UNTERNEHMEN IM AUSNAHMEZUSTAND

Staatseinstieg bei Lufthansa kein Thema

Ministerium: Beschlossene Hilfen ausreichend

Staatseinstieg bei Lufthansa kein Thema

hei/Reuters Berlin – Die Bundesregierung hält weitere Hilfen für die extrem von der Coronakrise betroffene Flugverkehrsbranche derzeit nicht für nötig. Die bislang verabschiedeten Maßnahmen – ein ausgeweitetes Kurzarbeitergeld, Liquiditätshilfen und Steuerstundungen – reichten zunächst aus, sagte der Luftfahrtkoordinator der Regierung, Thomas Jarzombek, in einer Pressekonferenz in Berlin. Später werde entschieden, ob es weitere Hilfen geben müsse. Eine staatliche Beteiligung an der Deutschen Lufthansa schloss er aus. “Die Verstaatlichung von Unternehmen” sei “definitiv nicht das Ziel” dieser Regierung.Ein Sprecher der Lufthansa erklärte, die Airline begrüße das Krisenmanagement der Bundesregierung. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kritisierte hingegen, Kurzarbeitergeld und Kredite reichten bei weitem nicht aus, um die Branche durch die schwere Krise zu bringen. Wie andere große Fluglinien dünnte die Lufthansa wegen der Einreisestopps von immer mehr Ländern in der Coronakrise den Flugplan erneut massiv aus. Ab Dienstag werden 90 % der Langstreckenflüge und 80 % der Kurzstreckenflüge in Europa bis 12. April ausfallen. Airline-Aktien setzten an den Börsen ihren Sinkflug fort.Fluggesellschaften in aller Welt fürchten um ihre Existenz und rufen nach Staatshilfe, weil wegen verschärfter Reisebeschränkungen und aus Furcht vor dem Coronavirus kaum noch Menschen fliegen. Die drei großen Luftfahrt-Allianzen Star Alliance, Skyteam und Oneworld forderten Regierungen und Geschäftspartner weltweit zur Unterstützung auf.Das Bundesverkehrsministerium will jetzt Flüge aus Risikogebieten wie Iran und China unterbinden. Den Flughäfen und zuständigen Gesundheitsämtern würde nahegelegt, Landeverbote auszusprechen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Baden-Württemberg kündigte an, in den nächsten Tagen den Personen-Flugverkehr an den Airports des Landes einzustellen. Für Frachtflüge werde eine Ausnahme geprüft.Unterdessen betonten sowohl Jarzombek als auch Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, die “Systemrelevanz” der Luftfahrt und ihre Bedeutung für die Versorgungslage “sowohl der Bevölkerung als auch der Unternehmen”, deren Produktion von internationalen Lieferketten abhängig ist. Daher müsse der Frachtverkehr uneingeschränkt bleiben.