Scherbenhaufen in Landskrona
Scherbenhaufen in Landskrona
Von Stefan Kroneck, MünchenDie südschwedische Kleinstadt Landskrona ist mit ihrem Hafen für das nordische EU-Land ein Tor zur übrigen Welt. Von hier aus exportieren viele Unternehmen ihre Produkte – darunter der Autozulieferer Haldex, der in dem 30 000-Einwohner-Nest seinen Hauptsitz hat. Landskrona wird aber immer mehr zu einem Symbol für einen deutsch-schwedischen Schlagabtausch zwischen zwei stolzen Firmen. Der größere Wettbewerber Knorr-Bremse will Haldex übernehmen, stößt aber auf hartnäckigen Widerstand.Ausgerechnet die Führung der börsennotierten Gesellschaft sorgte zuletzt für Aufsehen, als sie sich weigerte, das Übernahmeangebot des Münchner Konzerns weiter zu unterstützen. Begründung: Aufgrund der zu erwartenden hohen Auflagen der zuständigen Wettbewerbsbehörden habe der Zusammenschluss unter deutscher Regie keinen Sinn mehr (vgl. BZ vom 1. Juli). Zerrüttetes VerhältnisIn der Zentrale von Knorr-Bremse war man selbstverständlich “not amused” über diese Nachricht, die die Schweden per Pressemeldung verbreiteten. Die Bayern ließen sich sage und schreibe eine Woche Zeit für eine Antwort – ebenfalls via Pressemitteilung. Das Schreiben hat es in sich. Es belegt, dass die Beziehung beider Unternehmen ziemlich zerrüttet ist. Darin heißt es, dass das “Vorgehen des Haldex Board eigennützig und ein verantwortungsloser Schritt” gewesen sei mit dem Ziel, den “Kartellfreigabeprozess zu behindern.” Und es kommt noch dicker: “Darüber hinaus stellt es einen offensichtlichen Versuch dar, den Entscheidungen der Behörden vorzugreifen, Unsicherheit unter den Aktionären zu schaffen und das Angebot zu untergraben.” Schlussendlich hält Knorr-Bremse nach eigenen Angaben an ihrem Plan fest, auch unter strengen Bedingungen der zuständigen Wettbewerbshüter der EU (Kommission) und in den USA die angestrebte Übernahme durchzuziehen. In diesem Zusammenhang berichtet die deutsche Seite, dass die bisherigen Rückmeldungen des US-Justizministeriums nicht überraschend gewesen seien. Im Gegensatz zu Haldex werde man nicht verfrühte Schlussfolgerungen über den Diskussionsstand öffentlich kommentieren, wie es Haldex getan habe.Die Reaktion zeigt, dass die Bayern bei diesem Thema dünnhäutiger werden, je länger sich die Prüfungen, insbesondere die der Brüsseler Kartellwächter, hinziehen. Kürzlich beantragte Knorr-Bremse bei der schwedischen Börsenaufsicht, die Annahmefrist abermals zu verlängern, da die Freigabeverfahren andauern. Nun soll die Frist bis zum 9. Februar 2018 laufen.Dies liegt wiederum auf Eis, da Knorr-Bremse vorab die Haldex-Aktionäre entscheiden lassen will, wie die Firma aus Landskrona weiter vorgehen soll: Unterstützung oder Ablehnung der Offerte? MachtkampfWas nach außen demokratisch wirkt, ist aber eigentlich ein Angriff auf den Board von Haldex, dem so die Kontrolle über das Thema genommen werden könnte. Bei einem außerordentlichen Aktionärstreffen hat Knorr-Bremse gute Chancen, sich durchzusetzen. Die Münchner halten direkt 14 % an Haldex, weitere 72 % sind von anderen Anteilseignern angedient.Knorr-Bremse ist bekannt dafür, nicht zimperlich zu sein, um ihre Pläne umzusetzen. Das gehört zur “Unternehmenskultur”, die der Eigentümer und Ex-CEO Heinz Hermann Thiele, der heute in seiner Rolle als Aufsichtsratschef immer noch die Fäden zieht, lange Zeit vorgelebt hatte.