MBB arbeitet an neuen Beteiligungslinien
MBB arbeitet an neuen Beteiligungslinien
Von Helmut Kipp, FrankfurtNach dem Börsengang der Tochtergesellschaft Aumann, die mit ihrer E-Mobility-Story bei Investoren auf riesiges Interesse stieß, ist es ruhiger geworden um die Beteiligungsgesellschaft MBB. Das Berliner Unternehmen sitzt auf hohen Cash-Reserven, die sukzessive investiert werden sollen. Dabei geht es sowohl um die Erweiterung bestehender Tochterfirmen als auch um den Aufbau neuer Beteiligungslinien.Beim Ausbau der vorhandenen Bereiche stehen Aumann, ein Hersteller von Spezialmaschinen und automatisierten Produktionslinien mit Ausrichtung auf E-Mobility, und DTS, ein Spezialist für Cyber-Security-Lösungen für IT-Infrastruktur, im Fokus. Aumann hat sich zum Ziel gesetzt, die Position im stark wachsenden Markt der Elektromobilität deutlich auszubauen. “In der E-Mobilität ist Größe jetzt entscheidend”, sagt der Chief Executive Officer von MBB, Christof Nesemeier, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. “Dieser Markt entsteht gerade erst.” Aumann verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Wickeltechnik von Elektromotoren. Noch überwiegt allerdings das klassische Geschäft – auf E-Mobility entfielen in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Jahres 29 % des Umsatzes. Im vergangenen Oktober hat Aumann USK Karl Utz Sondermaschinen in Sachsen übernommen. Der Anbieter von Automatisierungslösungen setzte im Jahr 2016 knapp 70 Mill. Euro um.”Bei DTS ist die Situation ähnlich wie bei Aumann”, versichert Nesemeier. “Cyber-Security ist ein ähnlich starker Trend wie E-Mobilität. Daher wollen wir passende Unternehmen dazukaufen.” Bei den Tochtergesellschaften Delignit (laubholzbasierte Werkstoffe und Systemlösungen), Hanke (Tissue-Produzent in Polen) und CT Formpolster (Polyether-Blockschäume, Matratzen) sucht MBB opportunistisch nach Akquisitionen. “Das ist nice to have, strategisch aber nicht gleichermaßen bedeutend wie der Ausbau von Aumann und DTS”, sagt Nesemeier.Delignit habe bei Buche-Sperrholz eine “außerordentlich gute Position aufgebaut”, während CT Formpolster vom wachsenden Matratzenverkauf über das Internet profitiere. Hanke bedient den Tissue-Nachholbedarf in Osteuropa, wo der Verbrauch nur halb so hoch ist wie in Amerika. Ein wenig aus der Reihe fällt die sechste Tochter Obo-Werke (Werkstoffe auf PU- und Epoxidharzbasis für den Modell-, Werkzeug- und Formenbau). “Das Unternehmen hat zwar aus eigener Kraft seinen Umsatz seit 2010 verdreifacht, aber es ist nicht gelungen, den Markt durch Zukäufe zu konsolidieren”, räumt Nesemeier ein.Darüber hinaus sei es “an der Zeit, mal wieder ein oder zwei neue Beteiligungslinien aufzumachen”, sagt der MBB-Chef. Das müsse ein Bereich sein, der Potenzial hat und preislich passt. “Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Kauf vermeintlich langweiliger Mittelstandsunternehmen, die Trends aufgenommen und sich durch diese stark entwickelt haben.” Spezielle Branchen hat MBB dabei nicht im Blick. Entscheidend sei “die Idee, was man daraus machen kann”.Finanziell hat MBB erheblichen Spielraum für Akquisitionen. Allein die Holding verfügt über 160 Mill. Euro Net Cash. Die Konzernbilanz besteht zu einem Drittel aus Net Cash, und die Eigenkapitalquote bewegt sich bei sehr soliden 63 %. Bei Zukäufen verfolgt MBB einen Buy-and-Hold-Ansatz, ergänzt um die Option, den Kapitalmarkt an Gesellschaften mit besonderem Entwicklungspotenzial zu beteiligen. Ergebnisausblick gesenktDie Gewinnprognose für 2017 hat MBB infolge der schwachen Aumann-Zahlen für das dritte Quartal von mindestens 2,16 Euro je Aktie auf 2 Euro gekürzt, während der Umsatzausblick bei 390 Mill. Euro blieb. “Bei einem so stark wachsenden Geschäft gehört es dazu, dass die Ergebnis-Volatilität zunimmt”, stellt Nesemeier klar. Er geht davon aus, dass das reduzierte Gewinnziel erreicht wurde. Umsatzseitig könnte der Konzern 2018 einschließlich der USK-Übernahme durch Aumann die halbe Milliarde Euro in den Blick nehmen. Die Börse bewertet MBB derzeit mit 617 Mill. Euro.Das enttäuschende Aumann-Quartal stuft Nesemeier als “nicht repräsentativ” ein: “Es gab Abwicklungsprobleme, die sich so nicht fortsetzen sollten.” Der Kapitalmarkt habe die Delle überstrapaziert. “Jetzt isoliert mancher Analyst das schwächere dritte Quartal und projiziert das nach vorne. Das ist zu kurz gesprungen”, versichert Nesemeier. An der im Zuge der Aumann-Kapitalerhöhung auf 49,2 % gesunkenen Beteiligung will MBB festhalten. Die Tochtergesellschaft wird weiter voll konsolidiert.Mit Blick auf den Auftragseingang spricht Nesemeier von einem “Ausnahmezustand”. Alle Gesellschaften seien mehr als ausgebucht. Die Bestellungen wiesen attraktive Konditionen auf. Entscheidender Engpass sei die Rekrutierung neuer Mitarbeiter: “Das gilt nicht nur für qualifiziertes Personal etwa bei Aumann, DTS oder Delignit, sondern selbst für Abwicklungsarbeiten bei Hanke Tissue in Polen.”Allerdings sind die Inputkosten für Polyol und Zellulose nach oben geschnellt. Ersteres trifft die Beteiligungen Obo und CT Formpolster, Letzteres Hanke. “Das drückt die relative Rendite dieser Unternehmen, wird aber absolut durch das starke Wachstum allemal überkompensiert”, sagt Nesemeier. Obo werde 2017 deutlich über 20 Mill. Euro Umsatz abliefern, Hanke gehe Richtung 44 Mill. Euro, und bei CT Formpolster kämen 30 Mill. Euro in Sicht.