Nach dem M&A-Fischzug geht es Surteco um Marge
Nach dem M&A-Fischzug geht es Surteco um Marge
Von Walther Becker, FrankfurtAuf den Claim ist Herbert Müller richtig stolz: “We create, we innovate”, lautet der Slogan, der das neue Logo von Surteco ergänzt. Zwar kommt der geneigte Betrachter nicht unbedingt darauf, dass es dabei um einen führenden Hersteller von Beschichtungsmaterialien für die Möbel- und Holzwerkstoffindustrie geht. Doch Müller, seit 2001 im Unternehmen und seit 2015 CEO, will Surteco nach einigen Zukäufen neu ausrichten, wie er im Gespräch mit der Börsen-Zeitung sagt. Dem Unternehmen aus Buttenwiesen-Pfaffenhofen (bei Augsburg) hat er einen Kulturwandel mit stärkerer Kundenorientierung verordnet, damit es zum “Mercedes der Branche” werde. Dabei muss sich die Firma in der Zwickmühle zwischen oligopolisierten Rohstofflieferanten und der Kundenseite, die sich immer stärker konzentriert, schlagen. Ein Segen ist, dass Surteco eine geringe Abhängigkeit von einzelnen Kunden hat – die Top 10 stehen für 18 % des Gruppenumsatzes -, nicht bei Steinhoff engagiert war und beim Küchenhersteller Alno nur einen kleinen Betrag in den Schornstein schreiben musste. Surteco kann eine lange M & A-Geschichte erzählen und hat die Konsolidierung mit zig Übernahmen stärker forciert als die Konkurrenz. Und zwar als einziger der Zunft, der auf der Papier- wie der Kunststoffseite gleichgewichtig tätig ist. Nachdem Müllers Vorgänger Friedhelm Päfgen 2013 den Rivalen Süddekor für knapp 100 Mill. Euro gekauft hatte und danach intensiv mit Restrukturierung und Integration beschäftigt war, erwarb das Team um Müller Ende 2016 Nenplas in Großbritannien sowie Probos in Portugal. “Probos öffnet uns Wachstumsmärkte in Südamerika und erweitert die Produktpalette”, ergänzt Müller. Hier ging es um ein Investitionsvolumen von 99 Mill. Euro, wobei das 9-fache Ebitda gezahlt wurde. Probos bringe aber auch eine höhere Marge als Surteco mit. Gab es für die Süddekor-Akquisition eine Kapitalerhöhung, die den Streubesitz auf 45 % steigen ließ, so wurde die Brückenfinanzierung für die beiden jüngsten Zukäufe Ende 2017 mit einem Schuldscheindarlehen über 200 Mill. Euro abgelöst. Damit verschaffte sich Müller zudem Mittel, zwei höher verzinsliche Private Placements in den USA zurückzuführen. Kräfte bündelnNun tritt Müller auf die M & A-Bremse, fokussiert auf organisches Wachstum und schafft dieses Jahr eine neue Struktur: “One-Stop Shop” heißt die Devise. Der Kulturwandel bedeute, dass nicht mehr nach den Materialien Papier und Kunststoff differenziert wird, sondern “produktübergreifend nach Branchen und Prozessen”. Seine Strategie 2015 bedeute “Kräfte bündeln für organisches Wachstum und Fokus auf die Zielmärkte” als erster Baustein. “Innovationen aus eigener Kraft” sei der zweite, und Übernahmen seien zunächst nur mehr dort angebracht, wo sich eine Chance biete, die man nicht ausschlagen könne. Ziel ist laut Müller eine Ebitda-Marge von “nachhaltig” 15 % – mit der Einschränkung, dass Rohstoffpreise einen Strich durch die Rechnung machen können. “Wir wollen unsere Marge jedes Jahr um einen halben Prozentpunkt verbessern”, so Müller. Nach dem dritten Quartal lag Surteco bei knapp 12 %. Zudem wird es auch darauf ankommen, die Nettofinanzschulden, die infolge der Zukäufe per Ende September um 66 % auf 210 Mill. Euro gestiegen waren, wieder zu senken. Müller ergänzt: “Unser Leverage soll wieder von derzeit 60 auf unter 40 % sinken.”