Rettungspaket von 9 Mrd. Euro für Lufthansa

Einstieg des Bundes zum Nennwert unterhalb des aktuellen Kurses geplant - Schützende Minderheit

Rettungspaket von 9 Mrd. Euro für Lufthansa

hei/cru Frankfurt – Die Deutsche Lufthansa verhandelt mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes über ein Rettungspaket von 9 Mrd. Euro. Das teilte der Konzern ad hoc mit. “Gegenstand” der Verhandlungen ist neben einer stillen Beteiligung ein besicherter Kredit, dessen Konditionen ebenfalls noch erörtert werden. Darüber hinaus stehe auch eine “Beteiligung des Bundes am Grundkapital der Gesellschaft” zur Debatte. Diese könnte bis hin zu einer Sperrminorität von 25 % plus einer Stimme reichen.In diesem Kontext werde über “verschiedene Varianten von Kapitalerhöhungen” gesprochen, unter anderem auch zum Nennbetrag der Aktie, gegebenenfalls nach Kapitalschnitt. Der Nennbetrag der Aktie liegt bei 2,56 Euro – deutlich unter dem aktuellen Kurs, der nach der Mitteilung nahezu unverändert bei 7,85 Euro lag. Das entspricht einem Börsenwert des Konzerns von 3,75 Mrd. Euro, der sich seit Jahresbeginn halbiert hat.Offenbar hatten die Investoren ein solches Rettungspaket, bei dem der Bund deutlich unter dem aktuellen Kurs einsteigt, bereits eingepreist oder sind noch nicht in der Lage, die Folgen genauer einzuschätzen. Zudem sind keine Lufthansa-Aktien mehr zu leihen, mit denen Leerverkäufer auf einen fallenden Preis setzen könnten, wie Investmentbanker berichten. Berater der Lufthansa bei dem Deal sind Goldman Sachs und Deutsche Bank, wie aus Finanzkreisen verlautet. Den Bund berät die Finanzagentur, die wiederum extern ein Gutachten in Auftrag gegeben hat. Differenz in die RücklagenEin Kapitalschnitt – also eine Nennwertherabsetzung – wäre rechtlich notwendig, damit der Bund unter dem aktuellen Nennwert einsteigen kann. Die Differenz zu dem vom Bund für die neuen Aktien gezahlten Preis kann in die Gewinnrücklagen der Lufthansa eingestellt werden, aus denen die Verzinsung der stillen Beteiligung des Bundes gezahlt werden könnte. Bei einem Einstieg des Staates wären Dividenden an die Aktionäre untersagt. Schon für 2019 erhalten die Aktionäre keine Dividende. Eine Nennwertherabsetzung bedarf indes prinzipiell der Zustimmung der Hauptversammlung.Der Lufthansa-Vorstand setze die Verhandlungen mit dem Ziel fort, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen, hieß es in der Pflichtmitteilung. Die Verhandlungen ziehen sich allerdings bereits seit Wochen hin. Das Management strebt eine geringere direkte Beteiligung an und würden es begrüßen, wenn die Regierungsbeteiligung unter 20 % läge. Dies würde eine frühere Rückzahlung der Gelder in die Staatskasse erleichtern, wird argumentiert. Nach diesem Alternativplan würde sich an der Summe der Rettungsaktion nichts ändern, auch wenn die direkte Beteiligung geringer wäre.Die Airline wehrt sich generell gegen einen zu großen staatlichen Einfluss auf das Unternehmen, den ein oder gar zwei Aufsichtsratsmitglieder ausüben könnten. Andererseits wird eine zu große Ausweitung der Verschuldung ebenfalls als Problem angesehen, weil dies die Handlungsfähigkeit des Konzerns ebenfalls gefährden könnte. Der Gesamtkapitalbedarf hängt von der Dauer der Krise ab, die die Lufthansa noch nicht einschätzen kann. Allerdings ist der Stillstand äußerst teuer. Trotz massiver Kurzarbeit laufen viele Fixkosten weiter, so dass das Unternehmen im Monat rund 800 Mill. Euro Barreserven verliert. Im April hatte der Dax-Konzern für 2020 einen ersten operativen Quartalsverlust von 1,2 Mrd. Euro gemeldet und für die laufenden Monate noch höhere Summen angekündigt. Stoppsignal für HedgefondsBundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat eine Rettung der Lufthansa im Grundsatz als zwingend herausgestellt. Die Airline gehöre zum “Tafelsilber”, man werde sie nicht untergehen lassen. Mit einer Direktbeteiligung dürfte es für den Bund nicht primär um Einfluss auf die operative Unternehmensführung gehen. In diesem Punkt hält sich Berlin auch bei der Telekom, wo die Beteiligung bei 31,9 % liegt, weitgehend zurück. Eine staatliche Sperrminorität dient allerdings auch als Sicherheit gegen unliebsamen Zugriff anderer Aktionäre. Die Bundesregierung hatte in diesem Zusammenhang schon zu Beginn der Krise an die Adresse von Hedgefonds und an deren Aktivisten die Warnung gerichtet, dass man Schlüsselunternehmen der deutschen Wirtschaft vor Attacken schützen werde, falls nötig.