RWE "unterbewertet und missverstanden"
RWE "unterbewertet und missverstanden"
cru Düsseldorf – RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hat einen weiteren Unterstützer gefunden. Die Analysten von Macquarie halten den Energiekonzern für “noch immer unterbewertet” und verkannt, wie eine aktuelle Studie der australischen Investmentbank urteilt. Der Kurs der RWE-Aktie werde weiter steigen, weil der Börsenwert der RWE-Stromverteilnetztochter Innogy gestiegen sei und der Großhandelspreis für an der Börse gehandelten Strom im Jahr 2018 auf 30 Euro je Megawattstunde zunehmen werde.Während der Dax im laufenden Jahr bisher um 7 % kletterte, legte die RWE-Aktie bereits mehr als 80 % zu. Obwohl Macquarie-Analyst Peter Crampton RWE für ein derzeit noch immer “falsch verstandenes” Unternehmen hält, geht er davon aus, dass die Unternehmensstrategie wieder zunehmend in den Vordergrund rücken wird. Das gelte vor allem für den RWE-Anteil von 77 % an Innogy, der einen Marktwert von allein rund 16 Mrd. Euro hat – während die Marktkapitalisierung von RWE unterhalb von 12 Mrd. Euro liegt. Laut Analyst Crampton plant RWE, ein kleineres Paket der Innogy-Aktien mit einem Aufschlag auf den Kurs zu platzieren.Das werde voraussichtlich sowohl den Kurs von RWE als auch den Kurs von Innogy positiv beeinflussen. Eine Option sei es, ein solches kleineres Innogy-Paket an einen spezialisierten Infrastrukturinvestor zu verkaufen. Dabei könne RWE von dem Druck profitieren, unter dem viele Infrastrukturfonds stehen, weil sie nach Investmentgelegenheiten für die hohen Milliardensummen suchen, die sie bei Investoren eingesammelt haben. Ein solcher Deal könnte einen höheren wahren Wert von Innogy zeigen und den im RWE-Kurs abgebildeten Abschlag auf den RWE-Anteil an Innogy verringern. Drei aktuelle KurstreiberRWE könnte in naher Zukunft von drei Auslösern für einen Wertzuwachs profitieren. Neben dem Innogy-Deal, der für das Jahresende erwartet wird, sei dies auch die Bundestagswahl am 24. September. Obwohl das wahrscheinlichste Ergebnis eine große Koalition von CDU/CSU und SPD mit einem Stimmenanteil von 60 % sei, gebe es auch die Möglichkeit einer wirtschaftsfreundlicheren Koalition aus CDU/CSU und FDP. Außerdem habe der RWE-Kurs jeweils am Tag der Bilanzvorlage für das erste und zweite Quartal kräftig zugelegt und werde dies voraussichtlich auch zur Bilanz für das dritte Quartal, die am 14. November vorgelegt wird, wieder tun.RWE sei im Vergleich zu den anderen europäischen Energiekonzernen unterbewertet. Das Unternehmen werde mit dem 10,2-Fachen des geschätzten Gewinns im Jahr 2019 gehandelt. Das entspreche einem Abschlag von 28 % gegenüber den vergleichbaren Konkurrenten. Der aktuelle Kurs impliziere einen Unternehmenswert von RWE ohne Innogy, der nur beim 2,1-Fachen des geschätzten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Jahr 2018 liege. Für den geschätzten operativen Gewinn im Jahr 2020 sei es sogar nur das 0,8-Fache. Das sei übermäßig wenig.Macquarie schätzt den fairen Marktwert für RWE auf 14 Mrd. Euro – anstatt der Marktkapitalisierung von 12 Mrd. Euro. Der Löwenanteil des Vermögens von RWE bestehe neben dem Innogy-Anteil aus dem Portfolio konventioneller Kraftwerke. RWE ist Europas drittgrößter Stromerzeuger. Auf Basis der abdiskontierten zukünftigen Cash-flows der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke bis zu ihrem Laufzeitende kommt die Investmentbank auf einen Unternehmenswert des Kraftwerksportfolios von knapp 5 Mrd. Euro.