IM GESPRÄCH: THOMAS WOLF

RIB Software hält an Strategieziel fest

Vorstandschef äußert sich zu Partner Microsoft und geplanten Beteiligungen

RIB Software hält an Strategieziel fest

igo Stuttgart – Der Vorstandschef des Bausoftwareherstellers RIB Software, Thomas Wolf, hält trotz der Skepsis am Markt an seinen strategischen Zielen über Partnerschaften mit den US-Konzernen Flex und Microsoft fest. Die TecDax-Aktie geriet in den vergangenen Wochen unter Druck – seit Mitte März sank der Kurs von gut 35 Euro auf rund 20 Euro. Neben einer Kapitalerhöhung inmitten des Facebook-Datenskandals, bei der RIB 135 Mill. Euro eingesammelt hatte, waren dafür auch die hohen Erwartungen von Investoren verantwortlich, die Wolf durch die Ankündigung einer Partnerschaft mit dem IT-Konzern Microsoft geschürt hatte (vgl. BZ vom 30. März und 5. April). Im Gespräch mit der Börsen-Zeitung bestätigte Wolf die Planung, über die mit Microsoft betriebene Cloud-Plattform Mtwo Umsätze von bis zu 4 Mrd. Dollar erzielen zu wollen. Auf der Plattform soll Bausoftware von RIB sowie Office-Software von Microsoft angeboten werden. An diesem Freitag werde sich erstmals auch Microsoft dazu äußern.Hinter dem Umsatzziel steckt die Kalkulation, bis 2022 bis zu 2 Millionen Nutzer auf der Plattform zu haben, die für ein Softwarepaket rund 2 000 Dollar im Monat bezahlen. Sie sollen auch über die Software- und Logistikplattform Ytwo akquiriert werden, die RIB mit dem US-Auftragsfertiger Flex anbietet (vgl. BZ vom 3.1.2017). “Ich denke, unsere Aktionäre wären schon sehr zufrieden, wenn wir nur die Hälfte der Cloud User erreichen würden”, so Wolf, der selbst knapp 17 % an RIB hält. Durch die Kapitalerhöhung sei “das Finanzierungsthema für die Initiativen Mtwo und Ytwo bis 2022 abgehakt”, fügte er hinzu. Um die Kundenzahl zu erreichen, will RIB in diesem Zeitraum zudem in ein Partnernetzwerk von Managed-Service-Anbietern (MSP) investieren, die dem Plattformkunden anschließend auch unterstützende Dienstleistungen anbieten. Für diese Beteiligungen will Wolf die Erlöse aus der Kapitalerhöhung nutzen. Eine Kooperation mit MSP “ginge auch über Partnerschaften, aber wir glauben, dass eine Beteiligung sinnvoller ist, um als eine Art Ankerinvestor noch besser sicherzustellen, dass die Provider in den für uns relevanten Regionen und Zielgruppen Marktanteile gewinnen”, so Wolf. Im Zuge der Kapitalerhöhung hatten Analysten das Ziel von RIB, stets 100 Mill. Euro in der Kasse zu halten, angesichts zweier vorheriger Kapitalerhöhungen über jeweils knapp 50 Mill. Euro und im Vergleich dazu geringer Investitionen kritisiert. “Wir haben mit Flex und Microsoft große Partner, die uns helfen, in den Markt zu kommen, und natürlich erwarten, dass wir auch im Falle einer wirtschaftlichen Krise stabil sind”, sagte Wolf dazu. Mit einem Sockel von 100 Mill. Euro sehe er RIB als krisenfest an. Daneben verfüge RIB über 35 Mill. Euro “für Technologieinvestitionen”. Diese Mittel könnten jedoch mittelfristig nicht ausreichen, etwa wenn sich eine größere Übernahmemöglichkeit biete. Das sei auch der Grund, warum sich RIB bei der Hauptversammlung am 15. Mai grünes Licht für eine weitere Erhöhung des Kapitals um bis zu 13,7 Mill. Euro geben lassen will. Bei einem klaren Übernahmeziel sei es zwar einfacher, den Investoren zu erklären, wofür das Geld verwendet werden soll. “Wir können aber nur für gute Unternehmen bieten, wenn wir die nötige Liquidität dazu haben. Wir müssen bei der Hauptversammlung daher auf das Vertrauen der Aktionäre setzen, dass wir das Geld richtig einsetzen”, sagte Wolf. Mit Blick auf das Joint Venture Ytwo mit dem US-Konzern Flex hält Wolf an seinen Kundenzielen fest. “Wir haben 2016 die Ziele formuliert, im Jahr 2017 vier Kunden zu akquirieren und 2018 acht. Dieses Ziel besteht weiterhin und wir werden es erreichen”, so Wolf. Er persönlich glaube, dass es bis Ende 2018 bis zu 20 Kunden werden könnten. Derzeit arbeiteten fünf Kunden auf der Plattform. Wie mit Flex geplant, sei in den vergangenen beiden Jahren die vereinbarte Zahl von Lizenzen der RIB-Bausoftware an Ytwo geliefert worden. Entsprechend flössen RIB im laufenden Jahr nur Wartungs- und Beratungsumsätze zu. Für die Wartung seien dies 4,5 Mill. Dollar. Wolf geht davon aus, dass sich diese Zahlung durch ein höheres Transaktionsvolumen auf der Plattform in den kommenden 36 Monaten auf bis zu 10 Mill. Dollar erhöht. 2017 erlöste RIB 108 Mill. Euro nach zuvor 98 Mill. Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) erhöhte sich von 23 Mill. auf 29 Mill. Euro.