PwC warnt vor Null-Cent-Geboten
PwC warnt vor Null-Cent-Geboten
hek Frankfurt – Der zunehmende Wettbewerb um Windparkprojekte im Meer hat zu sinkenden Vergütungen geführt. Ein vollständiger Verzicht auf staatliche Förderung birgt nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC jedoch Risiken. “Null-Cent-Gebote sind eine Wette darauf, dass zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme die Herstellungskosten für Offshorestrom niedrig und die Erlöse am Strommarkt hoch sein werden”, gibt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC, zu bedenken.In Deutschland läuft derzeit die zweite Ausschreibung für Offshore-Windenergie. Die Zuschläge gehen an Betreiber, die für ihre Projekte die niedrigste Förderung verlangen. Die Frist für die Einreichung von Geboten ist am Osterdienstag abgelaufen. Nun prüft die Bundesnetzagentur in Bonn die eingegangenen Offerten. Die Auswertung wird nach Angaben der Behörde “einige Zeit in Anspruch nehmen”.Bei der ersten Ausschreibung für Offshore-Wind im vergangenen Jahr fielen die Zuschlagswerte weit niedriger aus als erwartet. Drei der vier Gebote, die einen Zuschlag erhielten, kommen sogar ohne Subvention aus – ein Ergebnis, das selbst die Fachwelt überraschte. Die Kosten für die Anbindung der Windparks an die Stromübertragungsnetze bleiben bei dieser Kalkulation allerdings außen vor. Ans Netz gehen die Anlagen voraussichtlich erst in den Jahren 2024 und 2025. Turbinenleistung steigtBei den Projekten ohne Förderung handelt es sich um He Dreiht (Betreiber: EnBW), mit 900 Megawatt (MW) das größte Vorhaben, Borkum Riffgrund West II und OWP West (beide Dong Energy). Die PwC-Experten vermuten, dass es auch bei der zweiten Ausschreibungsrunde zu Null-Cent-Geboten gekommen sein könnte. Begründet wird diese Einschätzung mit der umfangreichen Projektpipeline. Demnach erfüllen Projekte mit einer Kapazität von 3 250 MW in der Nordsee und 1 700 MW in der Ostsee die formalen Bedingungen für eine Teilnahme an der Auktion. Ausgeschrieben sind aber lediglich 1 610 MW, davon mindestens 500 MW in der Ostsee. “Die Ausschreibung wäre damit um das Dreifache überzeichnet”, rechnet PwC vor.Hinzu kommt laut den Experten, dass die aktuelle Ausschreibungsrunde für Eigentümer bestehender Projekte die letzte Möglichkeit darstellt, einen Zuschlag und damit auch einen Netzanschluss zu erhalten. Wer mit seinen Projektplänen leer ausgeht, muss dann gegen andere Bieter um die vormals eigene Fläche konkurrieren. Der ursprüngliche Entwickler hat also nur noch ein Eintrittsrecht zum niedrigsten Gebot. Die Null-Cent-Gebote zeigen, dass Windkraftanlagen auf See gegenüber anderen Energieträgern zunehmend wettbewerbsfähig sind. Dazu trägt die steigende Leistung der Anlagen bei. Bis Mitte des kommenden Jahrzehnts könnten Turbinen mit einer Leistung zwischen 10 und 15 MW installiert werden. Das wäre eine Verdopplung im Vergleich zur derzeitigen Kapazität.Nach Angaben von PwC hält ein Großteil der Branche Vergütungen von fünf bis sieben Cent pro Kilowattstunde für erforderlich, um einen Offshore-Windpark im Jahr 2025 ans Netz zu bringen. “Der hohe Konkurrenzdruck könnte die Gebote aber unter das Vergütungsniveau drücken, das für eine wirtschaftliche Inbetriebnahme notwendig ist”, warnen die Berater. Für moderate GarantieAufgrund der langen Vorlaufzeiten müssen die Bieter weitreichende Annahmen zu den künftigen Strompreisen, der technischen Weiterentwicklung und den Kosten des Betriebs treffen. Eine “moderate garantierte Vergütung” könne die Marktrisiken abmildern und zu einer stabilen Entwicklung der Offshore-Branche in Deutschland beitragen.Ende 2017 waren in Deutschland 1169 Offshore-Windturbinen mit einer kumulierten Leistung von 5 387 MW am Netz. 87 % dieser Kapazität stehen in der Nordsee, der Rest in der Ostsee.