RAG-Stiftung zieht 10-Jahres-Bilanz

Für Übernahme der Ewigkeitslasten gerüstet - Keine Ausstiegspläne bei Evonik

RAG-Stiftung zieht 10-Jahres-Bilanz

ab Düsseldorf – Anderthalb Jahre vor der Übernahme der Ewigkeitslasten aus dem Steinkohlebergbau sieht sich die RAG-Stiftung für die auf sie zukommenden Aufgaben gut gerüstet. Zwar hat sich die Kluft zwischen den Rückstellungen für die Ewigkeitslasten und den auf den heutigen Wert berechneten Ewigkeitslasten – also der tatsächlichen finanziellen Verpflichtung der RAG-Stiftung – dramatisch ausgeweitet. Diese Entwicklung sei allerdings einzig dem Niedrigzinsniveau geschuldet, wie Stiftungschef Werner Müller vor der Presse erläuterte.Zum Bilanzstichtag 2016 hat sich das erforderliche Rückstellungsvolumen auf 81 (i.V. 37) Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Ende 2017 wird es sich voraussichtlich auf 400 bis 500 Mrd. Euro belaufen. Die tatsächlichen Rückstellungen erhöhten sich im abgelaufenen Turnus dagegen nur um knapp 400 Mill. Euro auf 4,84 Mrd. Euro. “Eine absurde Entwicklung”, findet Müller. Denn die jährlichen Einnahmen der Stiftung aus den diversifizierten Kapitalanlagen seien perspektivisch doppelt so hoch wie die Ausgaben, die sich – seit 2007 unverändert – auf 220 Mill. Euro p. a. belaufen. Von daher fordert Müller, dass sich der Bund im eigenen Interesse etwas einfallen lassen muss. Denn auch wenn sich der Stiftungschef sicher ist, dass die Stiftung die Ewigkeitslasten tragen kann, steht der Bund letzten Endes als Garantiegeber in der Pflicht. Organisatorischer UmbauGanz konkret geht es Müller um den Diskontfaktor, der festgeschrieben werden sollte. Das sei auch mit Blick auf die Bergbaugesellschaft RAG AG wichtig, die den Niedrigzinseffekt in ihren Pensionsverbindlichkeiten zu spüren bekommt. Zwar ist es der Steinkohlegesellschaft auch 2016 gelungen, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erwirtschaften. Angesichts der Zinsentwicklung könnte dieses Ziel im laufenden Turnus aber womöglich verfehlt werden.Das hätte auch Folgen für die Stiftung, wäre diese doch verpflichtet, die Lücke zu schließen. Anders als bei den Ewigkeitslasten, wo es sich in erster Linie um einen rein buchhalterischen Effekt handelt, müsste die Stiftung der Tochter RAG dagegen mit einer Liquiditätsspritze unter die Arme greifen.Das für 2018 avisierte Ende des deutschen Steinkohlebergbaus wirft aber auch in anderer Hinsicht Schatten voraus. Denn die RAG muss sich dann vom Steinkohleproduzenten zu einem Unternehmen wandeln, dessen Hauptzweck in der Bearbeitung der Bergbaufolgen aus Alt- und Ewigkeitslasten liegt, wie Müller ausführte. Im Kern geht es um die ewige Wasserhaltung in den Gruben und um endliche Lasten wie die Beseitigung von Bergschäden und die Rekultivierung von Flächen.Von daher muss die RAG auch organisatorisch neu aufgestellt werden. Das betrifft die Gremien, die Organisationsform, die Führungsmannschaft und die Belegschaft. Bis Ende 2017 soll nach Vorstellung von Müller ein tragfähiges Konzept stehen. Die neue Aufstellung soll 2022 wirksam werden, wenn die RAG “endgültig in der Nachbergbauära angekommen ist”. Bis dahin müssen noch 4 500 Beschäftigte das Unternehmen verlassen, derzeit stehen noch etwa 5 000 Beschäftigte auf den Lohn- und Gehaltslisten. Als die Stiftung vor zehn Jahren ihre Arbeit aufnahm, waren es allerdings noch 30 000 Mitarbeiter.Müllers Bilanz nach zehn Jahren, er selbst führt die Stiftung seit Ende 2012, fällt durchweg positiv aus: “Alles in allem und etwas unbescheiden: Die Idee der RAG-Stiftung hat sich als Erfolgsmodell erwiesen.” Wurde die Stiftung mit einem Vermögen von 6 Mrd. Euro an den Start geschickt, waren es Ende 2012 schon 11 Mrd. Euro und Ende 2016 knapp 17 Mrd. Euro. Seit Ende 2012 wurde das Vermögen mithin Jahr für Jahr um etwa 9 % gesteigert – trotz Niedrigzinsniveau, wie Müller hervorhob. Dabei gilt es allerdings auch zu berücksichtigen, dass die Stiftung beim Verkauf von Evonik-Anteilen jeweils satte Buchgewinne eingestrichen hat. Dividende ein MussMit 68 % ist Evonik aber unverändert die größte Einzelbeteiligung der Stiftung. Müller räumte ein, dass “beim Aktienkurs weiterhin Luft nach oben” ist, und beklagte, dass das Potenzial von Evonik nicht ausreichend gewürdigt werde. Das zu ändern sei eine der Aufgaben des neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Kullmann. Wenngleich die Evonik-Beteiligung als Klumpenrisiko für die Stiftung anzusehen ist, verfolgt die Stiftung nach den Angaben momentan aber keinerlei Ausstiegspläne. Und das nicht ohne Grund, stand die Dividendenausschüttung von Evonik mit 364 Mill. Euro doch für fast 90 % der Beteiligungserträge der Stiftung. “Wichtig ist für die RAG-Stiftung nicht zuletzt, dass die Dividende auf attraktivem Niveau bleibt”, sagte Müller.