SERIE: AUTOKONZERNE AUF DEM PRÜFSTAND (7) - IAA

Renault zielt auf Masse, PSA auf Kasse

Französisch-japanischer Autobauer übernimmt Weltmarktführung - Profitabilität hinkt aber hinterher

Renault zielt auf Masse, PSA auf Kasse

Die Renault-Gruppe ist zwar zum Weltmarktführer nach Absatz aufgestiegen, doch ihr heimischer Konkurrent PSA kommt auf eine weit höhere Marge. Konzernchef Ghosn, der in Sachen Elektromobilität die Nase vorn hat, will im Oktober seine neue Strategie präsentieren. Einen Monat später folgt die neue PSA-Tochter Opel.wü Paris – Der französische Automobilmarkt hat im August rechtzeitig vor der Automesse IAA für gute Nachrichten gesorgt. Die Neuwagenzulassungen legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast ein Zehntel zu – wovon auch die französischen Autobauer PSA und Renault profitierten. Dabei hatte Renault die Nase vorn, denn die Neuwagenzulassungen des Konzerns stiegen um rund 12 %, die von PSA dagegen “nur” um 7 %. Nach Angaben des Verbands französischer Autobauer CCFA (Comité des constructeurs français d’automobiles) hinken die Marken von PSA (Peugeot, Citroën und DS) bei den Neuwagenzulassungen auch seit Anfang des Jahres mit einem Plus von knapp 4 % hinter der Entwicklung des französischen Marktes zurück. Genau wie die Marken Renault und Dacia des heimischen Konkurrenten, deren Zulassungszahlen seit Januar gar nur um knapp 3 % zulegten, während die Neuzulassungen in Frankreich in den ersten acht Monaten insgesamt um mehr als 4 % stiegen.Was die globalen Absatzzahlen angeht, liegt jedoch die Renault-Nissan-Gruppe mit knapp 5,3 Millionen verkauften Einheiten im ersten Halbjahr mittlerweile an der Weltspitze vor Volkswagen und damit auch deutlich vor der neuen Opel-Mutter. Denn PSA verkaufte im selben Zeitraum weltweit gerade mal 1,6 Millionen Einheiten. Statt auf Masse wie Renault setzt der Konzern auf Profitabilität. Die Strategien der beiden französischen Automobilkonzerne könnte deshalb derzeit nicht unterschiedlicher sein. Die Renault-Gruppe ist zwar nach Absatz zum Weltmarktführer aufgestiegen, doch ihr heimischer Konkurrent ist mit ihren Autos profitabler.So stieg die operative Marge der Automobilsparte von PSA im ersten Halbjahr von 6,8 % auf 7,3 %, obwohl ihr Umsatz nur um 3,6 % auf 19,9 Mrd. Euro zulegte. Dagegen steigerte die Automobilsparte der Renault-Gruppe, Avtovaz aus Russland nicht mitgerechnet, ihren Umsatz um 12,1 % auf knapp 27 Mrd. Euro, verfehlte damit jedoch leicht die Erwartungen. Trotz der kräftigen Umsatzsteigerung fiel ihre operative Marge mit 4,8 % gerade mal 0,1 Prozentpunkte besser als im Vorjahreszeitraum aus.Entsprechend enttäuscht reagieren Investoren. Die Aktie des Automobilkonzerns hat an der Pariser Börse seit Anfang 2017 um mehr als 11 % nachgegeben, während der Kurs von Peugeot um mehr als 17 % gestiegen ist. “Warum sind die Zahlen nicht viel besser ausgefallen?”, fragte Bernstein Research nach der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse. Angesichts der kürzlich aktualisierten Modellpalette sei die Leistung der Gruppe seltsam, meint Analyst Max Warburton. “Renault ist auf dem Höhepunkt seines Produktzyklus und verkauft in einen wie es scheint sehr starken europäischen Markt.”Die französische Tageszeitung “Le Figaro” hat errechnet, dass PSA pro verkauftes Auto 40 % mehr Gewinn mache als Renault. Laut “Figaro” verdient die Renault-Gruppe an jedem verkauften Auto 1 043 Euro, was einer Marge von 6,7 % entspricht, PSA, bei der Konzernchef Carlos Tavares die Produktpalette seit seinem Amtsantritt 2014 zusammengestrichen hat, dagegen 1 405 Euro, was einer Marge von 8,7 % entspricht. Die operative Marge der Automobilsparte von Renault lag zumindest nach Angaben von Société-Générale-Analyst Stephen Reitman weiter etwas unter einigen Branchen-Benchmarks. Neue Strategie im OktoberKonzernchef Carlos Ghosn ist indes der Ansicht, dass die Halbjahresergebnisse eine solide Basis für die Umsetzung seines nächsten Strategieplans für den Zeitraum 2017 bis 2022 darstellen. Den wollen die Allianzpartner Renault, Nissan und Mitsubishi im kommenden Monat vorstellen. Der neue Strategieplan soll auch Plattformen definieren, die gemeinsam mit dem im vergangenen Jahr übernommenen japanischen Autobauer Mitsubishi genutzt werden sollen. Einige der finanziellen Ziele des neuen Plans hat Ghosn bereits im Februar bei der Vorstellung der Bilanz für 2016 enthüllt. So soll die Gruppe bis 2022 bei gleichbleibenden Wechselkursen einen Umsatz von rund 70 Mrd. Euro und eine operative Marge von 7 % erreichen. Zudem soll die Automobilsparte jedes Jahr auf einen positiven operativen Bargeldmittelzufluss kommen. Avtovaz konsolidiert betrug die operative Marge der gesamten Gruppe im ersten Halbjahr 6,2 %. Plan für Opel im NovemberIn der ersten Novemberhälfte dann soll auch die neue PSA-Tochter Opel ihren Strategieplan zur Sanierung des deutschen Autobauers vorlegen. Branchenkenner werden genau beobachten, ob es PSA-Chef Carlos Tavares gelingen wird, Opel genau so schnell wieder auf die Gewinnspur zurückzubringen wie den französischen Autobauer. Immerhin hat Opel seit 1999 keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben. Nach Informationen der “Automobilwoche” soll der Rüsselsheimer Autobauer seine Verluste im zweiten Quartal sogar noch einmal ausgeweitet haben. Nachdem zuvor ein Minus von rund 201 Mill. Dollar ausgewiesen worden war, habe der Verlust in der Zeitspanne von Anfang April bis Ende Juni gut 250 Mill. Dollar betragen, berichtete die Zeitschrift unter Berufung auf informierte Personen bei PSA. Opel verliere derzeit jeden Werktag rund 4 Mill. Dollar.PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon hatte bei der Ankündigung der 1,3 Mrd. Euro schweren Übernahme Anfang März erklärt, dass Opel/Vauxhall 2020 wieder rentabel sein dürften. Sie sollen dann auf einen operativen freien Bargeldmittelzufluss und eine operative Marge von 2 % kommen. 2026 dann soll die operative Marge von Opel 6 % betragen.Das wirtschaftliche Profil von PSA werde sich durch den Kauf von Opel verbessern, meint zumindest Analyst Falk Frey von Moody’s. Seiner Ansicht nach überwiegt das positive Potenzial die Risiken der Akquisition. PSA selber schätzt die mittelfristigen Synergien durch den Zusammenschluss auf 1,7 Mrd. Euro pro Jahr.Die Sanierung von Opel ist jedoch nicht die einzige Herausforderung, vor der der Konzern in den kommenden Monaten steht. So muss er die stark rückläufigen Verkaufszahlen in China sowie die Absatzprobleme seiner Premiummarke DS in den Griff bekommen. Im ersten Halbjahr ist der Absatz von PSA in China und Südostasien um fast die Hälfte auf 152 380 Fahrzeuge eingebrochen. Ähnlich stark fiel der Absatzeinbruch bei DS mit – 46 % aus. Gleichzeitig muss der Autobauer seine Internationalisierung weiter vorantreiben und stärker auf den Trend der Abkehr von Diesel-Fahrzeugen reagieren. Konzernchef Tavares will, dass PSA in sechs Jahren 80 % seiner Modelle mit Hybrid- oder Elektroantrieb anbieten kann. Deshalb will er zwischen 2019 und 2021 fünf neue Elektro- und sieben Hybridmodelle lancieren.Renault setzt dagegen bereits seit Jahren auf Elektrofahrzeuge und gilt in dem Bereich als weltweit führend. Sie verkaufte im ersten Halbjahr 481 151 Elektroautos, PSA dagegen gerade mal 2 807. Die Renault-Gruppe kündigte zudem gerade die Gründung eines Joint Ventures für Elektrofahrzeuge in China zusammen mit Dongfeng an. Im ersten Halbjahr verkaufte sie im Reich der Mitte 35 647 Einheiten, 0,2 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf der IAA präsentiert Renault nun mit Symbioz ein Elektro-Konzeptauto, während Allianzpartner Nissan nicht präsent ist, genau wie Peugeot und DS. PSA ist jedoch mit den Marken Citroën und Opel vertreten. Nissan begründete die Absage vor allem mit der Entscheidung, 2017 den Marketingschwerpunkt auf das Thema Elektromobilität zu legen. Peugeot dagegen erklärte, man wolle sich auf Messen konzentrieren, bei denen Kunden Autos tatsächlich erleben können.—-Zuletzt erschienen:- Fiat Chrysler will Töchter ausgliedern (5.9.)- GM ändert Ausstattung in Serie (2.9.)- CEO von Ford nähert sich Ende der Schonfrist (1.9.)