Siemens führt Flender an die Börse
Siemens führt Flender an die Börse
mic München – Siemens setzt die Serie von Börsennotierungen fort. Die Einheit Flender werde als Spin-off an die Anleger gehen, kündigte der stellvertretende Siemens-Chef und künftige Vorstandsvorsitzende, Roland Busch, bei Vorlage der Halbjahreszahlen an. Es sei noch nicht entschieden, ob sich Siemens vollständig von dem Hersteller von Getrieben und künftig auch Generatoren trenne. Es sei aber wahrscheinlich, dass ein Anteil bei Siemens bleibe, erklärte er im Gespräch mit Analysten. Siemens hatte das 1899 gegründete Unternehmen im Jahr 2005 übernommen. Es ist seit dem Jahr 2017 eigenständig.Siemens plant ein zweistufiges Vorgehen. Zunächst soll die Einheit Wind Energy Generation eingebracht werden, um Flender mittels der Generatoren-Palette als wichtigen Lieferanten für die Windindustrie zu positionieren. Das Unternehmen mit Sitz in Bocholt soll dann mit 8 500 Beschäftigten auf rund 2 Mrd. Euro Umsatz kommen. Angaben zur Profitabilität machte Siemens nicht. Im Februar 2021 sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung über die Abspaltung abstimmen. Ein Termin für die Erstnotierung wurde nicht genannt.An der Abspaltung und dem Börsengang von Siemens Energy halte man fest, betonte Finanzvorstand Ralf Thomas. Unternehmen, die angesichts der Krise am Kapitalmarkt ihre Pläne für Notierungen zurücknehmen mussten, seien in einer anderen Situation gewesen. Sitz noch offenEs sei noch nicht entschieden, wo der Gigant mit einem Auftragsbestand von 81 Mrd. Euro (31. März) angesiedelt werde, sagte Kaeser. Ursprünglich sollte dies schon zu Beginn des Kalenderjahres kommuniziert werden. Kaeser wies auf den Umbau an der Siemens-Energy-Spitze zum 1. April hin. CEO und CFO wechselten (vgl. BZ vom 20. März). Er sagte, als Sitz werde ein schon bestehender Standort gewählt.Mit dem Carve-out Ende März verbucht Siemens die bisherige Sparte Gas & Power und die 67-Prozent-Beteiligung an Siemens Gamesa unter den nicht fortgeführten Geschäften. Thomas kündigte an, dass der Abspaltungsbericht am 26. Mai vorgelegt werde – die Abspaltung steht also noch aus (vgl. BZ vom 17. April). Die Umbuchung in nicht fortgeführte Geschäfte brachte, anders als auf der Jahrespressekonferenz 2019 avisiert, im zweiten Quartal noch keinen Sondergewinn. Die außerordentliche Siemens-Hauptversammlung am 9. Juli muss die Abspaltung noch absegnen. Ein Kapitalmarkttag am 1. September soll die Story erläutern. In jenem Monat ist anschließend die Notierung geplant.Siemens Energy erhält derweil eine leicht veränderte Struktur. Im zweiten Quartal wurden Einheiten, die im Geschäftsjahr 2018/2019 ein Umsatzvolumen von 898 Mill. Euro und einen angepassten operativen Gewinn von 117 Mill. Euro lieferten, vom Segment Gas & Power in das Konzernsegment Portfolio-Unternehmen umgegliedert. Siemens begründete dies mit regulatorischen Beschränkungen und wirtschaftlichen Erwägungen. “Integraler Bestandteil”Das Zahlenwerk enthält keine Informationen über das Abschneiden von Gas & Power im zweiten Quartal. Analysten gab Thomas den Hinweis, sie könnten von einem prozentual zweistelligen Wachstum des Auftragseingangs, einem Umsatzplus in mittlerer einstelliger Höhe und einer Marge am unteren Ende des Zielbandes von 2 % bis 5 % ausgehen.Eine Trennung vom Segment Bahn- und Mobilitätstechnik scheint unter der künftigen Konzernführung vom Tisch zu sein. Busch verschob zwar das strategische Update vom zweiten auf das vierte Quartal. Er erklärte jedoch unmissverständlich: “Siemens Mobility ist integraler Bestandteil der Siemens AG.” Das Portfolio werde selektiv verstärkt. Der Markt ist stark in Bewegung: Alstom will Bombardier übernehmen.Das Bekenntnis zur Bahntechnik begründete Busch mit mehreren Aspekten. Das Wachstum im Markt sei hoch (4 % bis 5 %), es werde gut Geld verdient, es handele sich einen disruptiven Markt mit Differenzierungsmöglichkeiten, Synergien seien durch Einkauf, Finanzierung, Nutzung der digitalen Plattform und den Auftritt in den Regionen vorhanden, außerdem passten die Aktivitäten in puncto Nachhaltigkeit und Wert der Marke zu dem Konzern.