Spotify wagt den Sprung an die Börse
Spotify wagt den Sprung an die Börse
Der populäre Musik-Streamingdienst Spotify strebt vor dem Hintergrund rasant wachsender Umsätze, aber noch schneller expandierender Verluste an die New Yorker Börse. Auf Basis jüngster Finanzierungsrunden wird die Bewertung auf bis 23 Mrd. Dollar geschützt.hei Frankfurt – Spotify geht in New York an die Börse und wählt dabei im Gegensatz zu anderen milliardenschweren Technologie-Start-ups den Weg eines direkten Listings. Das 2006 in Schweden von Daniel Ek und Martin Lorentzon gegründete Unternehmen, das bisher insgesamt rund 2,7 Mrd. Dollar bei privaten Investoren eingesammelt hat, gibt in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC zunächst nur an, Aktien im Volumen von 1 Mrd. Dollar platzieren zu wollen. Die tatsächliche Bewertung dürfte sich indes im Rahmen der Preise bei den jüngsten Transaktionen bewegen, die private Anleger zahlten. Spotify nennt dabei eine Spanne von anfänglich 37,50 Dollar bis hin zu 132,50 Dollar und gibt die Zahl der ausstehenden Aktien mit 177 Millionen an. Dies liefe am oberen Ende auf eine Marktkapitalisierung von 23 Mrd. Dollar hinaus.Bei einer Direktplatzierung werden keine Konsortialführer benötigt, die das für die Preisbildung übliche Bookbuilding durchführen. Das spart dem Unternehmen die üppigen Gebühren, die die Banken normalerweise für ihre Dienste kassieren. Allerdings bringt dies auch den Verzicht auf kursstützende Maßnahmen der Banken mit sich. Außerdem sind die Anteilseigner bei einem Listing nicht an Haltefristen gebunden, so dass die Gefahr einer hohen Volatilität für die Aktien besteht. Zu den Investoren der ersten Stunde in Spotify gehören u. a. Accel Partners, der Founders Fund sowie Goldman Sachs. Die Mehrheit der Stimmen liegt bei den beiden Gründern. Ek hält der Mitteilung an die SEC zufolge 37,7 % der Stimmrechte, Lorentzon kontrolliert 43,1 %. Nach einem Aktientausch im Dezember zwischen Spotify und dem chinesischen Internetriesen Tencent halten die Chinesen 2,4 % an Spotify und haben sich zu einer Haltefrist von drei Jahren verpflichtet.Spotify stützt ihre Börsenstory auf ein rasantes Wachstum und die Perspektive, die Kundenbasis auch in den kommenden Jahren stark auszuweiten. Bei einer Präsenz in 61 Ländern zählt das Unternehmen insgesamt rund 160 Millionen Nutzer, dabei 71 Millionen zahlende Abonnenten. Diese expandierten gegenüber Vorjahr um 46 % und damit schneller als die nichtzahlenden Nutzer, deren Zahl um knapp 30 % anschwoll. Die Umsätze kletterten von 2015 bis 2017 auf 4,1 von 1,94 Mrd. Euro, entsprechend einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 45 %, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Allerdings offenbart Spotify ein noch rasanteres Wachstum der Verluste, die 2017 auf 1,24 Mrd. Euro anschwollen, vor allem wegen Kosten im Zusammenhang mit einer Milliardenanleihe. Operativ vor Abschreibungen weitete sich der Fehlbetrag im vergangenen Jahr auf 324 (i.V. 311) Mill. Euro und damit um moderate 4 % aus. Der operative Mittelzufluss stieg dagegen an, auf 179 Mill. Euro nach 101 Mill. Euro im Vorjahr. Der Free Cash-flow stieg auf 109 (73) Mill. Euro.Spotify bezeichnet sich selbst als den weltgrößten Musikstreamingdienst und als doppelt so groß wie der zweitgrößte Wettbewerber Apple, der es aktuell auf 36 Millionen zahlende Abonnenten bringt, gefolgt von Amazon Music Unlimited mit 16 Millionen. Analysten weisen kritisch auf die Finanzkraft der beiden Konkurrenten hin, die theoretisch mit ihrem Musikservice keinen müden Dollar verdienen müssten. Daneben zählen auch mögliche teure Rechtsstreitigkeiten mit der Musikindustrie oder einzelnen Künstlern zu den Risiken eines Investments in Spotify. Das Start-up hält dagegen mit den Vorteilen der Marke und bezeichnet 1,6 Milliarden Smartphone-Nutzer, die über internetgängige Bezahlwege verfügten, als Zielgruppe.