BMW

Risikofaktor Diesel

Ungeachtet der Dieselkrise ist der Selbstzünder weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Strategie von BMW. Zwar ging der Anteil von Fahrzeugen mit diesem Motor am Konzernabsatz im ersten Halbjahr um 5 Punkte auf 69 % zurück, von einem Einbruch in...

Risikofaktor Diesel

Ungeachtet der Dieselkrise ist der Selbstzünder weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Strategie von BMW. Zwar ging der Anteil von Fahrzeugen mit diesem Motor am Konzernabsatz im ersten Halbjahr um 5 Punkte auf 69 % zurück, von einem Einbruch in den Verkaufszahlen kann aber bislang noch keine Rede sein. Daher wundert es nicht, wenn Vorstandschef Harald Krüger eine radikale Umkehr scheut.Der Münchner Autohersteller geht vorsichtig vor bei der Umstellung auf das Elektrozeitalter, wenngleich der CEO auf die Vorreiterrolle seines Unternehmens bei dieser emissionsfreien Antriebsform gegenüber Daimler und Volkswagen pocht. BMW fährt lieber mehrgleisig mit Ottomotor (Benziner), Diesel, reinem Elektroantrieb und Plug-in-Hybrid (Kombination von Benziner und E-Motor), als den deutschen Tesla aus der bayerischen Landeshauptstadt zu geben oder Volvo nachzuäffen.Wenngleich BMW eine viel bessere Figur macht bei den Themen Dieselabgaswerte und Kartellvorwürfe als die Wettbewerber aus Stuttgart und Wolfsburg, können sich die Münchner den Folgen der Hysterie um den wegen seiner Stickoxidemission in Verruf geratenen Selbstzünder nicht entziehen. Trotz des Diesel-Gipfels werden die Verbraucher verunsichert bleiben, da nach wie vor Fahrverbote drohen. Insofern ist die Gefahr für die Branche groß, dass der Markt für Dieselfahrzeuge zusammenbricht. Das träfe BMW empfindlicher als die Konkurrenz, ist der Konzern doch noch stärker vom Diesel abhängig als Daimler und VW. Dann stieße die von Krüger gepriesene Flexibilität der Produktion an ihre Grenzen, wenn der Run auf die im Vergleich zu Plug-in-Hybriden preiswerteren und platzsparenden Benziner losgeht, die in puncto Reichweite überzeugender sind als reine E-Autos. Neben der Frage des Designs und der Ladeinfrastruktur ist das der entscheidende Grund dafür, dass in Deutschland trotz staatlich geförderter Kaufprämien der Durchbruch der E-Mobilität auf sich warten lässt.Für BMW wäre es verheerend, wenn die Dieselnachfrage wegbricht. Mit mehr Benzinern in der Flotte ist es für die Münchner kaum möglich, die strengere EU-Norm für den CO2-Ausstoß einzuhalten. Hohe Geldbußen drohen. Zugleich gingen die Restwerte für Diesel-Pkw in den Keller, obgleich Finanzvorstand Nicolas Peter betont, dieses Thema im Griff zu haben. Angesichts der Gefahren entwickelt sich der Diesel für BMW immer mehr zu einem strategischen und bilanziellen Risikofaktor. Krüger müsste aber nicht Volvo-Chef Håkan Samuelsson nacheifern, um die Kurve zu bekommen.