Starker Gegenwind für AMS

Investoren zweifeln an Kontrolle über Osram

Starker Gegenwind für AMS

jh München – Das Coronavirus macht AMS einen dicken Strich durch die Pläne für die Übernahme von Osram. Es wackelt nicht nur die Kapitalerhöhung zur Refinanzierung (vgl. BZ vom 17. März). Offenbar traut der Markt dem österreichischen Unternehmen nicht mehr zu, mit einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag die Kontrolle über den Münchner Lichttechnikkonzern zu erlangen. Indikator dafür ist der Aktienkurs von Osram, der sich im Lauf der Woche klar von dem Niveau über 43 Euro entfernt hat. Am Mittwoch notierte er zum Xetra-Schluss bei 27 Euro. Auf AMS kommt deshalb eine erhebliche Abschreibung auf den Osram-Anteil von 23,4 % zu.Kurz vor Börsenschluss zog Osram am Mittwoch die Jahresprognose zurück und teilte mit, Kurzarbeit und das vorübergehende Schließen von Werken zu erwägen. Bis Anfang der Woche hatte die Aktie an der Börse dem Corona-Sturm tapfer getrotzt. Der Grund dürfte die Abfindung von 42,20 Euro je Aktie gewesen sein, die den verbliebenen Aktionären im Fall eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags von AMS mit Osram zugesichert ist. Den Betrag nennt AMS im Prospekt zur Kapitalerhöhung. Er entspricht dem Kursdurchschnitt in den drei Monaten, bevor AMS am 10. Februar die Absicht für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bekannt gegeben hat.Dass sich der Osram-Kurs nun so weit von den 42,20 Euro entfernt hat, verdeutlicht die Unsicherheit im Markt. Investoren halten es inzwischen offenbar für wenig wahrscheinlich, dass es zu einem solchen Vertrag kommt und AMS damit die Kontrolle über Osram erlangt. Grund sind möglicherweise die schlechten Rahmenbedingungen für die aktuelle Kapitalerhöhung von AMS. Nach dem Kurssturz um mehr als zwei Drittel seit dem 10. Februar notiert der Wert knapp unter dem Bezugspreis von 9,20 sfr für die neuen Aktien. Daran änderten auch die Aktienkäufe des Vorstands nichts. Allein Konzernchef Alexander Everke gab dafür am Montag rund 270 000 Euro aus. Risiko für die BankenFür die Banken, die die Kapitalerhöhung garantieren, steigt somit das Risiko, auf den neuen Aktien sitzenzubleiben. Wie berichtet, sind die UBS mit 36,8 % und HSBC mit 34,3 % am stärksten engagiert. Hinzu kommt, dass die Banken dann womöglich den anderen AMS-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten müssten. In der Schweiz gilt dafür eine Schwelle von 33 %. Das dürfte für die Banken nicht in Frage kommen, und sie könnten die Ausstiegsklausel in der Vereinbarung über die Kapitalerhöhung nutzen. Diese greift unter anderem im Fall einer Krise oder einer Veränderung auf den Finanzmärkten.Platzt die Kapitalerhöhung, müsste AMS die Übernahme von Osram vollständig fremdfinanzieren. Banken stellen dem Unternehmen dafür 4,4 Mrd. Euro zur Verfügung. Für die Kapitalerhöhung wird ein Nettoerlös von 1,59 Mrd. Euro angestrebt.Im Prospekt wird auch die nach wie vor hohe Abhängigkeit von Apple deutlich: Von 2017 bis 2019 erzielte AMS mit diesem Kunden 50 bis mehr als 60 % des Konzernumsatzes.