Neuer ABB-Chef kippt Prognosen
Neuer ABB-Chef kippt Prognosen
Der neue ABB-Chef Björn Rosengren erschreckt die Investoren mit unerfreulichen Worten zum Geschäft im ersten Quartal. In Anbetracht der Unsicherheiten – auch über die Ölpreisentwicklung – gibt es für 2020 keine Prognose mehr. Der Aktienkurs fällt deutlich. Die Konzernführung verzichtet auf ein Zehntel des Lohns.dz Zürich – Diesen Stellenantritt hatte sich Björn Rosengren mit Sicherheit ganz anders vorgestellt. Im August war der 60-jährige Schwede zum neuen Chef des Elektrotechnikkonzerns ABB berufen worden. Seit Anfang März ist der Manager offiziell im Amt. Gestern ließ er Kapitalgeber und Öffentlichkeit erstmals von sich hören – mit einer wenig erbaulichen Botschaft.Die am 5. Februar ausgegebene Prognose zur erwarteten Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr sei nicht mehr gültig, stellt ABB in einer Mitteilung klar. Dabei war schon diese überdeutlich von großer Vorsicht geprägt: Ein stagnierender bis leicht steigender Umsatz bei verbesserten operativen Margen – so sah die Planung der ABB-Führung vor knapp zwei Monaten aus. Doch die seinerzeitige Prognose habe den Folgen einer Verbreitung des Coronavirus außerhalb Chinas keine Rechnung getragen, erklärt der Konzern die nun nötig gewordene Anpassung in einer Mitteilung. Durch die Verbreitung des Virus und den tief gefallenen Ölpreis hätten sich die Geschäftsbedingungen seit Anfang Februar verschlechtert, heißt es. Autoindustrie ist HauptkundeFür das de facto schon abgeschlossene erste Quartal sagt ABB in allen vier operativen Sparten rückläufige Umsätze und Bestellungen voraus. Die Anfang 2019 neu ausgerichtete Division Robotics und Automation erlebt einen Rückgang der Aufträge und der Verkäufe um mehr als ein Fünftel im Vorjahresvergleich. Die Division steht schon seit geraumer Zeit unter besonderem Druck, weil sie die mit strukturellen Problemen kämpfende Automobilindustrie zu ihren Hauptkunden zählt.Die abnehmenden Produktionsmengen führen auch zu einer Abnahme der Rentabilität in allen Sparten. Dem Margenrückgang versucht der Konzern mit Maßnahmen zur Eindämmung aller “nicht wesentlichen Kosten” beizukommen. Von einem groß angelegten Personalabbau war in der Mitteilung zumindest explizit nicht die Rede. Indes schreibt ABB, die Maßnahmen zur Anpassung der Kapazitäten würden im Blick auf ein schwieriges zweites Quartal beschleunigt.Mit dem Fortgang der Pandemie seien Störungen in der Produktion wie auch in der Nachfrage nach Produkten und Leistungen zu erwarten. Zudem rechnet ABB infolge des gefallenen Ölpreises mit Einbußen bei Projektgeschäften in der Öl- und Gasindustrie. Deal mit Hitachi steht nochDer bereits 2018 angekündigte Verkauf einer Mehrheit des Stromübertragungsgeschäfts an den japanischen Hitachi-Konzern soll bis Ende Juni über die Bühne gebracht werden. ABB will die Einnahmen aus dem Verkauf des 80-prozentigen Anteils in Höhe von 7,6 Mrd. bis 7,8 Mrd. Dollar vollumfänglich an die Aktionäre ausschütten. An diesem Plan hat sich bislang nichts geändert. Die kurzfristig benötigte Liquidität im Konzern sei durch den bestehenden Finanzrahmen gut abgedeckt.Dennoch wollen die Mitglieder der Konzernleitung und des Verwaltungsrates für die Zeit der Krise auf 10 % ihrer Gehälter bzw. Tantiemen verzichten. Das eingesparte Geld soll für Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus gespendet werden. An dem Zeichen der Solidarität sollen sich auch andere Mitglieder des oberen Managements beteiligen. “Ein starker Zusammenhalt ist wichtig für die ganze ABB und die Gesellschaft”, sagt Rosengren. Die Aktien gaben gestern um 5,8 % auf 16,64 sfr nach. Seit Jahresbeginn haben die Titel rund ein Viertel an Wert verloren.