Mallorca reserviert in Madrid

Pläne für Reverse Takeover von Barceló für NH Hotels kommen bei Investoren an

Mallorca reserviert in Madrid

Von Walther Becker, FrankfurtDie Aktionäre der Madrider NH Hotels dürften eine Barofferte von Barceló präferieren, doch auch das Angebot der Gruppe aus Mallorca, in eigenen Aktien zu zahlen, kommt bei Investoren gut an. Wie berichtet erwägt die familieneigene Barceló, mit einer Prämie von 27 % auf den NH-Kurs der vorigen drei Monate ins Rennen zu gehen. Die Mallorquiner streben in dem Reverse Takeover an, 60 % an NH (Marktkapitalisierung aufgrund der nicht bindenden Offerte: 2,5 Mrd. Euro) zu bekommen und die Kette an der Börse zu lassen.Fraglich ist bisher, wie der größte NH-Aktionär reagiert: Das chinesische Konglomerat HNA hält 28,2 % des Kapitals und ist seit 2015 größter Einzelgesellschafter. In jüngerer Zeit sind in Finanzkreisen vermehrt Zweifel an Eigentümerstruktur und finanzieller Stabilität des ambitionierten Investors laut geworden. HNA, die sich ein Sammelsurium von Beteiligungen zusammengekauft hatte, ist unter anderem seit dem Frühjahr mit 9,9 % größter Anteilseigner der Deutschen Bank. Und vor allem ist das Konglomerat HNA hoch verschuldet.Die Chinesen sind im Beherbergungsgewerbe seit dem vergangenen Jahr mit 25 % Großaktionär von Hilton – das Paket wurde für 6,5 Mrd. Dollar dem Finanzinvestor Blackstone abgekauft. Außerdem gehören seit 2016 Carlson Hotels und damit verbunden eine Mehrheit an Rezidor zum Portfolio. Es gab bereits Auseinandersetzungen mit HNA, als Vertreter der Chinesen aus dem Verwaltungsrat der Spanier gedrängt wurden. Einige Aktionäre wie der Hedgefonds Oceanwood, der 11,8 % hält, sahen den Erwerb von Carlson durch HNA kritisch, da diese US-Gruppe mit Marken wie Radisson Blu und Park Inn in Europa ein direkter NH-Rivale ist. Daneben hält Grupo Hespario 9,3 % an NH, deren Streubesitz 50,7 % ausmacht.Barceló würde mit NH Hotels den spanischen Marktführer Meliá vom Thron stoßen. Und das zu einer Zeit, in der der Tourismus, der rund 11 % zum Inlandsprodukt beiträgt, floriert, da Spanien von sonnenhungrigen Gästen eher aufgesucht wird als Länder wie Ägypten, Tunesien und die Türkei. Im ersten Halbjahr kamen mit 36 Millionen Touristen 11 % mehr als 2016 in das Land.Nach Angaben der UBS liegen die Levels für Übernahmen von Hotelketten beim 13- bis 14-Fachen des operative Ergebnisses. NH wurde – bevor der Kurs zeitweise ausgesetzt war – mit dem 10-fachen Ebitda bewertet. Die Nummer 3 der Branche in Europa betreibt 381 Hotels in 31 Ländern mit 59 030 Zimmern. Ein Viertel der Erlöse von 1,5 Mrd. Euro stammt aus Spanien. Die 1931 gegründete Barceló kommt in 21 Ländern auf gut 230 Bettenburgen mit 50 000 Zimmern. Der Umsatz lag zuletzt bei 2,8 Mrd. Euro, das Ebitda bei 339 Mill. In den Zahlen ist die Agenturgruppe Avoris einbezogen.