Lufthansa schaut sich um

Air Berlin und der italienische Markt bleiben Thema - Gute Buchungslage sorgt für prall gefüllte Kasse

Lufthansa schaut sich um

Bei der Deutschen Lufthansa läuft es in diesem Jahr rund. Begünstigt durch nach wie vor niedrige Treibstoffpreise, aber auch durch weitere Stückkostenreduzierung und gute Buchungslage hat der deutsche Luftfahrtkonzern in der ersten Jahreshälfte so gut verdient wie nie zuvor. Mit prall gefüllter Kasse hält man sich in der Konsolidierungsphase alle Optionen offen.po Frankfurt – Die Deutsche Lufthansa zeigt sich für etwaige Konsolidierungsschritte am europäischen Luftfahrthimmel bestens gerüstet. Finanzvorstand Ulrik Svensson ließ sich bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2017 zwar strategisch kaum in die Karten gucken. Nach der Integration von Brussels Airlines und der Kapazitätserweiterung bei Eurowings dank der Wet-Lease-Vereinbarung mit Air Berlin hat die Airline aber weitere Chancen in der Branchenkonsolidierung im Blick – und verfügt zur Jahresmitte über eine mit 5,9 Mrd. Euro prall gefüllte Kasse. Das grundsätzliche Interesse an Air Berlin oder Teilen davon sowie an dem italienischen Markt, wo die sieche Alitalia nach Überlebenschancen sucht, bestätigte Svensson, ohne auf Details der eigenen Absichten einzugehen.Alitalia hat jetzt verbindliche Angebote angefordert. Die Golf-Airline Etihad hat bei Alitalia wie bei Air Berlin Milliarden verloren. Weder Air Berlin noch Alitalia gelten in ihrer gegenwärtigen Verfassung für eine Übernahme als interessant. Deshalb würde die Konkurrenz am liebsten Rosinen picken und nur Flugzeuge samt Besatzung übernehmen, nicht die Gesellschaften an sich. Svensson betonte, Lufthansa halte den italienischen Markt für interessant.Das gestern vorgelegte umfassende Zahlenwerk der Lufthansa hievte die Kranich-Aktie gleich wieder in die Höhe. Trotz der guten Vorausbuchungen für das dritte Quartal mühte sich der neue CFO, die seit Monaten bei Investoren vorherrschende Euphorie etwas zu dämpfen. Während Investoren der deutschen Airline viel mehr zutrauen, als nur “über Vorjahr” abzuschneiden, wie vom Vorstand angekündigt, verweist Svensson auf gewisse Risiken für die zweite Jahreshälfte, in der beispielsweise wettbewerbsbedingt die Ticketpreise unter Vorjahresniveau liegen dürften. Eine weitere Reduzierung der Kosten hat für den CFO deshalb Priorität. 2016 hatte die Airline ein bereinigtes Konzern-Ebit von 1,75 Mrd. Euro gezeigt, Optimisten halten für das laufende Jahr weit mehr als 2 Mrd. Euro für möglich. Fracht schafft die WendeDenn schon im ersten Halbjahr habe Lufthansa so viel verdient wie nie zuvor. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (adjusted Ebit) wurde dank eines sehr guten zweiten Quartals binnen Jahresfrist auf 1,04 Mrd. Euro in etwa verdoppelt. Im zweiten Quartal schnellte die Marge auf 11 (i.V. 7,2) % empor. In Grundzügen hatte das Unternehmen darüber schon vorab berichtet (vgl. BZ vom 18. Juli). Unter dem Strich fiel in den ersten sechs Monaten ein Konzerngewinn von 672 Mill. Euro an. Schubkraft gaben dem Konzern vor allem die Passagiersparten, aber auch die über lange Zeit schwächelnde Fracht zeigte einen deutlichen Umschwung ins Positive. Cargo packte den Turnaround und verdiente wieder operativ 78 (-45) Mill. Euro und werde nun auch im Gesamtjahr schwarze Zahlen schreiben – wie auch die Punkt-zu-Punkt-Tochter Eurowings.—– Wertberichtigt Seite 6