Lufthansa verbrennt stündlich 1 Mill. Euro
Lufthansa verbrennt stündlich 1 Mill. Euro
lis Frankfurt – Die Lufthansa verliert stündlich 1 Mill. Euro ihrer Liquiditätsreserven – “Tag und Nacht, Woche für Woche und wohl auch noch Monat für Monat”, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter, die der Börsen-Zeitung vorliegt. Die Airline befördert nur noch 3 000 Passagiere am Tag statt 350 000 Fluggästen vor der Coronakrise. Die Pandemie bedeute für den Konzern “die größte Herausforderung unserer 65-jährigen Geschichte”, sagte Spohr. Lufthansa befinde sich “im Kampf” um ihre künftige Aufstellung.Die Lufthansa könne zwar der Krise mit finanziellen Reserven von mehr als 4 Mrd. Euro gegenübertreten, aber der Konzern verzeichne nur noch einen “Bruchteil der Einnahmen”. Deshalb sei absehbar, dass das Unternehmen die Krise nur mit staatlicher Unterstützung übersteht, so der Lufthansa-Chef. Das Analysehaus Bernstein ging Anfang der Woche davon aus, dass die Liquidität der Lufthansa noch für zehn Wochen ausreichen dürfte, also bis Mitte Juni.Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) führt derweil ebenfalls Gespräche über mögliche Staatshilfen. Dem österreichischen “Standard” zufolge werden auch Insolvenzszenarien durchgespielt. “Wir brauchen Überbrückungshilfe”, wird ein AUA-Sprecher zitiert. AUA braucht dringend KreditNach Informationen der Zeitung braucht die Airline allein rund 750 Mill. Euro, um bis zum Herbst durchzukommen. Die österreichische Lufthansa-Tochter spricht mit dem Bund über staatlich garantierte Kredite ebenso wie über Zuschüsse. Parallel zu den Verhandlungen um Staatshilfe beschäftigen sich die Gremien der AUA auch mit allen rechtlich möglichen Insolvenzszenarien, heißt es in der Zeitung weiter. “Wir müssen uns natürlich auch mit schlimmen Szenarien auseinandersetzen, allein wegen der rechtlichen Sorgfaltspflichten”, sagte der AUA-Sprecher dem Blatt. “Unser Ziel ist es aber, die AUA wieder flugfähig zu machen.”Lufthansa-Konkurrent Air France-KLM rechnet wegen der Coronavirus-Pandemie noch bis Ende Mai mit einem weitgehenden Ausfall ihres Geschäfts. Mehr als 90 % des Flugangebots blieben bis dahin voraussichtlich ausgesetzt, teilte das französisch-niederländische Unternehmen am Donnerstag in Paris mit. Bis dahin flögen die Flugzeuge des Konzerns in einem Grundangebot nur wenige Städte an. Wie es anschließend weitergehe, sei derzeit noch nicht zu sagen. Im März beförderten die Konzerngesellschaften nicht einmal halb so viele Passagiere wie ein Jahr zuvor, die Auslastung der Maschinen verschlechterte sich von 88 auf 67 %.”Air France verliert jeden Monat mehrere Milliarden Euro”, hatte der französische Finanzminister Bruno Le Maire am Mittwoch im Fernsehsender France 2 gesagt. Die Gesellschaft brauche nicht nur eine helfende Hand, sondern “massive Unterstützung des Staates”. Diese werde das Unternehmen auch bekommen, “da wir diese Airline um jeden Preis retten wollen”. Der schon lange vor der aktuellen Krise in Bedrängnis geratene Billigflieger Norwegian Air muss zunächst seine Gläubiger um Mithilfe bitten, bevor der norwegische Staat zur Unterstützung bereit ist. Das Unternehmen hat seinen Gläubigern eine Umwandlung von Schulden in Eigenkapital vorgeschlagen. “Norwegian strebt eine Stärkung ihrer Bilanz durch die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital an, um die Anforderungen des norwegischen Staatsgarantieprogramms zu erfüllen und eine nachhaltige Plattform zu schaffen”, erklärte das von der Coronakrise getroffene Unternehmen. Durch die Aufstockung des Eigenkapitals würde sich die Fluggesellschaft Zugriff auf staatliche Garantien von bis zu 3 Mrd. nkr (268 Mill. Euro) sichern. Frisches Kapital gesuchtÜber eine Bezugsrechtsemission an neues Kapital zu kommen, ist in der aktuellen Situation nahezu unmöglich. Norwegian hat an der Börse nur noch einen Wert von 130 Mill. Dollar, was laut Bloomberg etwa der Hälfte des Listenpreises eines ihrer Boeing 787 Dreamliner-Jets entspricht. Ohne die Unterstützung der Regierung kann das Unternehmen wohl auch keine neuen Kredite aufnehmen, da es bereits mit 5,7 Mrd. Dollar in der Kreide steht. Im Gegensatz zu den USA, die Fluggesellschaften eine Unterstützung von bis zu 50 Mrd. Dollar versprach, bietet Norwegen nur bescheidene Hilfe an – und das unter strengen Bedingungen. Ende Dezember waren 290 Mill. Dollar in der Kasse.