Stada streicht Ausschüttung für Investitionen zusammen
Stada streicht Ausschüttung für Investitionen zusammen
hek Frankfurt – Nach der Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven will Stada die Dividende auf 0,11 Euro senken. Der Arzneimittelhersteller begründet die geplante Kürzung mit der Notwendigkeit, in neue Produkte, Technologien und Märkte zu investieren. Daher sei es erforderlich, das Eigenkapital zu stärken. Für das Geschäftsjahr 2016 hatte Stada 0,72 Euro je Aktie ausgeschüttet.”Wir möchten Stada restrukturieren und modernisieren”, sagte Chief Executive Officer Claudio Albrecht. Erfolgreiche Markenprodukte sollen stärker internationalisiert werden. Zudem fassen die Hessen Akquisitionen ins Auge. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen von 6 % des Umsatzes auf 8 % im Zeitraum 2018 bis 2020 steigen. Künftig setzt Stada auf eine “Drei-Säulen-Strategie” aus verschreibungspflichtigen Generika und Spezialtherapeutika sowie verordnungsfreien OTC-Produkten. Bei den Spezialpräparaten, unter die auch Biosimilars (biotechnologisch erzeugte Nachahmermedikamente) fallen, konzentriert sich der Konzern auf die Gebiete Onkologie, Zentrales Nervensystem/Schmerz, Diabetes und Augenheilkunde. Albrecht kündigte an, allein für Biosimilars in den nächsten drei Jahren mehr als 100 Mill. Euro zu investieren.Die Umsetzung der neuen Strategie überlässt Albrecht im Wesentlichen Peter Goldschmidt, der zum 1. September den Vorstandsvorsitz übernimmt. Albrecht war von vornherein nur als Interimschef angetreten. Er zeigte sich überzeugt, dass sein Nachfolger keine großen Veränderungen vornehmen wird. “Stada ist heute kein wirklicher globaler Spieler”, sagte Albrecht. “Der große US-Markt und viele Emerging Markets fehlen.” Zudem fehlten Produkte, die “schwer nachzumachen sind”. Daher will er in neue Technologien investieren, um jene sehr komplexen Produkte zu bekommen, die Stada nicht habe. Bei der Erschließung neuer Märkte spielen Nahost und Nordafrika eine wichtige Rolle, wo eine halbe Milliarde Menschen leben, die bislang kaum erreicht würden. Albrecht nannte insbesondere Iran als Zielmarkt. In den USA will sich Stada auf Spezialtherapeutika konzentrieren und nicht ins Generika-Massengeschäft einsteigen. Der Konzern habe das Potenzial, binnen fünf Jahren in Europa eine “starke Nummer 3” und weltweit die Nummer 5 zu werden. Darüber hinaus peilt das Management Kostensenkungen von mehr als 100 Mill. Euro bis 2020 an, etwa durch effizientere Abläufe, Zentralisierung von Entscheidungen, Bündelung des Einkaufs und ein einheitliches ERP-System. “Wir sind meilenweit davon entfernt, Kostenführer zu sein”, sagte Albrecht.Für das laufende Jahr peilt Stada auf bereinigter Basis 2,5 Mrd. Euro Umsatz und 480 Mill. Euro Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) an, was um einen hohen einstelligen Prozentsatz über den 2017er Werten liegt. Der bereinigte Nettogewinn soll 230 Mill. Euro erreichen (2017: 196 Mill. Euro). Dabei versieht Stada das Prognosetableau mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 5 %. Der Ausblick für 2019 liegt jetzt bei 2,58 Mrd. Euro Umsatz und 540 Mill. Euro Ebitda.In der Ertragsrechnung für 2017 schlagen 45 Mill. Euro Kosten für die Übernahme durch Bain/Cinven, im Wesentlichen für Beratung, und 20 Mill. Euro Aufwand für die Trennung von Führungskräften zu Buche. Mit den Untersuchungen über mögliche Verfehlungen früherer Organmitglieder hat Stada zwei neue Anwaltskanzleien beauftragt: Latham & Watkins analysiert die Vorgänge im Auftrag des Vorstands, während Ego Humrich Wyen für den Aufsichtsrat tätig ist. Die alten Kanzleien seien draußen, so Albrecht. Der Manager hofft, dass bis zur nächsten Hauptversammlung Ergebnisse vorliegen.