Neues "Wunder von Manhattan" gesucht

Von Martin Dunzendorfer, Frankfurt Börsen-Zeitung, 18.8.2017 "Das Wunder von Manhattan" (im Original: "Miracle on 34th Street", 1947) ist ein im Produktionsland USA zum Kulturgut gehörender Weihnachtsfilm. Eine zentrale Rolle in dem Streifen spielt...

Neues "Wunder von Manhattan" gesucht

Von Martin Dunzendorfer, Frankfurt”Das Wunder von Manhattan” (im Original: “Miracle on 34th Street”, 1947) ist ein im Produktionsland USA zum Kulturgut gehörender Weihnachtsfilm. Eine zentrale Rolle in dem Streifen spielt das Kaufhaus Macy’s – der Konsumtempel in New York schlechthin. Zudem war die jährliche “Macy’s Thanksgiving Day Parade” wichtiger Bestandteil der Dreharbeiten. Das “Wunder” allerdings wurde nicht Macy’s zuteil. Heute könnte der Einzelhandelskonzern ein solches gut gebrauchen. Ergebnisse im AbwärtstrendTerry Lundgren machte aus seiner Enttäuschung über die Zahlen des Ende Januar zu Ende gegangenen Geschäftsjahres keinen Hehl: “Nicht das, was wir erwartet hatten”, sagte der Chairman und CEO von Macy’s. Wieder einmal, hätte er hinzufügen können. Der Nettogewinn lag bei 0,62 (i.V. 1,07) Mrd. Dollar. Bei einem Umsatz von 25,78 (27,08) Mrd. Dollar ergibt sich eine auch im langfristigen Vergleich mickrige Rendite von 2,4 (4,0) %. Zuletzt – zwischen Februar und Juli – stieg der operative Gewinn, bei einem um 6,4 % gesunkenen Umsatz, um knapp 21 % auf 474 Mill. Dollar. Am Markt zeigte man sich aber enttäuscht vom Ausblick: Für 2017 wird ein Erlösrückgang auf vergleichbarer Basis um 2,2 % bis 3,3 % vorausgesagt, und das bereinigte Ergebnis je Aktie soll von 1,99 Dollar auf 3,37 bis 3,62 Dollar steigen. Was nach einem Gewinnsprung aussieht, wäre jedoch nur die Rückkehr zu den bereits stark gedrückten Ergebnissen von 2015.Der stationäre Einzelhandel steckt auch in den USA tief in der Krise. In besonderem Maße gilt das für Warenhausbetreiber wie Macy’s und J.C. Penney. Sie leiden stark unter der Online-Konkurrenz. Bei Macy’s, die bis Mai 2007 als Federated Department Stores firmierte, kommt hinzu, dass der in Cincinnati (Ohio) ansässige Konzern nur zögerlich auf den Vertriebsweg Internet setzte und wegen teurer Innenstadtlagen und viel Personal auf hohen Fixkosten sitzt. Außerdem drücken hohe Schulden. Das alles spiegelt sich in der langjährigen Ergebnis- und seit Mitte 2015 auch stark in der Kursentwicklung (siehe Chart).CEO Lundgren weist darauf hin, dass der Einzelhandelsriese – Macy’s betreibt in den USA mehr als 700 Kaufhäuser, etwa 40 davon unter der Marke Bloomingdale’s, und rund 125 Spezialgeschäfte – u.a. signifikante Fortschritte im Ausbau der digitalen Plattformen und in der Modernisierung von Verkaufsräumen und Produktpräsentationen gemacht habe. Daneben werden Standorte überprüft und die Unternehmensorganisation restrukturiert. All dies werde helfen, so Lundgren, langfristig Marktanteile zu gewinnen, auf den Wachstumspfad zurückzufinden und den Wert der Aktie deutlich zu steigern. Zweifel daran dürfen wegen der tiefgreifenden Veränderungen im Einzelhandel erlaubt sein.Der Verbraucher empfindet es heute als lästig und unangenehm, sich die Zeit für die Fahrt zu einem Geschäft zu nehmen, dort nach den gewünschten Produkten bzw. Kundenberatern zu suchen, gegebenenfalls auf Basis selektiv gegebener Informationen zu vergleichen und dann, nach der Kaufentscheidung, in einer Schlange an der Kasse zu stehen. Bei schweren oder sperrigen Gütern wird spätestens der Transport nach Hause zum Stimmungskiller. Online-Shopping eliminiert die meisten dieser Probleme.Es gibt heute fast nichts mehr, was sich nicht per Mausklick abrufen und erwerben ließe – im Gegensatz zu Warenhäusern, die, so groß sie auch sein mögen, nur eine begrenzte Zahl an Produkten physisch anbieten können. Deshalb und weil die Fixkosten (Miete, Personal etc.) sehr hoch sind, stellt Macy’s zunehmend hochpreisige Produkte zur Schau, weil bei teuren Waren die Gewinnmargen im Allgemeinen höher sind als bei tief- oder mittelpreisigen. Der Erfolg dieser Strategie ist allerdings zweifelhaft, denn wer viel Geld für einen Anzug, eine Handtasche oder eine Uhr auszugeben bereit ist, sucht in der Regel ein Fachgeschäft auf.Um den erodierenden Ergebnissen entgegenzuwirken, hat Macy’s mehrfach harte Einschnitte bei den Kosten vorgenommen; dazu gehörten Filialschließungen und der Abbau mehrerer tausend Arbeitsplätze (derzeit sind es noch rund 140 000). Doch den Königsweg zu Wachstum und Margensteigerung hat das Management bislang nicht gefunden.Nichts mehr zu hören war zuletzt von Kaufinteressenten. Anfang Februar hatte es Berichte gegeben, wonach Macy’s ins Visier von Hudson’s Bay geraten sei. Die Kanadier hatten 2013 die US-Kaufhausmarke Saks Fifth Avenue und 2015 Kaufhof übernommen. Interessant ist an Macy’s vor allem das Immobilienportfolio. ——–Der Niedergang des Kaufhausriesen Macy’s ist kaum aufzuhalten. Gekauft wird heute online.——-