Nissan holt sich frisches Bargeld

Japanischer Autohersteller streicht Stellen in Europa und den USA - Toyota ebenfalls unter Druck

Nissan holt sich frisches Bargeld

Nissan will sich von ihren Banken eine milliardenschwere Kreditlinie sichern. Nach umgerechnet rund 4,2 Mrd. Euro fragt der japanische Autohersteller bei einer Gruppe von Kreditinstituten. Darunter sind MUFG, Mizuho Financial sowie die dem Staat nahestehende Development Bank of Japan.mf Tokio – Der Renault-Partner Nissan beschafft sich bei einer japanischen Bankengruppe zusätzliche Liquidität, um die Coronarezession zu überstehen. Japans zweitgrößter Autohersteller verhandelt derzeit mit den Finanzgruppen MUFG, SMFG und Mizuho sowie der staatsnahen Development Bank of Japan über eine Kreditlinie von insgesamt 500 Mrd. Yen (4,2 Mrd. Euro). Laut der Finanzzeitung “Nikkei” hat der Verwaltungsrat dafür grünes Licht gegeben. “Unser laufendes Geschäft bringt genug Cash ein, aber wir schauen uns verschiedene Optionen für den Krisenfall an”, erläuterte der Konzern.Ende Dezember verfügte Nissan über eine Liquidität von 1,4 Bill. Yen (11,9 Mrd. Euro), davon 1,2 Bill. Yen in bar und 214 Mrd. Yen in Wertpapieren. Gemäß Marktforscher Quick-Factset liegt Nissans Quote von liquiden Mitteln zu kurzfristigen Verbindlichkeiten bei 1,67.Zum Vergleich: Bei Toyota beträgt diese Quote nicht nur deutlich höhere 2,46 – der japanische Marktführer hat mit 6 Bill. Yen (51 Mrd. Euro) auch über vier Mal mehr Barmittel in der Kasse. Nach unbestätigten Berichten hat allerdings auch Toyota bei den Geschäftsbanken von SMFG und MUFG eine neue Kreditlinie beantragt.Dabei geht es um 1 Bill. Yen (8,5 Mrd. Euro). Solche Summen brauchen die Autobauer unter anderem, um den Cash-flow ihrer Zulieferer sicherzustellen, die als Erste unter einem Fertigungs- und Absatzeinbruch leiden.Der aktuelle Kreditbedarf von Nissan erklärt sich daraus, dass das Geschäft schon vor der Covid-Krise heftig kriselte. Der Absatz schrumpfte im Vorjahr um 8,4 % auf 5,17 Millionen Fahrzeuge.Daher sollten bereits 12 500 Arbeitsplätze wegfallen. Im Geschäftsjahr 2019 mit Stichtag 31. März erwartet der Hersteller unterm Strich nur noch 65 Mrd. Yen (551 Mill. Euro) Gewinn. Die endgültigen Zahlen fallen womöglich noch schlechter aus. Allein im Februar sackten die globalen Verkäufe um 24,2 % auf 297 000 Einheiten ab. Im März brach der Absatz auf dem wichtigen US-Markt nach Firmenangaben um 30 % ein.Auch der Start von Nissan in das neue Geschäftsjahr ab 1. April fällt sichtbar schwach aus. In den USA und in Großbritannien will die Renault-Tochter jeweils 10 000 Arbeitskräfte freisetzen, die ersten Entlassungen seit der Finanzkrise 2008/09. Der geplante Verkauf der Tochter Nissan Trading für 1 Mrd. Dollar kam nicht zustande. Darauf erklärte Chief Operating Officer Ashwani Gupta, Nissan wolle ihre Vermögenswerte in Zukunft eher nutzen als versilbern. “Zuerst kommen unsere Mitarbeiter und danach der Cash”, sagte Gupta dem Finanzdienst Bloomberg. Im Mai will der Konzern aus Yokohama einen überarbeiteten Sanierungsplan vorlegen. Die Bänder stehen stillAuch Marktführer Toyota leidet. Seit 3. April stehen die Bänder in fünf japanischen Werken still, in den USA ruht die Produktion vom 23. März bis mindestens 1. Mai. Sämtliche Fabriken in Europa sind außer Betrieb. In den USA verzichtet der Autobauer auf 5 000 Zeitarbeiter, die 32 000 Festangestellten können entweder Urlaub nehmen oder auf eine Woche Lohn verzichten. Der Absatz der Gruppe einschließlich der Töchter Daihatsu und Hino sank in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 3,6 % auf 1,54 Millionen Fahrzeuge.