KÖPFE DES JAHRES

Sieger

ge - Zwei junge Männer, ein Sieger und ein Verlierer: Vor diversen Jahren hatten Matt Salzberg und seine Freunde in den USA die gleiche Idee wie Dominik Richter und sein Wohngemeinschaftskumpel Thomas Griesel hierzulande: Statt Tiefkühlpizza und...

Sieger

ge – Zwei junge Männer, ein Sieger und ein Verlierer: Vor diversen Jahren hatten Matt Salzberg und seine Freunde in den USA die gleiche Idee wie Dominik Richter und sein Wohngemeinschaftskumpel Thomas Griesel hierzulande: Statt Tiefkühlpizza und Instant-Nudeln wollten beide für die schnelle Küche Abwechslung bieten und auch gesünderes Essen. Fertig verpackt in Kochboxen werden Lebensmittel und Gewürze geliefert, mit denen der gehetzte Großstädter auf Basis von Omas und selbst kreierten Rezepten ein leckeres und schnell zubereitetes Essen kochen kann.Salzberg nannte sein Unternehmen Blue Apron, während sich der damals 26-jährige Richter den Namen Hellofresh ausdachte, als er 2011 sein Start-up gründete. Sechs Jahre später sind beide Firmen an der Börse. Die Amerikaner kamen im Sommer, die Deutschen im zweiten Anlauf im Spätherbst – begleitet von zahlreichen Unkenrufen. Denn das Blue-Apron-IPO war ein Desaster. Erst mussten die Amerikaner die Preisspanne für ihre Aktien um ein Drittel auf 10 bis 11 Dollar eindampfen, nachdem wenige Tage zuvor der Online-Riese Amazon den Kauf der Bio-Supermarktkette Whole Foods für 13,7 Mrd. Dollar bekannt gegeben hatte. Ausgegeben wurden die Papiere am unteren Rand der Spanne – und sind sechs Monate später sogar nur noch gut 4 Dollar wert. Ein schlechteres Omen für das Hellofresh-IPO war schwerlich vorstellbar – zumal die Berliner fast zwei Drittel ihres Umsatzes auf dem schwierigen US-Markt erlösen. Dort erzielen sie indes rasante Zuwachsraten, während die Expansion in den anderen neun Ländern eher zäh verläuft.Die Frage nach der Blue-Apron-Erfahrung bleibt, ob das Geschäft auf Dauer selbsttragend ist oder ob der Absatz immer mit Hilfe teurer Marketingmaßnahmen gepusht werden muss. Ist das so, wäre Richter nur Kurzzeit-Sieger. Für Ende 2018 hat er – zumindest operativ – eine schwarze Null versprochen.Während Salzberg in der Zwischenzeit gehen musste, surft sein Konkurrent auf einer Erfolgswelle. Nach einem mäßigen Börsenstart schnellte der Kurs, der wochenlang unter der Erstnotiz dümpelte, kurz vor Weihnachten bis auf 12 Euro und die Marktkapitalisierung auf fast 2 Mrd. Euro hoch, nachdem die Emissionsbanken mit positiven Analystenkommentaren und Kurszielen von bis zu 14 Euro die Coverage aufnahmen. Ein schöneres Geschenk hätte sich Richter selbst nicht machen können.Dabei bleibt der smarte Sohn eines Beamten-Ehepaars aus der Nähe von München wie immer cool. Noch im Sommer hatte er die Drängeleien des Mehrheitsaktionärs Rocket Internet für einen Börsengang unbeeindruckt abtropfen lassen: “Ist das so?”, fragte er verschmitzt – und gab damit lässig zu Protokoll, dass die Start-up-Schmiede trotz ihrer (damals) 53 % an Hellofresh bei ihm wenig zu sagen hat.