Takeda erwägt Übernahme von Shire

Japanischer Pharmakonzern prüft Megadeal in Irland - Stärkung in Spezialtherapien und USA gesucht

Takeda erwägt Übernahme von Shire

swa Frankfurt – In der Pharmabranche zeichnet sich eine weitere milliardenschwere Übernahme ab. Der größte japanische Pharmakonzern Takeda prüft nach eigenen Angaben eine Offerte für den irischen Wettbewerber Shire. Das Vorhaben sei noch in der Sondierungsphase und der Vorstand von Shire noch nicht kontaktiert worden. Die Mitteilung sorgte für einen Kurssprung der in London gehandelten Shire-Aktien um gut ein Viertel. Das Unternehmen hat einen Börsenwert von umgerechnet 39 Mrd. Euro. Ergebnis und Aktienkurs des Konzerns standen im vergangenen Jahr durch zunehmende Generikakonkurrenz und sinkende Lizenzeinnahmen unter Druck. Nach britischem Übernahmerecht muss Takeda nun bis 25. April über die Abgabe einer Offerte entscheiden. Takeda kommt auf einen Marktwert von umgerechnet knapp 34 Mrd. Euro.Die 1986 in Großbritannien gegründete Shire, die ihren Firmensitz vor vielen Jahren aus steuerlichen Gründen nach Dublin verlegt hat, ist auf Medikamente zur Behandlung von seltenen Krankheiten und Medikamente gegen Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) spezialisiert. Der große Teil der Beschäftigten arbeitet in den USA. Im Jahr 2015 streckte der US-Pharmakonzern Abbvie seine Fühler nach Shire aus, blies die 32,4 Mrd. Pfund schwere Übernahme jedoch wieder ab, nachdem sich die Voraussetzungen für die steueroptimierende Verlagerung des Firmensitzes geändert hatten. Seitdem ist Shire selbst im M & A-Markt aktiv und schluckte für 32 Mrd. Dollar die von Baxter ausgegliederte Biotechfirma Baxalta, die auf seltene Bluterkrankungen, Immunleiden und Krebs fokussiert ist. Anfang dieses Jahres hatte der irische Konzern eine Aufspaltung angekündigt, um das neurowissenschaftliche Geschäft mit den Medikamenten gegen Hyperaktivität und die auf seltene Krankheiten ausgerichtete Division zu trennen. Auf EinkaufstourTakeda würde mit dem Erwerb von Shire nach eigenen Angaben zu einem global führenden biopharmazeutischen Unternehmen aufsteigen. Der japanische Marktführer verspricht sich zudem eine bessere Position im US-Markt. Gestärkt würden Segmente wie Onkologie, Gastroenterologie und Neurowissenschaften, die Forschungsschwerpunkte des Konzerns. Es wäre nicht nur der größte Deal für Takeda, sondern auch einer der größten im europäischen Pharmamarkt. Das japanische Unternehmen hatte vergangenes Jahr den US-Krebsspezialisten Ariad für umgerechnet 4,7 Mrd. Euro übernommen und erwarb Anfang dieses Jahres für 520 Mill. Euro die belgische Biotechfirma Tigenix.Die Analysten von Bernstein Research haben die Einstufung für Shire nach Bekanntgabe des Kaufinteresses auf “Outperform” mit einem Kursziel von 4 400 Pence belassen. Große Kostensynergien bei diesem Deal sehen die Analysten nicht. Die Transaktion könne sich angesichts einer gemeinsamen Verschuldung von rund 22 Mrd. Dollar als finanziell risikoreich erweisen.