Ocado expandiert auf den Kontinent

Shareholder-Aktivist Crystal Amber steigt bei dem britischen Online-Lebensmitteleinzelhändler ein

Ocado expandiert auf den Kontinent

hip London – Der britische Internet-Supermarkt Ocado hat für seine Dienste einen Kunden auf dem europäischen Kontinent gefunden. Am Markt wartete man schon lange auf die internationale Expansion, nachdem sich die FTSE-250-Gesellschaft dafür eigentlich eine Frist bis Ende 2015 gesetzt hatte. Den Namen des “regionalen europäischen Einzelhändlers” nennt das Unternehmen nicht. Der Kunde wolle anonym bleiben, bis er sein Online-Angebot an den Start gebracht habe.Unterdessen wurde bekannt, dass der britische Shareholder-Aktivist Crystal Amber mit 0,5 % bei Ocado eingestiegen ist. Es ist das siebtgrößte Investment des von Richard Bernstein geführten Fonds, der in der Vergangenheit gut an der Übernahme von Thorntons durch Ferrero und am Kauf von Aer Lingus durch die International Airlines Group verdiente.Im britischen Lebensmitteleinzelhandel tobt ein gnadenloser Preiskrieg. Amazon.com ist für die etablierten Supermarktketten wie J Sainsbury und Tesco, denen bislang vor allem Discounter zu schaffen machen, ein weiterer mächtiger Konkurrent. Ocado ist der größte reine Internet-Lebensmitteleinzelhändler der Welt und hat eine ganze Reihe neuer Technologien eingeführt, um die Einkäufe der Kunden effizienter zusammenzustellen und auszuliefern. Das Unternehmen betreibt drei weitgehend automatisierte Lieferzentren (CFC) im Süden Englands, ein viertes soll 2018 den Betrieb aufnehmen. Dann sollen 615 000 Bestellungen wöchentlich abgewickelt werden können. Ocado bietet anderen Einzelhändlern an, ihr Online-Geschäft zu betreiben. In Großbritannien nutzt WM Morrison Supermarkets die Ocado Smart Platform (OSP). Das Online-Geschäft mit Lebensmitteln expandiert zwar immer noch wesentlich stärker als der Gesamtmarkt. Allerdings verlangsamte sich das Wachstum von 12,5 % im Jahr 2015 auf 7,0 % im vergangenen Jahr. “Wir sind hocherfreut, dass sich unser Partner dafür entschieden hat, OSP für sein Online-Geschäft zu verwenden”, sagte CEO Tim Steiner. Es sei ein “aufregender Schritt in der Evolution unseres Geschäfts”. Nur Teil der Dienste bestelltAllerdings nimmt der neue Kunde nur einen Teil der Dienste in Anspruch, die Ocado anbietet: die Software-Plattform, Know-how und unterstützende Dienstleistungen. Die Bestellungen beim Kunden werden jedoch zunächst von Hand in dessen zentralem Lieferzentrum abgewickelt. Ocado geht davon aus, dass die Übereinkunft ab 2019 einen positiven Gewinnbeitrag leisten wird. Der Kunde zahlt einen einmaligen Betrag für den Zugang zur Plattform. Hinzu kommen Gebühren, die sich am darüber abgewickelten Geschäft orientieren. “Unsere Gespräche mit anderen Einzelhändlern auf der ganzen Welt laufen weiter, und wir erwarten, mittelfristig mehrere Deals zum Abschluss zu bringen”, sagte Steiner. Der UBS-Analyst Daniel Ekstein ist skeptisch. “Wir gehen davon aus, dass es sich bei den ersten OSP-Deals eher um Mietsoftware (SaaS) oder Module für die Zusammenstellung von Lieferungen drehen wird als um die lukrativere automatisierte CFC-Hardware”, schrieb er nach einer Tour durch das neue CFC in Andover. Die hohen Markterwartungen könnten deshalb enttäuscht werden. Zudem werde dem Unternehmen wegen seiner geringen Größe das Versprechen zu schaffen machen, bei einer Reihe von Produkten des täglichen Bedarfs nicht teurer zu sein als der britische Branchenführer Tesco, der zu besseren Konditionen einkaufen könne.