Ryanair reicht Kartellbeschwerden ein
Ryanair reicht Kartellbeschwerden ein
hei Frankfurt – Der irische Billigflieger Ryanair geht gegen die Staatshilfen für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin vor und legt Beschwerde bei den Kartellbehörden ein. Der Insolvenzantrag sei mit dem Ziel “arrangiert” worden, dass die Deutsche Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen könne, erklärte Ryanair am gestern Abend. Dies verstoße gegen deutsche und EU-Wettbewerbsregeln. Reisende müssten künftig höhere Preise für Tickets zahlen, warnte Ryanair. Deshalb würden Bundeskartellamt und EU-Kommission aufgefordert, umgehend Schritte zu unternehmen.Es besteht kein Zweifel, dass Ryanair selbst ebenso wie der britische Wettbewerber Easyjet gerne bei einem Verkauf von Air Berlin zum Zuge kommen würde, um Netz und Kapazitäten im lukrativen deutschen Luftverkehrsmarkt auszudehnen. Auch aus diesem Grund treibt die Flughafenbetreiber hierzulande das Schicksal des Kunden Air Berlin um.Größte Vertragspartner sind die Flughäfen Berlin und Düsseldorf, die beide “Unterstützung” für die ins Trudeln geratene Airline signalisierten. Am Air-Berlin-Drehkreuz Düsseldorf entfallen 30 % des Geschäfts auf die Airline. Sie beförderte hier 2016 rund 7,5 Millionen Passagiere, mehr als Lufthansa und die Eurowings Gruppe zusammen. Gemeinsam mit der Air Berlin konzentriere man sich weiterhin darauf, “das Fluggeschäft an unserem Standort auch in Zukunft erfolgreich zu gestalten”, so ein Sprecher aus Düsseldorf.Auch die Berliner Flughäfen bezeichneten den Carrier als “sehr wichtigen Partner für den Flughafenstandort Berlin”. Man habe großes Interesse, dass zügig eine langfristige Lösung gefunden werde.Das Wachstum an den Flughäfen hängt indes insgesamt stärker von internationalen Fluggesellschaften, allen voran Ryanair ab, die 2016 ihren Marktanteil erneut ausweiteten. Den dabei zu beobachtenden Erfolg der Billigflieger sehen die Flughäfen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So hatte sich auch Fraport entschlossen, Ryanair nach Frankfurt zu locken, um das eigene Wachstum anzukurbeln. Allerdings haben sich die Iren, die die Preisführerschaft im europäischen Passagierverkehr verteidigen, auf allen Flughäfen stets sehr günstige Konditionen gesichert. Das bedeutet für die Airports Umsatzeinbußen, die sie mit erhöhter Frequenz oft nicht ganz einfach wettmachen können.