Silicon Valley meets Duisburg
Silicon Valley meets Duisburg
Mit Hilfe von Venture-Kapital aus Kalifornien will Klöckner-&-Co-Chef Gisbert Rühl die Online-Plattform Xom ausbauen. Dem Stahlhändler aus Duisburg geht es inzwischen wieder so gut, dass er sich sogar die Übernahme der doppelt so großen Werkstoffsparte von Thyssenkrupp zutrauen würde.cru Düsseldorf – Europas größter Stahlhändler Klöckner & Co baut seine Internethandelsplattform Xom aus. “Wir suchen Venture-Capital-Investoren aus dem Silicon Valley für die Finanzierung”, sagte Vorstandschef Gisbert Rühl am Mittwoch anlässlich der Bilanzvorlage für 2017 in Düsseldorf. Eingesammelt werden solle ein “niedriger zweistelliger Millionenbetrag”. Die Handelsplattform, die in Europa schon aktiv ist und auf der auch Konkurrenten wie der finnische Edelstahlkonzern Outukumpu handeln, soll in der zweiten Hälfte des Jahres auch in den USA starten.Klöckner & Co selbst wickelt inzwischen 18 % vom Umsatz über digitale Kanäle ab. Seit Ende 2017 werden die Stahl-Onlineshops durch die Öffnung für Anbieter komplementärer Produkte zu Marktplätzen ausgebaut. Auch für den Einstieg eines Internetkonzerns wie Amazon Business oder Alibaba bei der eigenen Internethandelsplattform Xom sei man prinzipiell offen, sagte Rühl. Klöckner & Co werde die Beteiligung an Xom auf einen Minderheitsanteil reduzieren, um so die Unabhängigkeit der Plattform zu untermauern. Finanzierungspartner nötigDarüber hinaus liebäugelt das Duisburger Unternehmen weiter mit dem Werkstoffhandelsgeschäft des Konkurrenten Thyssenkrupp. “Wir haben ja mal gesagt, dass wir uns das grundsätzlich natürlich ansehen werden, wenn es denn kommt”, sagte Rühl. Noch gebe es aber seines Wissens von Thyssenkrupp keine Entscheidung dazu.Die Werkstoffhandelssparte des Essener Industriegüterkonzerns ist gemessen am Umsatz rund doppelt so groß wie Klöckner & Co selbst. Dementsprechend bräuchte Rühl nach eigenen Angaben einen voraussichtlich nichtstrategischen Finanzierungspartner für die etwaige Übernahme. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte angedeutet sich diesem Thema nach der Vollendung der Fusion der Stahlproduktionssparte mit dem Europageschäft des indischen Konkurrenten Tata Steel widmen zu wollen. Mehr DividendeUnterdessen lag das operative Ergebnis von Klöckner & Co im vierten Quartal zwar unter den Erwartungen, dafür erfüllte jedoch der positive Ausblick auf ein mindestens gleichbleibend hohes Ergebnis im Gesamtjahr 2018 – nach einem Siebenjahreshoch von 220 Mill. Euro beim operativen Gewinn (Ebitda) im Jahr 2017 – die Hoffnung der Investoren. Da der Konzern 2017 aufgrund von steigenden Stahlpreisen und weiteren Kosteneinsparungen im Zuge der Digitalisierung des Handels den Nettogewinn mehr als verdoppelt und mit das beste Jahresergebnis seit 2010 erzielt hat, soll die Dividende für 2017 um die Hälfte auf 30 Cent je Aktie steigen. Der Umsatz erhöhte sich um nahezu 10 % auf 6,3 Mrd. Euro, und die Eigenkapitalquote erreichte bei auf 330 Mill. Euro reduzierten Nettoschulden mit 42 % den höchsten Stand seit dem Börsengang im Jahr 2006. Der Kurs der im SDax notierten Aktie reagierte mit einem Plus von in der Spitze 5 % und später am Nachmittag von zeitweise 2,8 % auf 10,73 Euro. Der Börsenwert des Konzerns hat sich damit seit September 2015 um die Hälfte auf 1,1 Mrd. Euro erhöht. Ankeraktionär ist die auf Digitalisierungsgewinner spezialisierte Holding Swoctem des Schaltkasten-Unternehmers Friedhelm Loh mit 25,3 % der Anteile.—– Wertberichtigt Seite 8