Pharma-Start-up Idorsia versorgt sich mit Liquidität

Actelion-Nachfolgefirma sammelt 300 Mill. sfr ein

Pharma-Start-up Idorsia versorgt sich mit Liquidität

dz Zürich – Das Schweizer Pharma-Start-up Idorsia hat in einer Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts und quasi im Handumdrehen 330 Mill. sfr bei institutionellen Anlegern eingesammelt. Die elf Millionen neu emittierten Aktien entsprechen 8,4 % des ausgegebenen Kapitals. Der Verkaufserlös ist primär dazu bestimmt, die vielversprechenden Medikamente in der Idorsia-Pipeline näher an die Marktreife zu bringen.So wollen es die Investoren, aber auch das Ehepaar Jean-Paul und Martine Clozel, die nicht nur 28,4 % der Aktien besitzen, sondern das Unternehmen auf Stufe Management (Jean-Paul) und Forschung (Martine) auch lenken. Die beiden haben die Kapitalerhöhung vollumfänglich mitgetragen und weitere gut 90 Mill. sfr in ihr Baby investiert, das das Ehepaar bereits über 600 Mill. sfr gekostet hat.Richtig reich wurden die Clozels vor drei Jahren im Zusammenhang mit dem Verkauf der Idorsia-Vorgängerfirma Actelion an den US-Multi Johnson & Johnson. Aus der 30-Mrd.-Dollar-Transaktion sprangen für die beiden Actelion-Mitbegründer 1,3 Mrd. Dollar sowie Anteile an immateriellen Vermögenswerten heraus, auf deren Grundlage Idorsia entstehen konnte.Zusammen mit den Clozels glauben viele Investoren fest daran, dass sich die Erfolgsgeschichte von Actelion wiederholen lässt. In den vergangenen Wochen und Monaten hat das Unternehmen einige wichtige Meilensteine erreicht. Für Aufsehen sorgten im April positive Ergebnisse einer Wirksamkeitsstudie des Schlafmittels Daridorexant, für das Idorsia gegen Ende des Jahres die Zulassung beantragen könnte.Ponesimod, ein Präparat zur Behandlung multipler Sklerose, hat Johnson & Johnson im März zur Verkaufszulassung angemeldet. Idorsia winken 8 % der Verkaufserlöse. Eben erst hat auch die US-Firma Neurocrine 45 Mill. Dollar an Idorsia überwiesen und sich damit die Option zum Erwerb der Lizenzrechte an einem Wirkstoff zur Behandlung einer seltenen Form von pädiatrischer Epilepsie gesichert. Noch in diesem Jahr erwartet Idorsia Eckwerte zur Phase-III-Studie von Aprocitentan, das auf die Wirksamkeit in der Behandlung von resistentem Bluthochdruck getestet wird. Ehrgeizige ZieleWenn alles gut läuft, könnten Medikamente aus den Idorsia-Labors in den nächsten Jahren Milliardenumsätze einspielen. Bis es so weit ist, werden die finanziellen Mittel auch nach der jüngsten Kapitalerhöhung allerdings kaum reichen. Zusammen mit dem Liquiditätspolster von 632 Mill. sfr per Ende März betragen diese aktuell knapp 1 Mrd. sfr. Davon dürfte allein im laufenden Jahr mehr als ein Drittel für die Betriebskosten draufgehen. Den Idorsia-Aktionären macht dies aber offenbar wenig Sorgen. Die Börse bewertet das Unternehmen aktuell mit 4 Mrd. sfr. Nach einem kurzen Corona-Taucher bewegt sich der Aktienkurs nicht weit unter dem Allzeithoch.