Lufthansa lotet staatliche Hilfe aus

Bei Krisentreffen am Montag geht es auch um Liquidität für die Branche

Lufthansa lotet staatliche Hilfe aus

lis Frankfurt – Die Lufthansa lotet wegen der gravierenden Auswirkungen der Coronakrise auf ihr Geschäft die Chance auf staatliche Unterstützung aus. “Wir haben uns vor dem Hintergrund dieser bisher unbekannten Herausforderung entschieden, mit den Regierungen unserer Heimatländer nicht nur wie bisher über den Abbau von Belastungen zu sprechen, sondern auch über aktive Unterstützungen, sobald diese notwendig werden”, sagte Konzernchef Carsten Spohr in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter, die der Börsen-Zeitung vorliegt. Neben der deutschen Regierung ist man mit den Regierungen von Österreich, Belgien und der Schweiz im Gespräch, in denen der Konzern mit seinen Tochtergesellschaften Austrian, Brussels und Swiss vertreten ist.Am Montag soll es in Berlin ein Krisentreffen geben, bei dem auch über Liquiditätshilfen für die von der Coronakrise stark gebeutelte Luftfahrtbranche gesprochen werden soll. Am Freitag wurde über KfW-Kredite, aber auch über einen Einstieg des Bundes bei der Lufthansa spekuliert.In den Vortagen waren in der Branche Forderungen laut geworden, die geplante Erhöhung der Luftverkehrssteuer zu verschieben. Zudem sollte die 80/20-Regel für Start- und Landerechte ausgesetzt werden, die besagt, dass Slots, die man nicht zu 80 % nutzt, abgegeben werden. Diese Regel wird nun zunächst bis Juni ausgesetzt, wie die EU-Kommission gestern mitteilte.Die Lufthansa zieht bei einer weiteren Verschlimmerung der Coronakrise auch noch tiefere Einschnitte im Flugbetrieb in Betracht. Die Auswirkungen der Krise würden “immer dramatischer”, sagte Spohr. Täglich gebe es mehr Stornierungen als Buchungen. Die Lage verschärfe sich noch durch Reisebeschränkungen wie zuletzt am wichtigen Markt USA. Statt 70 Flügen täglich könne die Lufthansa nur noch vier dorthin anbieten. “Ab den nächsten Tagen werden mindestens zwei Drittel unserer fast 800 Flugzeuge am Boden stehen”, so der Lufthansa-Chef. Da die Auswirkungen der Krise auf die Weltwirtschaft noch nicht absehbar seien, prüfe die Lufthansa weitere Krisenmaßnahmen. “Dazu gehören auch potenzielle temporäre Schließungen von Flugbetrieben oder einzelner Hubs”, ergänzte er.Wenn immer mehr Länder Reisebeschränkungen erlassen, kann das laut Bernstein Research dazu führen, dass das Drehkreuzsystem der Lufthansa zum Erliegen kommt. “In einer solchen Situation könnten wir uns vorstellen, dass bis zu 90 % der Gesamtkapazität abgebaut werden”, so die Analysten. “Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wäre die Lufthansa gut beraten, sich um zusätzliche Liquiditätsunterstützung durch die Regierung zu bemühen.”