SAP stellt Fehlverhalten in Südafrika fest
SAP stellt Fehlverhalten in Südafrika fest
scd Frankfurt – Der Softwarekonzern SAP hat nach dem Abschluss interner Untersuchungen “Fehlverhalten” der südafrikanischen Tochter eingeräumt. Die Ermittlungen hätten Zahlungen an Unternehmen im Umfeld der mächtigen Gupta-Familie aufgedeckt, die eng mit dem im Februar zurückgetretenen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma verbunden ist. Zuma, der erst auf massiven Druck aus der eigenen Partei sein Amt räumte, sieht sich seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Schon 2014 hatte die Korruptionsbeauftragte der Regierung in einem 400 Seiten umfassenden Bericht schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben. Mit im Zentrum der Korruptionsvorwürfe stand oft auch die Familie Gupta. Verträge über 53 Mill. DollarSAP räumte ein, dass Fehlverhalten und Unregelmäßigkeiten bei der Einhaltung von Compliance-Prozessen aufgedeckt worden seien. Es hätten sich aber keine Beweise für erfolgte oder nur versuchte Zahlungen an Regierungsbeamte oder Mitarbeiter südafrikanischer Staatsunternehmen gefunden; Mitarbeiter von Transnet und Eskom – zwei Firmen, die bei den fragwürdigen Transaktionen als Geschäftspartner in Erscheinung traten – eingeschlossen. Insgesamt seien sechs auffällige Verträge im Gesamtvolumen von knapp 53 Mill. Dollar aus den Jahren 2014 bis 2017 ermittelt worden. Dabei habe SAP Kommissionen in Summe von über 7 Mill. Dollar gezahlt. Die Höhe der Kommissionen lag dabei zwischen 10 % und 14,9 %, so dass keine Transaktion die 15 %-Schwelle überschritt, die eine Vorlage beim Vorstand zur Genehmigung nach sich gezogen hätte.Als Ergebnis der Untersuchung habe das Executive Board von SAP signifikante Veränderungen der Compliance-Prozesse beschlossen. Ab sofort sollen in Ländern, die laut Transparency International einen Korruptions-Indexwert von weniger als 50 haben, keine Vertriebskommissionen für öffentliche Aufträge mehr gezahlt werden. Das schließe Südafrika ein, das aktuell bei 45 stehe. Zudem solle die Due Diligence für Beziehungen zu Vertriebsagenten verschärft und die südafrikanische Tochter zusätzliche Compliance-Mitarbeiter mit Sitz vor Ort bekommen. Darüber hinaus werde der Compliance-Ausschuss für den gesamten Kontinent Afrika “verstärkt”.Die drei im vergangenen Jahr suspendierten leitenden Angestellten hätten das Unternehmen ohne Abfindung mittlerweile verlassen. Mit den ermittelnden Behörden arbeite SAP weiter zusammen. Der Softwarekonzern deutete an, dass sich daraus durchaus noch neue Erkenntnisse ergeben könnten. Komplexe Untersuchungen stießen in einem Privatunternehmen früher oder später an Grenzen, “weil die rechtlichen Befugnisse von Behörden fehlen”.