Piëch ist nicht mehr das größte Problem
Piëch ist nicht mehr das größte Problem
Von Isabel Gomez, StuttgartEr ist wirklich gekommen. Ferdinand Piëch, einstiger VW-Konzernpatriarch, sitzt am Dienstag nach zweijähriger Abstinenz auf dem Podium der Hauptversammlung der Familienholding und VW-Großaktionärin Porsche SE in Stuttgart. Er starrt in den Raum, lange bevor die weiteren Aufsichtsräte ihre Plätze einnehmen, und wird im Verlauf des Aktionärstreffens weder seine Sitzposition nennenswert ändern noch die Fragen der Aktionäre beantworten. Es ist Piëchs erster öffentlicher Auftritt seit seinem Rücktritt im Streit als VW-Aufsichtsratschef. Und es dürfte einer seiner letzten sein. Der 80-Jährige hat seinen SE-Anteil von knapp 15 % größtenteils an die Familie verkauft. Er wurde zwar als Aufsichtsrat wiedergewählt, will sein Amt laut Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche aber nach Vollzug des Verkaufs niederlegen. Wohl Anfang 2018.Piëch gilt als isoliert in der Familie. Er muss sich aber von den Aktionären, die ihm 2016 unterstellt hatten, sich wegen des Dieselskandals nicht nach Stuttgart zu trauen, weniger Kritik anhören als die Vorstände Hans Dieter Pötsch, Matthias Müller, Philipp von Hagen und Manfred Döss. Das Problem von Aktionären wie dem Aufsichtsrat der Deutschen Asset & Wealth Management, Christian Strenger, der als Privataktionär sprach: Die Vorzugsaktionäre erhalten zwar mit 1,01 Euro je Aktie ein wenig mehr als die Stammaktionäre mit 1,004 Euro, haben aber kein Stimmrecht. Das liegt allein bei den Familien Porsche und Piëch.Dadurch sind sämtliche Gegenanträge zum Scheitern verurteilt. So auch jene von Strenger, der unter Beifall keine Entlastung für Vorstand und Aufsichtsrat fordert. Die Arbeitnehmerseite der SE verzichtet künftig auf Vertreter im Aufsichtsrat – weil die SE kein operatives Geschäft habe und die VW-Mitarbeiter über den Konzernaufsichtsrat vertreten seien. Daher besteht das Gremium, das die bei SE und VW beschäftigten Pötsch, Döss und Müller kontrolliert, aus jenen Personen, die zum Teil Eigner der SE sind: Wolfgang, Ferdinand Oliver und Hans-Peter Porsche, Ulrich Lehner sowie Ferdinand und Hans Michel Piëch.Genau jene Konstellation kritisieren die Aktionäre. Die Konzernleitung habe “augenscheinlich kein Interesse, ihr massives Governance-Problem zu lösen”, sagt Strenger und meint auch die schleppende Aufklärung des Dieselskandals. Der werde weiter Untergebenen in die Schuhe geschoben, während die “zumindest mitverantwortlichen Aufsichtsräte und Vorstände” auf “Selbstbestellung, Selbstkontrolle, Selbstprüfung und Selbstentlastung durch eine ziemlich verschworene Gemeinschaft von Familienmitgliedern” setzten. Die Doppelrollen von Pötsch (VW-Aufsichtsratschef) und Müller (VW-Vorstandschef) führten dazu, dass gegen beide wegen des Verdachts der Marktmanipulation durch die Verletzung von Publizitätspflichten im VW-Skandal ermittelt wird. An die Existenz einer Mauer in ihren Köpfen, durch die, wie von der SE dargestellt, beide Ämter getrennt würden, glaubt wohl keiner der anwesenden Aktionäre.Die Aktionäre reiben sich nicht nur an der Kontrollstruktur. Sie stellen auch das Geschäftsmodell der Finanzholding in Frage und rätseln, warum diese in zehn Jahren neben VW nur ein weiteres Investment tätigte. 2013 erwarb die SE für 41 Mill. Euro 10 % am US-Verkehrsdatendienstleister Inrix, der kürzlich auf 21 Mill. Euro abgeschrieben wurde. Für die Aktionäre rechtfertigt dieses Investment kein extra Ressort. Er habe 1 200 Firmen sondiert, sich aber gegen einen Einstieg entschieden, sagte Beteiligungsvorstand von Hagen. Da gut 90 % der Mittel in VW steckten, sei Vorsicht angebracht. ——–Die Aktionäre misstrauen der Führung und dem Geschäftsmodell der Porsche SE zunehmend.——-