Oetker sucht Anlage für Milliarden
Oetker sucht Anlage für Milliarden
Oetker ist auf der Suche nach strategischen Investitionen. Nach dem Verkauf der Reederei Hamburg Süd wird der Familienkonzern auf einem Sack voll Geld sitzen. Der Kontakt zu den Kunden in der neuen digitalen Welt ist ein großes Thema.ak Bielefeld – Die Oetker-Gruppe erwartet nach der Trennung von der Reederei Hamburg Süd einen Milliardenspielraum für strategische Investitionen. Der neue Chef des Nahrungsmittel-Produzenten, Albert Christmann, sagte bei der Bilanzvorlage, er sei sehr zuversichtlich, dass nach Abzug der Transaktion und der Versteuerung des Buchgewinns mehr als 2 Mrd. Euro netto hängen bleiben würden. Der Bielefelder Familienkonzern hatte im Dezember den Verkauf der global siebtgrößten Containerreederei an den Branchenprimus Mærsk angekündigt und gibt damit rund die Hälfte des Konzernumsatzes ab. Der Bruttokaufpreis liegt bei 3,7 Mrd. Euro.Christmann zeigte sich optimistisch, dass die Veräußerung bis Jahresende abgeschlossen werden könne. Noch haben nicht alle Kartellbehörden zugestimmt. In Brasilien gehen die Transaktionspartner von kartellrechtlichen Auflagen aus, auch in China steht die Genehmigung noch aus. Hamburg-Süd-Chef Ottmar Gast erwartet jedoch im Reich der Mitte keine wirklichen Schwierigkeiten, da die Marktanteile dort nicht so hoch seien.Christmann blieb bei der Frage der Reinvestitionen vage: “Wir verfolgen alle Sparten gleichzeitig.” Im Niedrigzinsumfeld sei die Kaufbereitschaft allgemein hoch, die Verkaufsbereitschaft aber lasse zu wünschen übrig. Christmann ließ aber weiterhin Interesse am spanischen Sekthersteller Freixenet durchblicken. “Das ist eine schöne Marke.” Weniger interessiert scheint Oetker, zu der die Radeberger Gruppe gehört, am Bierhersteller Hasseröder. Angesprochen darauf, sagte Getränke-Chef Niels Lorenz, selbstverständlich gucke sich der Konzern alles an, doch allgemein hätten einige Biermarken in ihrer Substanz in den vergangenen Jahren ziemlich gelitten.Geld in die Hand nimmt Oetker auch in Sachen Digitalisierung. Vor einem halben Jahr hat der Konzern in Berlin die Oetker Digital gegründet. Sie ist in einer Handvoll Venture-Fonds investiert und auch an einigen Start-ups direkt wie zum Beispiel am Brot-Backzutatenversand Brotliebling.de. Bisher habe Oetker einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert, sagte Christmann am Rande der Bilanzvorlage. In Berlin sind 35 Mitarbeiter beschäftigt, das Team soll weiter ausgebaut werden. Beim Budget hat die Geschäftsführung mit dem Beirat, in dem die Familie das Sagen hat, Flexibilität vereinbart.Die Frage, wie der Pudding- und Pizza-Produzent in Zukunft mit den Verbrauchern in Kontakt tritt, treibt die Führung um. Die Millennials guckten kein Fernsehen mehr, resümiert Christmann. Soziale Medien oder reale Erlebniswelten sollen zum Teil die klassische TV-Werbung kompensieren. So testet Oetker im schweizerischen Luzern ein eigenes Café. Stornierungen bei Le BristolDas Geschäftsjahr 2016 ist für Oetker nur “zufriedenstellend” verlaufen. Der Gesamtumsatz reduzierte sich um 2 % auf 11,7 Mrd. Euro. Die Schifffahrt-Erlöse gingen deutlich zurück, weil zwar die Mengen stiegen, aber die Frachtraten um 15 % einbrachen. Christmann bezeichnete angesichts der weltweiten Konsolidierung die Trennung von Hamburg Süd als richtigen Schritt zur richtigen Zeit.Auch die Luxushotel-Aktivitäten zeigten Einbußen. Das mit Abstand größte Hotel von Oetker, “Le Bristol” in Paris, habe nach den Terroranschlägen viele Stornierungen verzeichnet, erläuterte Christmann. Das Ergebnis der Gruppe sei in anderen Jahren schon besser gewesen, habe aber ausgereicht, um die Verschuldung um 400 Mill. Euro abzubauen und die Gesellschafterkonten zu dotieren. Allerdings hatte Oetker auch die Investitionen mit 405 (i.V. 740) Mill. Euro deutlich zurückgefahren.