Mill. Euro auf die Waage. Seit Jahresbeginn verlor der Titel mehr als die Hälfte an Wert.Die Coronakrise trifft das Unternehmen mitten in einem Restrukturierungsprozess. Nach einem teuren Lageraufbau vor allem in Nordamerika beschloss der Vorstand Kostensenkungen. Dazu gehören nach Angaben von Finanzvorstand Wilfried Trepels der Abbau von Lagerbeständen, Einstellungsstopps und die Einführung von Factoring-Programmen im Nordamerika-Geschäft. Die Fehlentwicklung in den USA trug dazu bei, dass Wacker Neuson im Januar zu zweiten Mal in Folge die Anleger mit einer Gewinnwarnung vergrätzte (vgl. BZ vom 22. Januar). Dividende gekürztIm vergangenen Jahr schrumpfte das Ebit um 6 % auf 153 Mill. Euro. Die operative Umsatzrendite fiel um 1,4 Prozentpunkte auf 8,1 % zurück, obwohl der Konzern die Erlöse um 11 % auf 1,9 Mrd. Euro steigern konnte. Aufgrund des Bestandsaufbaus fiel der freie Cash-flow mit -116 Mill. Euro tief ins Minus, das Working Capital (netto) wuchs um 26 % auf 812 Mill. Euro. Der Überschuss sackte auf 89 (i.V. 145) Mill. Euro ab. Wacker Neuson kürzt die Dividende je Aktie auf 0,60 (1,10) Euro. Die Dividende für 2018 enthielt noch eine Sonderzahlung 0,50 Euro.