SAP prüft Bestechungsvorwürfe
SAP prüft Bestechungsvorwürfe
Der Softwarekonzern SAP hat wegen Bestechungsvorwürfen in Südafrika das dortige Managementteam für die Dauer einer frisch eingeleiteten internen Untersuchung beurlaubt. SAP-Vorstand Adaire Fox-Martin, die seit Mai Europa, Nahost und Afrika sowie den Großraum China verantwortet, kündigte Donnerstagmittag an, noch am Abend nach Südafrika zu fliegen.scd Frankfurt – SAP hat aufgrund von Korruptionsvorwürfen eines Recherchenetzwerks in Südafrika eine eingehende Untersuchung in der dortigen Landesgesellschaft eingeleitet. Der Walldorfer Softwarekonzern teilte am Donnerstag mit, dass eine internationale Anwaltskanzlei mit einer unabhängigen Überprüfung der von SAP South Africa vergebenen Aufträge betraut worden sei. Die Leitung der Untersuchung hat Vorstandsmitglied Adaire Fox-Martin, die seit gut drei Monaten die Regionen EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) sowie Greater China verantwortet (vgl. BZ vom 14. April).Neben der unabhängigen Untersuchung der zunächst noch nicht genannten Anwaltskanzlei hat SAP im Rahmen ihrer Compliance auch eine interne Prüfung gestartet und dafür eine Mitarbeiterdelegation nach Woodmead im Norden von Johannesburg geschickt. “Unser forensisches Team ist bereits in Südafrika an der Arbeit”, sagte Fox-Martin in einer am Donnerstagmittag eilig einberufenen Telefonkonferenz. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen veröffentlicht werden, sobald diese vorliegen, erklärte sie. Dies dürfte nach Schätzungen von SAP allerdings noch einige Wochen dauern. Bei der Zahlenvorlage zum zweiten Quartal am kommenden Donnerstag (siehe Bericht Seite 2) ist daher eher noch nicht mit einem Zwischenbericht des Vorstands zu rechnen. “Null-Toleranz-Politik”Für die Dauer der Untersuchung werden zudem vier leitende Angestellte von SAP South Africa beurlaubt, deren Geschäfte andere “erfahrene Führungskräfte” übernehmen sollen, teilte der Dax-Konzern mit. “Wir nehmen diese Vorwürfe sehr ernst”, versicherte Fox-Martin. “Ich spreche hier für den gesamten Vorstand, wenn ich sage, es ist uns wichtig, der Sache auf den Grund zu gehen.” In der Softwareindustrie gebe es lange Wertschöpfungsketten mit Partnern und im Vertrieb, so dass Vorfälle wie der nun berichtete zwar leider nicht ungewöhnlich seien, erklärte sie. Allerdings habe SAP hier eine strikte “Null-Toleranz-Politik”.Für den größten Softwarekonzern Europas geht es in dem Fall um viel. Zwar ist der südafrikanische Markt für das globale Softwaregeschäft mäßig bedeutend. SAP weist auch keine Erlöse einzelner Landesgesellschaften aus. Allerdings gelten die Walldorfer im Bereich Enterprise Software seit mehr als einem Jahrzehnt als klarer Marktführer in Südafrika. Zudem droht der Fall die Aufmerksamkeit der strengen US-Korruptionsbekämpfer auf sich zu ziehen. Letztere und deren teils drakonischen Strafen sind auch ein gewichtiger Grund gewesen, weshalb SAP derart kompromisslos durchgreift, wie Fox-Martin am Donnerstag einräumte. Neben dem möglichen Imageschaden für das Unternehmen droht auch ein Imageschaden für einige Softwareprodukte des Konzerns, die mit der schnelleren Aufdeckung verdächtiger Transaktionen beworben werden.Die südafrikanische Journalistengruppe “amaBhungane Centre for Investigative Journalism” wirft SAP basierend auf ihr vorliegenden Dokumenten vor, der Firma CAD House, an der auch der Duduzane Zuma, Sohn von Präsident Jacob Zuma, beteiligt sei, mehrere Mill. Euro Kommission gezahlt zu haben. Als Gegenleistung sei SAP bei Auftragsvergaben landeseigener Eisenbahn- und Hafengesellschaften zum Zuge gekommen. Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte bestätigt, dass ihr Dokumente vorgelegt worden seien, die eine Vereinbarung zwischen SAP und CAD House vom August 2015 belegen sollen. Insgesamt seien 100 Mill. Rand – umgerechnet knapp 6,6 Mill. Euro – geflossen. SAP kommentierte nicht, wann der Vorstand von den Vorwürfen erfahren hat. Das sei Teil der Untersuchung, sagte Fox-Martin.