RTL registriert erste Werbestornierungen

Streaminggeschäft soll 2025 profitabel werden

RTL registriert erste Werbestornierungen

ab Köln – Wie dynamisch die Entwicklung der Coronakrise verläuft, zeigt sich auch im TV-Werbegeschäft. Konnte ProSiebenSat.1 vor einer Woche noch keinerlei Auswirkungen ausmachen, muss RTL eine Woche später schon von “ersten Stornierungen für Werbebuchungen und Auswirkungen auf Produktionen” berichten. Inwieweit sich das auf die Prognose der mehrheitlich zu Bertelsmann gehörenden Sendergruppe auswirkt, lässt sich nach Einschätzung von Bertelsmann- und RTL-Chef Thomas Rabe derzeit noch nicht abschätzen. Umgekehrt gilt auch, dass die TV-Zuschauerzahlen in den letzten Tagen massiv gestiegen sind, insbesondere, was Nachrichten anbelangt. Wie sich das auf die Werbewirtschaft auswirke, lasse sich aber auch nicht abschätzen. Ergebnisrückgang erwartetEntsprechend ist in der Prognose der Ausbruch des Coronavirus nicht berücksichtigt. Erwartet wird ein Umsatzplus von 2 bis 3 %. Zugleich wird im operativen Ergebnis – als Steuerungsgröße verwendet RTL das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisation (Ebita) – ein Rückgang um 7 % veranschlagt. Ursächlich dafür sind Anlaufverluste im Streaminggeschäft, das RTL in den nächsten Jahren massiv ausbauen will. Nach Anlaufverlusten von 25 Mill. Euro wird im neuen Turnus mit Verlusten von 90 Mill. Euro kalkuliert.Ende 2019 zählte die RTL Group 1,44 Millionen zahlende Abonnenten in ihren Streamingdiensten TV Now in Deutschland und Videoland in den Niederlanden. Hier will RTL Gas geben und jährlich 350 Mill. Euro investieren, vier Mal so viel wie 2019. Bis 2025 soll die Zahl der zahlenden Abonnenten in beiden Diensten auf 5 bis 7 Millionen und damit der Umsatz aus Streamingdiensten auf 500 Mill. Euro erhöht werden. Dann soll auch die Gewinnschwelle erreicht sein.Im abgelaufenen Turnus erhöhten sich die Streamingumsätze um 46,7 % auf 135 Mill. Euro. Dass RTL ebenso wie der Rivale ProSieben mit ihren Angeboten zu spät kommen – Netflix und Amazon Prime haben ihre Streamingdienste schon längst am Start, zudem schicken sich Apple und Disney gerade an, den deutschen Markt zu erobern -, glaubt Rabe nicht. Es gebe eine große Nachfrage nach lokalen Inhalten, ist der RTL-Chef überzeugt.Erst am Vortag hatte die Telekom eine exklusive Partnerschaft mit Disney angekündigt, um deren Streamingdienst Disney+ hierzulande groß zu machen. Im November war Disney+ in den USA, Kanada und den Niederlanden gestartet und brachte es bis zum Jahresende auf 26,5 Millionen Abonnenten.Während die Digitalgeschäfte zusammen mit den steigenden Erlösen der Produktionsgesellschaft Fremantle 2019 den Umsatzrückgang aus der klassischen TV-Werbung überkompensierten, musste die RTL Group im operativen Ergebnis Federn lassen. Bei Erlösen von 6,65 Mrd. Euro (+2,2 %) bröckelte das bereinigte Ebita um 1,3 % auf 1,16 Mrd. Euro ab. Das Nettoergebnis stieg derweil um 10 % auf 864 Mill. Euro. Dazu trugen vornehmlich der Verkauf der Universum Film sowie niedrigere Wertberichtigungen bei. Den Aktionären winkt mit 4 Euro eine stabile Dividende. Ausgeschüttet werden 81 % des Gewinns. – Wertberichtigt Seite 6