Rakuten will Japans Mobilfunk aufmischen
Rakuten will Japans Mobilfunk aufmischen
hei Frankfurt – Elf Jahre nach dem Einstieg von Softbank in den japanischen Mobilfunkmarkt, die aus dem damals notorisch defizitären Vodafone-Ableger einen ernstzunehmenden Konkurrenten für die etablierten Anbieter NTT Docomo und KDDI schmiedete, steht die Branche erneut vor umwälzenden Veränderungen. Der japanische Amazon-Rivale Rakuten hat angekündigt, an der bevorstehenden Mobilfunklizenzauktion teilzunehmen, um ein eigenes Netz zu errichten. Dafür plant der E-Commerce-Anbieter und Finanzdienstleister Investitionen von zunächst rund 600 Mrd Yen (4,5 Mrd. Euro). Allerdings dürfte diese Summe noch bei weitem nicht ausreichen, um gegen die drei großen Konkurrenten anzutreten, so dass Branchenbeobachter davon ausgehen, dass Rakuten zunächst an der bereits bestehenden Partnerschaft mit NTT Docomo festhalten wird. Von dieser hat das Unternehmen bereits als virtueller Netzbetreiber Kapazitäten gemietet. Damit ist Rakuten seit 2014 am Start und inzwischen zum größten Mobilfunk-Discount-Anbieter aufgestiegen, mit einem Marktanteil von 17 % an den umlaufenden Sim-Karten, wie japanische Researchhäuser errechnen. Der Angreifer hat sich indes zum Ziel gesetzt, bis 2025 rund 15 Millionen Kunden auf dem eigenen Netz zu haben, und dürfte daher nach Einschätzung von Analysten noch deutlich preisaggressiver als bisher auftreten.Japan ist mit durchschnittlich 1,3 Mobilfunkverträgen pro Kopf ein hochsaturierter Markt, in dem es den etablierten Anbietern nicht leichtfällt, Marktanteile zu gewinnen. Allerdings wird der Vorstoß von Rakuten von der japanischen Regierung sehr begrüßt. Diese beklagt seit längerem den schwachen Wettbewerb zwischen NTT Docomo, KDDI und Softbank, der in “zu teuren Mobilfunkverträgen” zum Ausdruck komme, wie Regierungschef Shinzo Abe selbst schon 2015 feststellte. Seither hat ein gewisser Preisrückgang eingesetzt.Rakuten, deren Gründer und CEO Hiroshi Mikitani ebenso wie Softbank-Chef und -Gründer Masayoshi Son ein Selfmade-Millionär ist, der bisher wenig Risiko gescheut hat, kann bereits erfolgreiche Schritte in neuen Geschäftsfeldern vorweisen. So hat das Unternehmen eine Fintech-Sparte gegründet, in der Karten-Services, Bankdienste und Versicherungsleistungen angeboten werden. Der Bereich ist im dritten Quartal 2017 um rund ein Fünftel gewachsen und damit etwas weniger als das etablierte Internet-Geschäft, das 25 % zulegte. Immerhin werden dort schon 36 % der Konzernerlöse von 236 Mrd. Yen erzielt. Die Ertragsstärke der Aktivitäten verhalf Rakuten zu einem Gewinnsprung von 92 % auf 58 Mrd. Yen im Quartal. Gutes HändchenMikitani bewies stets ein Händchen für lukrative Anlagen, wie auch die Renditen des Investmentarms Rakuten Capital zeigen. Der Fonds investierte u.a. in Firmen wie Pinterest, Caroussell und Lyft und hat im Portfolio seit 2012 insgesamt eine Wertsteigerung von 34 % erzielt.Branchenexperten halten es nicht für ausgeschlossen, dass dem japanischen Markt eine ähnlich umwälzende Entwicklung bevorsteht, wie sie vor einigen Jahren in Frankreich zu beobachten war. Dort hatte Iliad eine eigene Mobilfunktochter gegründet. Free rollte den Markt mit Kampfpreisen auf, die um die Hälfte unter jenen der drei etablierten Anbieter lagen, und gewann innerhalb eines Jahres signifikante Marktanteile. Orange, SFR und Bouygues Telecom gerieten massiv unter Druck. Ihre Sparanstrengungen konnten mit dem Umsatzrückgang kaum Schritt halten. Die Gewinne brachen dramatisch ein, das Preisniveau blieb nachhaltig niedriger, während die Investitionen gleichwohl anzogen, wie die EU-Kommission feststellte.