Südländische Rivalität
Südländische Rivalität
Nächste Woche spielen mit Real Madrid und Juventus Turin der frisch gekürte spanische und der italienische Meister im Endspiel der Champions League um die Krone des europäischen Fußballs. Der unberechenbare Sturm um Reals Superstar Cristiano Ronaldo trifft auf die wohl beste Abwehr der Welt um den unverwüstlichen Torwart Gianluigi “Gigi” Buffon.Wie im Fußball, so gibt es auch im Wirtschaftsleben eine traditionelle Rivalität zwischen den Südländern. Jedoch sind es dort die Spanier, die zuletzt in die Defensive gedrängt worden sind, nämlich durch das Übernahmeangebot der italienischen Atlantia für Abertis aus Barcelona. Durch die Fusion würde einer der weltweit führenden Betreiber von kostenpflichtigen Autobahnen und anderer Infrastruktur entstehen, mit einem gemeinsamen Marktwert von 36 Mrd. Euro. Aber die Reaktionen auf die gut 16 Mrd. Euro schwere Offerte der Gruppe, bei der die Familie Benetton den Ton angibt, hat in Spanien keine Freudentänze ausgelöst. Im Gegenteil, La Caixa, die ehemalige Sparkasse, die über ihren Industriefonds Criteria 22 % an Abertis hält und damit einziger Großaktionär ist, ließ durchsickern, dass man den Preis für zu niedrig halte. Außerdem wollen die Katalanen mehr als nur die drei Mitglieder im 18-köpfigen Aufsichtsrat, die sie nach den Plänen der Italiener in einem fusionierten Unternehmen zugesprochen bekämen.Der Übernahmeversuch hat in Spanien auch die Politik auf den Plan bzw. Platz gerufen. Schließlich hat Abertis mit einem Netz von 1 560 Kilometern rund 60 % aller kostenpflichtigen Autobahnen des Landes unter seiner Kontrolle. Dabei handelt es sich jedoch um Konzessionen. Die Straßen bleiben im Besitz des Staates, der somit bei einem Wechsel der Eigentümer der Betreibergesellschaft ein Wort mitzureden hat, wie der spanische Minister für Bau, Transport und Infrastruktur, Inigo de la Serna, dieser Tage klarmachte. Und nicht nur das. Abertis hat in einer den italienischen Kickern würdigen Abwehraktion in der vergangenen Woche seinen Anteil am Satellitenbetreiber Hispasat um 33 % auf gut 90 % aufgestockt. Hispasat ist wiederum Hauptaktionär der halbstaatlichen Hisdesat, welche strategisch ungemein wichtige Kommunikationsnetze kontrolliert. Wirtschaftsminister Luis de Guindos meldete in diesem Fall ein Mitspracherecht der Regierung in Madrid bei der Übernahme von Abertis an.Derzeit tasten sich beide Seiten noch vorsichtig ab, doch die Erinnerungen an die Vergangenheit spielen in der Psyche eine Rolle. Denn 2006 war im umgekehrten Versuch die Übernahme von Autostrade, Vorgänger der heutigen Atlantia, durch Abertis am Widerstand der italienischen Regierung von Romano Prodi gescheitert. Das hinderte den damaligen spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero freilich nicht daran, dem halbstaatlichen italienischen Energieversorger Enel den Kauf von Endesa, dem größten Stromkonzern Spaniens, zu ermöglichen, um die deutsche Eon auszubremsen. Diese politische Entscheidung vor zehn Jahren hatte aus heutiger Sicht fatale Folgen, da die Italiener Endesa zu ihren Gunsten ausgeschlachtet haben. So verleibten sie sich die besonders wertvollen Geschäfte in Lateinamerika zum Nulltarif ein und nutzen Endesa, bei der Enel noch 70 % der Anteile hält, heutzutage im Wesentlichen als Cash-cow, die ganze 100 % ihres Gewinns an die Aktionäre ausschüttet. Vor kurzem klagte Spaniens Energieminister Alvaro Nadal darüber, dass Endesa zugunsten dieser äußerst großzügigen Dividendenpolitik die Investitionen vernachlässigt, was schon zu Versorgungsengpässen geführt hat. “Auch wenn die sagen, dass dies eine privatwirtschaftliche Entscheidung ist, so betrifft sie doch die Energiepolitik insgesamt und das macht uns große Sorgen”, sagte der Minister. Vor Tagen trat Nadal im Parlament gegen die Italiener nach, da diese die Schließung von zwei besonders schmutzigen Kohlekraftwerken in Spanien planen. “Enel macht Beschäftigungspolitik in Italien auf Kosten der Arbeitslosigkeit in Spanien”, wetterte Nadal, dessen konservative Volkspartei offiziell sonst eher nicht sehr für staatliche Einmischung in die Privatwirtschaft steht. Noch ist das Spiel in der Anfangsphase, aber die Stimmung auf dem Platz wirkt schon sehr gereizt.