SAP kauft Callidus für 2,4 Mrd. Dollar

Cloud-Softwareanbieter soll Portfolio ergänzen - CEO McDermott setzt auf Rundum-Angebote

SAP kauft Callidus für 2,4 Mrd. Dollar

SAP hat erstmals binnen drei Jahren wieder einen Milliardenzukauf getätigt. Für 2,4 Mrd. Dollar übernehmen die Walldorfer den Cloud-Spezialisten Callidus Software, wie das Softwarehaus bei der Vorlage vorläufiger Jahreszahlen mitteilte. Gartner zählt Callidus zu den führenden Anbietern von Software zur Steuerung von Vertriebsleistung und der finalen Stufe des Vertriebsprozesses (Lead to Cash) – zwei Bereiche, in denen SAP bislang nicht zu den Top-Anbietern zählte.scd Walldorf – SAP hat im vierten Quartal wieder kräftigeres Wachstum im wichtigen Cloud-Geschäft erzielt und zudem die erste Milliardenübernahme seit drei Jahren verkündet. Europas größter Softwarekonzern zahlt 2,4 Mrd. Dollar für die kalifornische Callidus Software, die sich auf cloudbasierte Software zum Management der Vertriebsleistung (Sales Performance Management) und zur konfigurierbaren Preisquotierung (CPQ) spezialisiert hat. Mit beiden Bereichen könne SAP gleich zwei weiße Flecken auf der eigenen Landkarte füllen, sagte Finanzvorstand Luka Mucic der Börsen-Zeitung am Rande der Zahlenvorlage.CEO Bill McDermott ist überzeugt, dass SAP damit dem Ziel, den Kunden mit allen seinen Softwarebedürfnissen rundum zu versorgen, einen guten Schritt näher kommt. Solche End-to-End-Lösungen müsse man in Zukunft anbieten. Wenn es eines gebe, das Firmenchefs nicht wollten, dann sei es, mit “noch mehr IT-Unternehmen” zu tun zu haben. Callidus sei besonders interessant, weil das Unternehmen den Kunden helfe, die Vertriebseffizienz zu steigern. SAP setze die Software selbst ein und wisse daher aus erster Hand um die Vorzüge der Software. Mit 36 Dollar je Aktie bietet SAP einen Aufschlag von 28 % im Vergleich zum volumengewichteten Durchschnittskurs je Callidus-Aktie in den vergangenen drei Monaten. Der Vorstand des Unternehmens hat der Offerte, die Callidus etwa mit dem zwölffachen Umsatz des vergangenen Jahres bewertet, bereits zugestimmt. Mit dem grünen Licht durch die zuständigen Wettbewerbshüter rechnet SAP recht zügig, so dass ein Abschluss der Transaktion spätestens im dritten Quartal gelingen soll. Geschäftsmodell exportierenDie in den vergangenen Quartalen gesunkene Marge im Cloud-Geschäft (siehe Grafik) dürfte durch die Übernahme kaum leiden. Zum einen kommt das kalifornische Unternehmen im abgelaufenen Turnus voraussichtlich auf weniger als 5 % der SAP-Cloud-Erlöse. Zum anderen ist die Gesellschaft, die ähnlich wie SAPs Cloud-Sparte jährlich derzeit um rund 30 % zulegt, zumindest auf bereinigter Basis bereits profitabel. Der Umsatz dürfte – bei vergleichbarem Wachstumstempo wie zuletzt – 2018 bis zu eine Viertelmilliarde Dollar erreichen und SAPs Cloud-Geschäft je nach Zeitpunkt des Abschlusses der Übernahme entsprechend treiben.Konzernchef McDermott setzt allerdings darauf, dass das Geschäftsmodell des bislang vor allem in den USA tätigen Unternehmens in zahlreiche andere Märkte exportiert werden kann. Der für die Cloud zuständige Vorstand Robert Enslin habe in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er dies beherrsche. McDermott und Mucic erklärten am Dienstag dennoch unisono, dass die Übernahme nicht eine neue Phase mit größerem Akquisitionshunger für SAP einläute. Der schwerste Konzern im Dax werde weiterhin vorwiegend organisch wachsen.Bei diesem Vorhaben ist SAP im vierten Quartal in der Cloud vorangekommen. Zwar kletterte der Cloud-Umsatz nur um etwas mehr als ein Fünftel auf eine knappe Milliarde Euro. Das war nach vorläufigen IFRS-Zahlen noch etwas weniger Wachstum als im leicht enttäuschenden dritten Quartal. Allerdings beeinflusste die Abwertung des Dollar die Erlösentwicklung negativ. Währungsbereinigt zog der Umsatz mit Cloud-Subskriptionen um 28 % an und damit so stark wie zuletzt in der Auftaktperiode des abgelaufenen Jahres.Konzernweit steigerte SAP den Umsatz im Schlussvierteljahr um 1 % auf 6,8 Mrd. Euro. Um Wechselkurseffekte bereinigt betrug das Plus rund 6 %. Das Wachstum in der Cloud-Sparte war zwar weniger, als Vorstandschef McDermott nach dem dritten Quartal in Aussicht gestellt hatte. Doch hatten Analysten zuletzt mit noch deutlich weniger gerechnet (vgl. BZ vom 26. Januar). Derweil enttäuschte der in den vergangenen Quartalen oft positiv aufgefallene Softwarelizenzverkauf, der selbst währungsbereinigt (Non-IFRS) um 1 % schrumpfte. Ziele getroffenIm Gesamtjahr traf SAP die selbst gesteckten Ziele für Umsatz und operativen Gewinn. Das Betriebsergebnis legte um Sondereffekte bereinigt um 4 % auf 6,9 Mrd. Euro zu. Für den laufenden Turnus werden 7,3 Mrd. bis 7,5 Mrd. Euro prognostiziert, wobei die Umstellung auf IFRS 15 einen positiven Effekt von 0,2 Mrd. Euro bringen soll. Der Konzerngewinn kletterte derweil überdurchschnittlich um 12 % auf 4,1 Mrd. Euro. Ein wesentlicher Faktor war das positive Finanzergebnis, das rund 200 Mill. Dollar höher als 2016 ausfiel. Auch der Ertragsteueraufwand reduzierte sich aufgrund der US-Steuerreform. Gesteigert wurde der operative Cash-flow, der um fast ein Zehntel auf 5 Mrd. Euro kletterte.McDermott, der sich während des Weltwirtschaftsforums in Davos neben US-Präsident Donald Trump auch mit anderen Staatschefs ausgetauscht hatte, geht davon aus, dass die US-Steuerreform Nachahmer in anderen Teilen der Welt finden wird. Er sei in der einzigartigen Position, sowohl in Europa als auch den USA mit Wirtschaftsführern an einem Tisch zu sitzen. Die Stimmung sei derzeit besser denn je.Die SAP-Aktie legte zunächst leicht zu, drehte im Handelsverlauf aber ins Minus und schloss mit 90,28 Euro; ein Minus von 2,2 %. Damit war das Papier der drittschwächste Wert im Dax.