Solarworld plant erneut erheblichen Stellenabbau
Solarworld plant erneut erheblichen Stellenabbau
cru Düsseldorf – Der insolvente Bonner Fotovoltaikkonzern Solarworld muss voraussichtlich in “signifikantem” Umfang weitere Arbeitsplätze abbauen. In den acht Wochen des vorläufigen Insolvenzverfahrens habe wegen hoher Produktionskosten nicht genügend Liquidität erwirtschaftet werden können, um im Anschluss an die Insolvenzgeldzahlungen der Arbeitsagentur ab 1. August 2017 die Personalkosten für die 1 850 Beschäftigten in Deutschland zu leisten, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Horst Piepenburg mit. Allein seit dem Insolvenzantrag am 11. Mai wurden bereits 400 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen. Die US-Tochter, die nicht insolvent ist, hat zudem die Hälfte von 800 Arbeitsplätzen abgebaut. Die Zahl der neuerlichen Entlassungen steht noch nicht fest. Offen ist, ob Solarworld Aufträge von besser ausgelasteten Konkurrenten erhält.Der als Sanierer des Pleitekonzerns Babcock Borsig bekannte Rechtsanwalt Piepenburg hatte kürzlich die australische Investmentbank Macquarie mit der Suche nach Investoren beauftragt. Es gebe mehrere Kaufinteressenten aus dem Inland und dem Ausland, sagte ein Unternehmenssprecher. Diese Investoren seien mit der Prüfung der Bücher in einem Datenraum beschäftigt, bräuchten aber noch bis zu vier Monate, um die Prüfung abzuschließen. “Somit bewegen wir uns gerade im Spannungsfeld zwischen Rettungsaussichten sowie Perspektiven für Solarworld einerseits und den aktuellen Sach-, Struktur- und Personalkosten, die wir nicht vollumfänglich erfüllen können, andererseits”, erklärte Piepenburg. Über notwendige Freistellungen werde erst in der kommenden Woche entschieden. Hauptstandort in Thüringen2016 machte Solarworld – nach sechs Jahren im Minus – weitere 92 Mill. Euro Verlust. Die Preise für Solarmodule waren wegen eines billigen Überangebots aus China um ein Drittel abgestürzt. Bis zum Jahresende stiegen die Schulden auf 302 Mill. Euro, und die Liquidität schrumpfte auf 88 Mill. Euro. Solarworld wollte sich auf höherwertige monokristalline Solarzellen konzentrieren, aber die Strategiewende kam zu spät. Das seit 1999 börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Bonn, wo 200 Beschäftigte arbeiten, betreibt ein Werk im thüringischen Arnstadt mit 1 000 Beschäftigten und ein weiteres Werk im sächsischen Freiberg mit 600 Beschäftigten sowie den Standort im US-Staat Oregon mit 400 Beschäftigten. Der Börsenwert des Konzerns, der einst bei fast 5 Mrd. Euro lag, hat sich auf knapp 20 Mill. Euro reduziert.