Nestlé will rentabler werden
Nestlé will rentabler werden
Nestlé hat sich für 2020 und die Jahre danach ein ehrgeiziges Margenziel gesetzt. Der weltgrößte Lebensmittelkonzern setzt dabei vor allem auf die wachstums- und ertragsstarken Geschäftsfelder Kaffee, Heimtierprodukte, Wasser und Nutrition.md Frankfurt – Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé will rentabler werden. Wie die Schweizer auf ihrem jährlichen Investorentag mitteilten, soll die operative Gewinnmarge (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda, zum Umsatz) von 16,0 % im Vorjahr bis 2020 auf 17,5 bis 18,5 % steigen. Ebenfalls bis 2020 sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass der Umsatz dann organisch im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegt. Damit bestätigte CEO Mark Schneider seine bereits in der Bilanzpressekonferenz gemachte Aussage (vgl. BZ vom 17. Februar).Die Hoffnungen von Nestlé ruhen vor allem auf den wachstums- und ertragsstarken Geschäftsfeldern Kaffee, Heimtierprodukte, Wasser und Nutrition, worunter Nestlé Nahrungsmittel mit besonderem Nutzen für die Gesundheit versteht (siehe Grafik). Künftig will sich der Konzern stärker an den Wünschen junger Menschen bis zum Alter von etwa 35 Jahren orientieren. “Alles, was mit Gesundheit zu tun hat, ist den Millennials viel wichtiger als früheren Generationen”, sagte Schneider. Als Millennials oder “Generation Y” werden Personen bezeichnet, die zwischen den frühen 1980er Jahren und den frühen 2000er Jahren geboren wurden (die Auslegung variiert allerdings).Ende Juni war bekannt geworden, dass der aktivistische US-Investor Daniel Loeb einen Anteil von 1,25 % an Nestlé erworben hatte. Loebs Hedgefonds Third Point schwebt eine Gewinnmarge von 18 bis 20 % vor. Das obere Ende der nun von Nestlé kommunizierten Zielspanne liegt also knapp innerhalb der von Loeb geforderten Bandbreite. An L’Oréal wird festgehaltenZudem fordert Loeb von der Konzernführung, den Anteil von gut 23 % am französischen Kosmetikhersteller L’Oréal zu verkaufen und den Erlös vor allem für Aktienrückkäufe einzusetzen. Der Marktwert des Aktienpaketes liegt bei 23,6 Mrd. Euro (27 Mrd. sfr), was gut einem Zehntel von Nestlés Bewertung an der Börse (257 Mrd. sfr) entspricht.Der Tod der L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt vergangene Woche hatte die Spekulationen neu entfacht, dass sich die Eigentumsverhältnisse bei den Franzosen in absehbarer Zeit ändern könnten. Nestlé-Chef Schneider betonte jedoch in London, an dem Paket festhalten zu wollen. Die Beteiligung an L’Oréal sei für Nestlé bislang “ein fantastisches Investment” gewesen. An dieser Einstellung habe sich nichts geändert.Kurz nachdem bekannt geworden war, dass Loeb in Nestlé investiert hat und unter anderem fordert, Erlöse aus Desinvestments in Aktienrückkäufe zu stecken, hatte Nestlé bekannt gegeben, man wolle für die nächsten drei Jahre zusätzlich 20 Mrd. sfr für Fusionen und Übernahmen sowie für Aktienrückkäufe bereitstellen. Nun teilten die Schweizer mit, angesichts der starken Entwicklung des Geldflusses wolle Nestlé die Rückkäufe beschleunigen, indem sie diese gleichmäßig auf drei Jahre verteilt. Der Rückkauf stockt gemäß Nestlé zudem die Aktionärsrendite auf. In den letzten zehn Jahren seien 43 Mrd. sfr durch Aktienrückkäufe ausgekehrt worden.Nestlé will den Gewinn auch mit Hilfe eines milliardenschweren Sparprogramms steigern. Bis 2020 plane der Konzern nachhaltige Kostensenkungen zwischen 2 und 2,5 Mrd. sfr, sagte Finanzchef François-Xavier Roger in der Investorenpräsentation. Bislang hatte Nestlé Sparmaßnahmen über 1,8 Mrd. sfr angepeilt. Gemäß Nestlé sollen in der Zone EMENA (Europa, Naher und Mittlerer Osten, Nordafrika) bis 2020 zwischen 400 und 500 Mill. sfr eingespart werden, davon allein 150 Mill. sfr bei Nescafé. In den USA sollen die Kosten um 350 bis 450 Mill. sfr runter.Gelingen soll das unter anderem mit der Schließung von Produktionsstandorten, Verbesserungen im Einkauf und diversen anderen Projekten. Zunächst kostet das Programm jedoch Geld: Bis 2020 erwartet Nestlé Restrukturierungskosten von 2,5 Mrd. sfr; 500 Mill. sfr oder mehr dürften 2017 anfallen, sagte Roger. CEO Schneider: AussortierenZuletzt war Nestlé durch Übernahmen kleinerer, aber stark wachsender Unternehmen mit hoher Marge aufgefallen (etwa Blue Bottle Coffee und Sweet Earth, beide in den USA). Gleichzeitig sollen Geschäftsfelder, die nicht oder kaum noch wachsen sowie eine unterdurchschnittliche Rendite bringen, verkauft werden, etwa das US-Süßwarengeschäft. “Wir müssen einiges aussortieren”, sagte CEO Schneider. Der Kurs der Nestlé-Aktie schloss in der Schweiz 1,8 % fester mit 82,55 sfr.