Spotify will es wissen
Spotify will es wissen
Die Spekulationen gibt es schon lange, nun wird es konkret: Spotify soll rasch an der New Yorker Börse gelistet werden – ohne Preisbildungsverfahren. Das Unternehmen aus Stockholm hat einen vertraulichen Antrag für eine Aktienplatzierung eingereicht.wb Frankfurt – Der Musikstreamingdienst Spotify bringt den seit Jahren erwarteten Börsengang auf den Weg. Die Aktien des Unternehmens sollen im ersten Halbjahr direkt in New York platziert werden, heißt es in mehreren Quellen. Spotify äußert sich nicht. Das Unternehmen aus Stockholm habe vor dem Jahreswechsel einen vertraulichen Antrag für eine Aktienplatzierung eingereicht. Die Aktien würden ohne das übliche Preisbildungsverfahren direkt gelistet. Das Konzept ist bisher lediglich von kleinen Biotech-Firmen und Real Estate Investment Trusts genutzt worden. Google kam 2004 mit einer Aktienversteigerung samt öffentliches Angebot.Die 2006 gegründete Spotify ist zuletzt kräftig gewachsen, und es wird über eine Bewertung zwischen 10 Mrd. und 20 Mrd. Dollar spekuliert. Ein Hindernis für den Börsengang könnte allerdings die jüngst eingereichte Klage eines Musikverlags werden, der mindestens 1,6 Mrd. Dollar an Zahlungen für Songautoren erstreiten will. Der Verlag Wixen Music Publishing, der Lizenzen an Songs von Tom Petty oder den Doors besitzt, wirft Spotify vor, Tausende Lieder unerlaubt verwendet zu haben (BZ vom 4. Januar).Schon früher wurde kolportiert, dass es sich nicht um ein öffentliches Angebot des in der bisher letzten Finanzierungsrunde mit 8,5 Mrd. Dollar bewerteten, defizitären Unternehmens handeln könnte, sondern um ein pures Listing ohne Mittelzufluss (vgl. BZ vom 17.4.2017). Eingesammelt wurden in diversen Runden bislang privat 1 Mrd. Dollar an Eigenkapital. Bisher war von 10 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung die Rede. Spotify hatte 2016 eine Wandelanleihe (Kupon: 5 %) über 1,5 Mrd. Dollar bei der Beteiligungsgesellschaft TPG, dem Hedgefonds Dragoneer und Goldman Sachs aufgenommen. Deren Verzinsung steigt nach früheren Angaben um 1 Prozentpunkt mit jedem halben Jahr, bis Spotify an der Börse ist, und verspricht den Geldgebern einen Aktienvorzugspreis. Es wurde mit den Fremdkapitalgebern, denen eine Vorzugsbehandlung zugesichert wurde, um einen Preisabschlag bei einem Schuldentausch gegen Aktien gerungen.Ein Listing würde es erlauben, dass bisherige Investoren Kasse machen, und Gebührenzahlungen an Banken würden gedrückt. Investiert in dem 2006 gegründeten Unternehmen sind Abu Dhabi Investment, Accel, Baillie Gifford, Coca-Cola, Creandum, D.E. Shaw, Digital Sky, Discovery Capital, Fidelity, Founders Fund, Goldman Sachs Group, GSV, Halcyon, Kleiner Perkins, Lansdowne, Li Ka Shing Foundation, Northzone Ventures, Rinkelberg Capital, Senvest, Technology Crossover Ventures, P. Schoenfeld, TeliaSonera und Wellington Partners. Wesentliche Konkurrenten sind Apple, Google, Amazon, aber auch Tidal, Soundcloud oder Deezer, die ebenfalls Streaming anbieten, bei dem die Musik direkt aus dem Netz abgespielt wird. Spotify hat über 60 Millionen zahlende Abonnenten und über 140 Millionen Nutzer insgesamt.