Metro versteckt sich hinter "neuer Gesellschaft"

Sorge um Russlandgeschäft treibt Aktionäre um - Real bangt um Wettbewerbsfähigkeit

Metro versteckt sich hinter "neuer Gesellschaft"

ab Düsseldorf – Das Vergütungssystem, das Geschäft in Russland, das weitere Vorgehen bei Real sowie die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen Top-Manager der einstigen Metro Group haben die Generaldebatte in der Hauptversammlung des Lebensmittelhändlers Metro bestimmt. Was die juristischen Fragen betraf, mussten sich die Aktionäre jedoch mit der Aussage zufrieden geben, dass sich die die Aufspaltung betreffenden Vorgänge auf eine rechtlich andere Gesellschaft bezögen und von daher nicht beantwortet werden könnten.Dessen ungeachtet standen die im November eingeleiteten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der einstigen Metro Group im Zentrum der Aussprache der neuen Metro. Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann, der selbst unter Insiderverdacht steht, gab sich überzeugt, dass die gegen die alte Metro erhobenen Vorwürfe “nicht tragen werden”. Zudem erklärte er: “Ich bin auch persönlich überzeugt, dass der gegen mich erhobene Vorwurf unbegründet ist.” Das reichte den Aktionären allerdings nicht, treibt sie doch die Sorge um, dass die Gesellschaft am Ende für etwaige Vergehen geradestehen müsse. Unabhängig davon, dass die Unschuldsvermutung gelte, seien die Vorwürfe “schwerwiegend und kein Pappenstiel”, sagte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und fragte nach einem “Plan B”, sollten die Ermittlungen nicht zum erwarteten Ergebnis führen. “Wir brauchen tatsächlich keinen Plan B”, beschied Metro-Chef Olaf Koch in aller Kürze.Wie schon zwei Tage zuvor bei Ceconomy, der Rechtsnachfolgerin der Metro Group, wurde auch das Thema Vorstandsentlastung im Zusammenhang mit den Ermittlungen thematisiert. Alexander Elsmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger regte an, den Entlastungsbeschluss zu vertagen. Andernfalls, so Elsmann, werde er gegen den Tagesordnungspunkt stimmen. Dem hielt Steinemann entgegen, dass es sich bei der heutigen Metro AG um eine rechtlich völlig andere Gesellschaft handele. Die Ermittlungen hätten zu dieser Gesellschaft keinen Bezug. “Es ist Angelegenheit der heutigen Ceconomy AG”, beschied Steinemann und provozierte damit Widerstand von Berufsopponent Karl-Walter Freitag, der wie im Vorjahr eine Salve an Fragen abfeuerte. Neben Vergangenheitsbewältigung interessierten sich die Aktionäre jedoch auch für die weitere Entwicklung in Russland, da Metro dort im ersten Quartal mit einem spürbaren Umsatz- und Ergebniseinbruch konfrontiert war. Koch versuchte die Sorgen zu zerstreuen: “Wir sind von Russland absolut überzeugt.” Allerdings müsse Metro ihre Rolle in dem Markt verändern. Auch um das Einzelhandelsgeschäft von Real rankten sich Fragen, zumal Koch wettbewerbsfähige Kostenstrukturen anmahnte. Aufgrund des Rückzugs zahlreicher Handelsunternehmen aus der Tarifbindung würden die Unternehmen bestraft, die sich tariftreu zeigten. Diese zahlten bis zu 30 % höhere Gehälter als Wettbewerber, erläuterte Koch. “Wir brauchen faire Bedingungen, sonst ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht darstellbar”, warnte Koch. Der Frage nach einem etwaigen Verkauf wich Koch jedoch aus. Priorität habe, die Zukunftsfähigkeit von Real sicherzustellen. “Bis Ende März brauchen wir eine Lösung”, sagte der Handelsmanager.