Neuer Kalter Krieg treibt Rheinmetall

Bundeswehraufträge wachsen auf 2 Mrd. Euro

Neuer Kalter Krieg treibt Rheinmetall

cru Düsseldorf – Die Bedrohung des Baltikums durch Russland und die daraus folgende erhebliche Aufrüstung der Bundeswehr bringen gute Geschäfte für die Rüstungssparte des Rheinmetall-Konzerns mit sich. “Das Volumen der Aufträge, die wir von der Bundeswehr bekommen, hat in der Vergangenheit bei jährlich rund 1 Mrd. Euro gelegen und wird sich in der Zukunft auf jährlich rund 2 Mrd. Euro verdoppeln”, sagte Vorstandschef Armin Papperger am Donnerstag anlässlich der Bilanzvorlage für das Jahr 2017, in dem das Düsseldorfer Unternehmen unter dem Strich einen Rekordgewinn von 252 Mill. Euro eingefahren hat. Der Anteil der Bundeswehr am Auftragsbestand, der derzeit bei 30 % liegt, werde sich weiter erhöhen. Dividende angehobenDer Konzern hebt unter anderem deshalb die Dividende von 1,45 auf 1,70 Euro je Aktie an – der höchste Wert binnen fünf Jahren – und erwartet weiteres Wachstum. Der Kurs der Rheinmetall-Aktie reagierte mit einem Plus von zeitweise 1,7 % auf 109,50 Euro. Der Börsenwert des Konzerns hat sich seit Juli 2016 verdoppelt auf 4,8 Mrd. Euro. Großaktionär ist Capital Group mit 8,7 %.Nachdem der Umsatz der Rheinmetall-Rüstungssparte im vergangenen Jahr nur um 3 % auf gut 3 Mrd. Euro angestiegen war, geht das Unternehmen für 2018 von einem Plus zwischen 12 und 14 % aus. Der Umsatz des Gesamtkonzerns soll aus eigener Kraft – also ohne Zukäufe – vom Vorjahreswert 5,9 Mrd. Euro um 8 bis 9 % zulegen, wie das im MDax notierte Unternehmen mitteilte.Auch die Automobilzuliefersparte des Konzerns erhöht ihr Wachstumstempo, weil die neuen Technologien zur Verbrauchs- und Emissionsreduktion gefragt sind. Rheinmetall erwartet für die Autosparte 2018 eine operative Rendite von 8,5 %, während es in der Rüstungssparte “nur” 6 % bis 6,5 % werden sollen – also für den Gesamtkonzern 7 %. Im Vergleich zur Autosparte wächst die Rüstungssparte künftig deutlich schneller. Investitionsdruck beim MilitärDer Investitionsdruck bei der deutschen Bundeswehr, die EU-Verteidigungspolitik, die weltweite Aufrüstung sowie der Trend zur Digitalisierung seien die Wachstumstreiber für die Rüstungssparte, sagte Papperger. Hohes Potenzial gebe es außer in Deutschland auch im übrigen Europa, wo etwa die einzelnen Systeme der Länder standardisiert werden müssten. Rheinmetall hat bei dieser angestrebten Harmonisierung der Militärtechnik die Führungsrolle in Brüssel übernommen. Während Deutschland beim Heer in technischer Sicht anführt, werde Frankreich dies bei der Luftwaffe tun.Darüber hinaus sind alle Nato-Mitglieder angehalten, ihre Rüstungsausgaben auf 2 % der Wirtschaftsleistung anzuheben. Papperger geht jedoch davon aus, dass der Anteil eher bei 1,5 % landet, was aber auch eine deutliche Ausweitung wäre. Deutschland gibt 1,2 % aus.Angesichts der Diskussionen um die Rüstungsexporte von Rheinmetall aus Italien, die in Krisengebieten wie dem Jemen landen, forderte Papperger harmonisierte Regeln für Rüstungsexporte in ganz Europa. Der Vertrag der großen Koalition habe dies bereits in Aussicht gestellt.