Shop Apotheke dreht das Rad zurück

Übernahme der Europa Apotheek für 126 Mill. Euro - Aktientausch - EuGH-Urteil als Triebfeder

Shop Apotheke dreht das Rad zurück

Nach einem für die Branche wichtigen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im letzten Herbst, setzt jetzt die Konsolidierung im Apothekenversand ein. Die niederländische Shop Apotheke verleibt sich in einem reinen Aktiendeal die auf verschreibungspflichtige Arzneien spezialisierte Europa Apotheek ein.ab Düsseldorf – Zwei Jahre nach der Aufspaltung in die auf den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten spezialisierte Europa Apotheek und die auf verschreibungsfreie Medikamente konzentrierte Shop Apotheke folgt die Rolle rückwärts. Die seit knapp einem Jahr börsennotierte Shop Apotheke will den einstigen Mutterkonzern Europe Health Services (EHS) übernehmen, wie am Montag mitgeteilt wurde.Aus dem Zusammenschluss geht Europas größte Versandapotheke hervor mit einem kombinierten Umsatz von 318 Mill. Euro (2016). In Kontinentaleuropa beläuft sich das Marktvolumen für verschreibungspflichtige und verschreibungsfreie Medikamente (inklusive apothekenüblicher Kosmetika) auf 164 Mrd. Euro (siehe Grafik).Den Anteilseignern der EHS – Europa Apotheek und Shop Apotheke haben ihren Sitz im niederländischen Venlo – werden je Anteilsschein 2,724 Aktien der Shop Apotheke geboten, in Summe 2,95 Millionen Aktien. Basierend auf dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate von 42,85 Euro errechne sich ein Kaufpreis von 126 Mill. Euro, wie es heißt. Damit zahlt Shop Apotheke ein Umsatzmultiple von 0,9. Nach einem Ebitda von 0,8 Mill. Euro im Vorjahr schrieb Europa Apotheek im ersten Halbjahr 2017 einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 1,2 Mill. Euro.Die Aktionäre der Shop Apotheke müssen dem Kauf sowie der geplanten Kapitalerhöhung noch zustimmen, wie Finanzchef Ulrich Wandel im Gespräch sagte. Die außerordentliche Hauptversammlung soll am 6. November stattfinden, noch im selben Monat soll die Transaktion vollzogen werden. Citi, die Shop Apotheke zusammen mit Berenberg an die Börse begleitet hatte, steht dem Unternehmen beratend zur Seite. Doc Morris unter DruckAnteilseigner der EHS seien zum Großteil die Gründer der Shop Apotheke, die derzeit noch etwa die Hälfte des Kapitals hielten, sagte Wandel. Größter Anteilseigner mit 28,6 % ist Michael Köhler, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Shop Apotheke ist. Nach der Kapitalerhöhung bringen es die EHS-Anteilseigner auf einen Anteil von knapp einem Viertel. Inklusive der bereits jetzt gehaltenen Anteile dürfte sich der Anteil an der neuen Versandapotheke auf grob 60 % belaufen. Die neuen Aktien unterliegen einem Lock-up von 180 Tagen.An der Börse kamen die Pläne gut an. Shop Apotheke legten am Montag in der Spitze um 5,8 % zu. Die Marktkapitalisierung belief sich zum Handelsende auf437 Mill. Euro. Auf der Verliererseite stand die Schweizer Zur Rose, zu der Doc Morris gehört. Zur Rose – erst seit Juli börsennotiert – gaben um 2,5 % nach. Die Marktkapitalisierung liegt bei umgerechnet 700 Mill. Euro.Triebfeder für den Zusammenschluss ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem vorigen Herbst. Damals kippten die Richter die Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel für Versandapotheken mit Sitz im EU-Ausland. Das Urteil habe den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten beflügelt. Diese Entwicklung nutze Shop Apotheke nun, um mit der Akquisition die Marktführerschaft in Europa auszubauen, sagte Wandel.Die beiden Unternehmen befinden sich am selben Standort und arbeiten schon heute über Serviceverträge zusammen. Dadurch entstünden auch keine Integrationskosten, so Wandel. Attraktiv sei der Zusammenschluss aber nicht nur, weil jetzt der gesamte Apothekenmarkt abgedeckt werde, sondern auch, weil sich die Kundengruppen der Unternehmen ergänzten. Während 51 % der EHS-Kunden 65 Jahre oder älter seien, seien 71 % der Klientel der Shop Apotheke 65 Jahre oder jünger. Entsprechend läuft der Zusammenschluss unter dem Motto “Eine Online-Apotheke für die gesamte Familie”, wie Wandel sagte.Im Zuge der Übernahme erhöht Shop Apotheke die Umsatzprognose für den laufenden Turnus. Demnach wird jetzt ein Zuwachs zwischen 55 und 65 % (zuvor: 45 bis 55 %) erwartet. An der Ergebnisprognose wird dagegen nicht geschraubt. Unverändert wird mit einer Umsatzrendite bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von – 2 bis – 3 % (i.V. – 3,3 %) gerechnet. Transaktionskosten sind dabei nicht berücksichtigt.Das Synergiepotenzial, das bis 2019 gehoben werden soll, taxiert Wandel auf 2 bis 2,5 Mill. Euro p. a. Die geringeren Kosten sollen vor allem aus einem geringeren Marketingaufwand stammen, planen die Unternehmen künftig doch einen gemeinsamen Marktauftritt. Wie die künftige Marke heißen werde, stehe noch nicht fest, so Wandel.