Merck überzeugt mit positiver Prognose

Dax-Konzern will Umsatz und Ergebnis 2020 ausbauen - Belastungen aus Corona bislang auf 1 Prozent der Erlöse geschätzt

Merck überzeugt mit positiver Prognose

Merck liefert. Die für das vergangene Geschäftsjahr 2019 gesteckten Ziele hat das Familienunternehmen erreicht. Trotz möglicher Belastungen aus der Corona-Epidemie setzt der Konzern 2020 auf die eigenen Stärken und stellt ein Umsatz- und Ergebniswachstum in Aussicht. Die Dividende steigt. swa Frankfurt – Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat 2019 alle Ziele erreicht und blickt “grundsätzlich optimistisch” ins laufende Jahr. “Auf Merck ist Verlass”, fasst es CEO Stefan Oschmann zusammen. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr die Erwartungen erfüllt, trotz eines schwierigen Umfelds mit Handelskonflikten. Merck sei in allen Regionen organische gewachsen. Auch 2020 will die Gruppe profitabel zulegen.Das Umsatzwachstum 2019 in Höhe von 8,9 % auf 16,2 Mrd. Euro ist auch von positiven Portfolio- und Wechselkurseffekten beeinflusst, räumt Finanzchef Marcus Kuhnert ein. Die organische Steigerung von 5,3 % hält er jedoch für “sehr zufriedenstellend”. Das stärkste organische Plus gelang im Segment Life Science mit 9,0 %. Hier hat das Geschäft mit Dienstleistungen und Produkten für Medikamentenhersteller mit zweistelligem prozentualem Zuwachs gepunktet. Die Healthcare-Sparte kam organisch um 6,2 % voran, wozu höhere Verkäufe des Multiple-Sklerose-Medikaments Mavenclad beitrugen sowie ein dynamischer Pharmaabsatz in China.Die beiden starken Segmente haben den Umsatzrückgang der Sparte Performance Materials von 6,5 % mehr als kompensiert. In der Chemie schlägt der Preisrückgang für Flüssigkristalle ins Kontor sowie die Schwäche im Halbleitermarkt. Merck hat diese Division im vergangenen Jahr mit dem Kauf von Versum ausgebaut. Oschmann bekräftigt die Pläne, sich stärker auf den Markt für Elektronikmaterialien auszurichten, um dort ein führender Anbieter zu sein. Auch im bereinigten operativen Ergebnis (Ebitda) haben die beiden starken Sparten den organischen Ergebniseinbruch von Performance Materials von 12,3 % mehr als ausgeglichen. Dass die operative Marge der Sparte nur von 32,7 % auf 31,2 % schrumpfte ist aber auch dem Ergebnisbeitrag von Versum zu verdanken. Im bereinigten Konzern-Ebitda macht sich zudem ein positiver Effekt von 140 Mill. Euro (3,7 Prozentpunkte) aus der Umstellung der Leasingbilanzierung auf den neuen IFRS-Standard 16 bemerkbar.Das Nettoergebnis der Gruppe liegt mit 1,32 Mrd. deutlich unter dem Vorjahreswert von 3,37 Mrd. Euro, in dem allerdings der Buchgewinn von 2,24 Mrd. Euro aus der Veräußerung des Consumer-Health-Geschäfts für 3,4 Mrd. Euro an Procter & Gamble steckte. Der Nettogewinn aus den fortgeführten Aktivitäten kletterte 2019 von 1,09 auf 1,3 Mrd. Euro. Die Aktionäre werden mit Aufstockung der Dividende um 5 Cent auf 1,30 Euro beteiligt. Auch CEO Oschmann profitiert von der positiven Entwicklung: Ihm fließen einschließlich mehrjähriger Teile 10,6 Mill. Euro Vergütung zu, deutlich mehr als 2018, als er 7,2 Mill. einstrich.Im Ausblick zeigt das Management sich zuversichtlich für die operative Entwicklung, verweist aber wie viele Unternehmen darauf, dass die Folgen der Corona-Epidemie schwer vorherzusagen sind. Merck werde mit seinem Schwerpunkt auf Life Science und dem Geschäft als Laborausrüster weniger belastet sein als andere Branchen. Oschmann geht aber auch nicht davon aus, dass sein Unternehmen am Ende von Corona profitieren wird.Mit Blick auf eine drohende Unterbrechung von Lieferketten sehe man im Augenblick keinen Anlass zur Besorgnis. Oschmann betont, dass Merck Pharmawirkstoffe in größerem Umfang selbst herstellt, als im Durchschnitt in der Branche üblich. Das Unternehmen sei anders als mancher Generikahersteller nicht von Inhaltsstoffen abhängig, die überwiegend in Indien und China hergestellt würden. Chinesische Firmen seien mehr auf Merck angewiesen als umgekehrt. “Wir sind ein wichtiger Partner für die chinesische Industrie”, sagt Oschmann.Merck hat mehr als 4 000 Beschäftigte in China. Sie seien in dieser Woche wieder an die Arbeitsplätze zurückgekehrt, so dass man eine Normalisierung des Geschäftsbetriebs sehe. Merck stelle es in den chinesischen Einheiten frei, weiterhin im Home Office zu arbeiten. 400 Beschäftigte seien allerdings im Werk nötig, um die Produktion am Laufen zu halten. Weltweit gilt die Vorgabe, auf alle Dienstreisen in die am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder zu verzichten.In der Prognose unterstellt Merck ein Szenario, wonach die Corona-Epidemie im ersten Quartal den Höhepunkt erreicht und im Laufe des zweiten Vierteljahres abklingt. Für das zweite Semester wird eine Normalisierung der Situation erwartet. Unter diesen Annahmen sei von einem negativen Effekt von 1 % im Konzernumsatz auszugehen, heißt es. Diese Belastung dürfte vor allem in den ersten drei Monaten auftreten und stehe im Einklang mit der zunächst qualitativen Prognose für 2020. Im Mai will das Management konkreter werden. Sollte sich die Krise ausweiten oder eine globale Rezession auslösen, würde Merck die Vorhersage anpassen.Im Konzern stellt Oschmann für 2020 ein “solides organisches Wachstum” des Umsatzes in Aussicht. Getragen wird die Zuversicht von der Entwicklung der Segmente Healthcare und Life Science. Für Performance Materials rechnet das Unternehmen mit einem leichten organischen Wachstum und hofft dabei, dass eine starke Dynamik im Halbleitergeschäft den weiteren Preisverfall bei Flüssigkristallen mehr als ausgleicht.Für die Ergebnisentwicklung ist Merck noch zuversichtlicher. Das bereinigte Ebitda soll organisch “stark” zulegen, womit aber noch kein zweistelliges Plus gemeint ist. Hier setzt das Unternehmen auf einen “starken” Ergebnisanstieg bei Life Science, einen “soliden” bei Healthcare und einen “leichten” bei Performance Materials.Der zuversichtliche Ausblick kam an der Börse gut an. Die Aktie des Dax-Unternehmens sprang in den ersten Handelsstunden um mehr als 6 % – das ist der größte Kurssprung seit fast zwei Jahren. Die Titel gingen dann in schwachem Markt 0,3 % fester bei 114,90 Euro aus dem Handel. Analysten würdigten, dass Merck in ihrem Ausblick die möglichen Corona-Effekte berücksichtigt hat. Forcierter Schuldenabbau Versum wird 2020 drei Quartale zum Konzernergebnis beitragen. Die Kostensynergien aus der Übernahme werden für den laufenden Turnus mit 20 Mill. Euro erwartet, die Integrationskosten sind mit insgesamt 125 Mill. Euro angesetzt und werden vor allem 2020 und 2021 anfallen. Mit der Konsolidierung von Versum ist der Goodwill in der Konzernbilanz auf gut 17 Mrd. Euro geklettert, bei einer Bilanzsumme von 44 Mrd. Euro. Kundenbeziehungen sind mit 7 Mrd. Euro aktiviert. Die jährlichen Amortisationen auf immaterielles Vermögen aus der Versum-Übernahme werden mit 230 bis 250 Mill. Euro angegeben.Die Nettoverschuldung kletterte mit dem Deal auf 12,4 Mrd. Euro und erreichte Ende 2019 einen Leverage von 2,8 bezogen auf das bereinigte Ebitda. Für die nächsten zwei Jahre konzentriere sich Merck auf den Schuldenabbau, sagt Kuhnert.