Steag offen für neue Miteigentümer

Aufsichtsratschef Pehlke: Refinanzierung der Schulden wird geprüft - Spekulationen rund um Uniper

Steag offen für neue Miteigentümer

Die Besitzer des Steinkohleverstromers Steag sind offen für den Einstieg neuer Miteigentümer. Bei der Investorensuche ist die Investmentbank Morgan Stanley behilflich, die auch für den Kraftwerksbetreiber Uniper arbeitet.Von Christoph Ruhkamp, DüsseldorfAuch wenn es keinen formellen Beschluss darüber gibt: Die kommunalen Eigentümer von Deutschlands zweitgrößtem Steinkohleverstromer Steag sind offen für den Einstieg neuer Miteigentümer. Deren Beteiligung könnte im Rahmen einer Kapitalerhöhung der Steag GmbH über die Bühne gehen, wie aus Finanzkreisen verlautet. Bei der Suche nach potenziellen Investoren ist nach Informationen der Börsen-Zeitung die Investmentbank Morgan Stanley behilflich, die in der deutschen Energiebranche auch für den Kraftwerksbetreiber Uniper arbeitet, der sich gerade gegen die feindliche Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Fortum zu wehren versucht. Sechs StadtwerkeEigentümer der in Essen ansässigen Steag ist ein Konsortium aus sechs Stadtwerken, das über die Kommunale Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG (KSBG) derzeit Alleingesellschafter ist. Hauptanteilseigner sind die Dortmunder Stadtwerke AG (36 %) sowie die Stadtwerke Duisburg AG (19 %) und die Stadtwerke Bochum GmbH (18 %).Das Stadtwerke-Konsortium hatte die Übernahme der Steag vom Chemiekonzern Evonik im Jahr 2010 zu 70 % mit Fremdkapital finanziert. Geldgeber der Projektfinanzierung waren BayernLB, Commerzbank, IKB, Nord/LB und WestLB, wie damals mitgeteilt wurde. Für die erste Tranche einer 51-Prozent-Beteiligung zahlten die Stadtwerke 649 Mill. Euro, für weitere 49 % zahlten sie 2014 dann 570 Mill. Euro. Der Schuldendienst für die fast 1 Mrd. Euro an Krediten wird vor allem aus den Dividenden der Steag bezahlt. Die Kommunen erhielten für 2016 eine Ausschüttung von 55 Mill. Euro nach 80 Mill. Euro im Jahr zuvor. Neuordnung steht anDoch nun könnte eine Neuordnung anstehen: “Die Steag-Eigentümer müssen im Jahr 2019 die Schulden refinanzieren, die sie für die Übernahme der Steag aufgenommen haben. Wir prüfen derzeit, wie dies am besten geschehen kann”, sagte Steag-Aufsichtsratschef Guntram Pehlke, der auch Vorstandsvorsitzender des Steag-Miteigentümers Dortmunder Stadtwerke AG ist, der Börsen-Zeitung. Dass der Einstieg eines neuen Miteigentümers bevorstehen könnte, wollte er nicht bestätigen.Doch gibt es einen potenziellen Interessenten aus der Region für einen Einstieg bei der Steag. Der Kraftwerksbetreiber Uniper wehrt sich gerade gegen die feindliche Übernahme durch den Konkurrenten Fortum. Die Finnen haben bereits 47 % der Uniper-Anteile vom ehemaligen Uniper-Mutterkonzern Eon für 3,8 Mrd. Euro eingesammelt und erhalten voraussichtlich bis zum Ende der Annahmefrist für ihre Offerte am 2. Februar weitere Aktien angedient – und kämen somit über die Schwelle von 50 %.Damit die Finnen nicht die Kontrolle übernehmen, könnte Uniper-Chef Klaus Schäfer, der Fortum-Chef Pekka Lundmark als “Wolf im Schafspelz” bezeichnet hatte, zu härteren Maßnahmen greifen. Spekuliert wird unter Investmentbankern über eine Kapitalerhöhung von Uniper, um damit einen Zukauf zu finanzieren und gleichzeitig den Anteil von Fortum wieder unter 50 % zu verwässern. Mit den Einnahmen aus neuen Aktien könnte Uniper den Einstieg bei der Steag oder den Kauf anderer Kraftwerke – etwa vom Rivalen EnBW – finanzieren.Am Kauf der Steag interessiert war in der Vergangenheit zudem der Energiekonzern EPH. Die Tschechen hatten Anfang 2016 zusammen mit dem Finanzpartner PPF vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall dessen Braunkohlekraftwerke samt Tagebau in Ostdeutschland gekauft.Kein Interesse an der Steag zeigt dagegen der Wettbewerber RWE, dessen Vorstandschef Rolf Martin Schmitz vor kurzem abwinkte.Uneingeschränkt attraktiv ist die Steag tatsächlich nicht: Durch die Ökostromschwemme im Zuge der Energiewende und den daraus folgenden Strompreisverfall war das operative Ergebnis im Jahr 2016 um die Hälfte auf 123 Mill. Euro eingebrochen – bei fast 4 Mrd. Euro Umsatz. Unter dem Strich stand ein Verlust von 221 Mill. Euro. Doch die Strompreise am Großhandelsmarkt haben sich 2017 erholt, nachdem sie von 2011 bis 2016 fast ohne Unterbrechung gefallen waren. Strom zur Lieferung im nächsten Jahr kostet derzeit rund 35 Euro je Megawattstunde – nach einem Tief von rund 20 Euro. Talsohle durchschrittenDer bis 2016 anhaltende Verfall der Stromgroßhandelspreise hatte die Steag zu einem harten Schritt gezwungen: Um die Wirtschaftlichkeit zu steigern und weitere Verluste zu vermeiden, entschied Steag-Chef Joachim Rumstadt im November 2016, mehrere Kraftwerksblöcke und damit etwa 40 % der Kraftwerksleistung in Deutschland – insgesamt circa 8 000 Megawatt – im Laufe des Jahres 2017 vom Netz zu nehmen. Von den Stilllegungen und dem bis 2022 geplanten Konzernumbau sind rund 1 000 von 3 500 Arbeitsplätzen in Deutschland betroffen. Für den Stellenabbau wurden im Konzernabschluss 2016 rund 150 Mill. Euro bilanzielle Vorsorge für Personal und den Rückbau der Anlagen getroffen.